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Die Apokalyptischen Reiter im Interview (Januar 2011)

Die Reiter plaudern über das neue Album und Schlagersänger

Die Apokalyptischen Reiter auf dem Christmas Metal Festival

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The-Pit.de: Für die meisten Metalfans ist es schön, wenn sie eine „ihrer“ Bands in den Charts finden.

Fuchs: Ja, das ist ja auch cool. Die Metalszene ist ja eh viel größer als sie eigentlich wahrgenommen wird. Trotzdem ist sie eine Subkultur geblieben und findet im Mainstream so gut wie gar nicht statt.

Volk-Man: Bei den kommerziellen Radiostationen gibt es Software, die jeden Song, der im Radio gespielt werden soll, auf Gitarrensolos, Double Bass oder ähnliches untersucht. Sollte die Maschine fündig werden, dann landet das Lied gleich im Müll. Und so ist das Radioprogramm dann aber auch. Den Einheitsbrei kann sich ja keiner mehr anhören.

The-Pit.de: Habt ihr eigentlich irgendwelche Rituale, mit denen ihr euch auf eure Auftritte vorbereitet?

Fuchs: Ja schon, die sind allerdings alle nicht jugendfrei und wir dürfen sie somit hier nicht erzählen. (lacht)

Volk-Man: Das ist ganz unterschiedlich. Was eigentlich immer direkt bevor es losgeht passiert, ist, dass wir uns alle gemeinsam in einen Kreis stellen und die Hände zusammenlegen, um uns gegenseitig anzufeuern und uns Glück zu wünschen. Das machen wir auch schon relativ lange so. Es hat sich also bewährt. Das hat schon Ritualcharakter, denn diese Geste passiert direkt bevor wir auf die Bühne gehen. Das ist der Moment, in dem sich die Realität verändert und nichts mehr ist wie jetzt.

Fuchs: Ohne diese Angewohnheit würde kein Reiter Gig funktionieren. Müssten wir das einmal aus Zeitgründen oder ähnlichem weglassen, dann würde sich wahrscheinlich jeder von uns komisch fühlen.

The-Pit.de: Ihr habt dieses Jahr recht viele Festivals gespielt. Wie ist die Planung für 2011?

Fuchs: Jetzt gehen wir erst mal ab Mitte März auf Tour. Wie sich das dann im Sommer entwickelt, muss sich erst zeigen. Auf jeden Fall wird es genug Gelegenheiten geben, die Reiter mit der neuen Show zum neuen Album live zu erleben.

The-Pit.de: Die Apokalyptischen Reiter haben immer wieder Texte mit tiefgreifendem Hintergrund. Wenn man zur Zeit Nachrichten liest, dann dominieren meist negative Schlagzeilen. Wie beurteilt ihr eigentlich unsere momentane Lebenssituation?

Volk-Man: Die Nachrichten sind ja auch ein Instrument der Macht. Damit kann man sehr viele Menschen erreichen, die sich nicht alternativ informieren, weil sie beispielsweise keine Zeit haben.

Fuchs: Mit einem gut platzierten Bombenkoffer und Terrorwarnungen kann man das Volk schnell zu der Meinung bewegen, dass wir unbedingt schärfere Gesetze brauchen.

Volk-Man: Die Menschen werden konsequent mit den Informationen gefüttert, die sie ruhig halten sollen. Viele halten sich daran aber auch fest, man muss ja nicht selbst denken. Und manchmal ist die Wahrheit noch viel schlimmer als die schlimmste Lüge.

The-Pit.de: Wie seid ihr eigentlich zur Musik gekommen?

Fuchs: Zum Metal selbst kam ich schon in frühesten Jugendjahren. Selbst Metal gemacht habe ich aber erst seit der Wende. Ab dann war es einfacher, an vernünftige Instrumente zu kommen, als in der DDR.

The-Pit.de: Von einem Bekannten weiß ich, dass regimetreue Musiker in der DDR stark gefördert wurden und auch Zugang zu beinahe jeder erdenklichen Hardware hatten, stimmt das so?

Volk-Man: Musiker hatten in der DDR keine Not zu leiden. Wenn man staatlich gefördert war, hat man immer seine Gage bekommen und es war dabei egal, wie viele Leute da waren. Das war sehr risikofrei. Man brauchte aber eine staatliche Erlaubnis, um spielen zu dürfen. Man musste erst vor einem Komitee spielen und beweisen, dass man es kann und dass die Musik konform ist. Dann wurde man bewertet und es wurde festgelegt, wie viel Gage man bekam.

Fuchs: Stell Dir mal vor, wir hätten vor solch einer Kommission spielen müssen! (allgemeines Gelächter)

The-Pit.de: Ihr hattet bei den ersten Alben sehr polarisierende Kritiken. Wie seht ihr da die Entwicklung bis ins Jetzt?

Volk-Man: Die Apokalyptischen Reiter hatten früher immer die längsten Reviews mit 20 Bandnamen und 40 Stilbeschreibungen oder so. Heute sagen die meisten: Das klingt halt nach Reiter. Damit befinden wir uns in einer sehr komfortablen Situation. Wir haben uns kreativ freigeschwommen und wir können jetzt im Prinzip alles machen, ohne dass es uns jemand krumm nimmt.

The-Pit.de: Gibt es Reitersongs zu denen ihr eine tiefe innere Bindung habt?

Fuchs: Das trifft eigentlich auf jeden Song zu. Wir stecken in jedes Lied gleich viel Liebe und es ist für uns nicht wichtig, ob der Titel ein Hit wird.

The-Pit.de: Und wie sieht das mit Musik von anderen Künstlern aus?

Volk-Man: Ich habe 1988 in Polen das „...And Justice For All“ Album von Metallica erstanden. Und dazu habe ich mir meine allererste Schachtel Zigaretten gekauft. Seitdem assoziiere ich Rauchen mit diesem Album.

The-Pit.de: Habt ihr eigentlich noch Vorbilder?

Fuchs: Ja sicherlich. Wenn jemand besonders viel Mut beweist oder ein ganz besonderes Lebenswerk vollbringt, dann finde ich das schon respektwürdig.

Volk-Man: Ich bewundere immer wieder das Durchhaltevermögen mancher Bands. Die gehen gemeinsam durch dick und dünn. Und sie bleiben dabei und machen einfach weiter. Das fasziniert mich.

The-Pit.de: Möchtet ihr uns noch etwas mit auf den Weg geben? Was dürfen wir heute Abend von den Reitern erwarten?

Volk-Man: So ganz genau wissen wir das selber noch nicht. Wir kommen ja gerade ganz frisch aus dem Studio. Die letzten Wochen waren sehr stressig und wir hatten kaum Zeit zu proben. Jetzt sind wir hier und wir werden spielen.

Fuchs: Lest Rüdiger Nehberg!

Es muss eigentlich nicht extra gesagt werden, dass Die Apokalyptischen Reiter natürlich einen furiosen Gig ablieferten. Und das, obwohl Frontmann Fuchs recht heftig von der Bühne abstürzte. Hoch anzurechnen ist den Musikern auch, dass sie sogar ihr Abendessen warten ließen, um dieses Interview abzuschließen.

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