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Destruction im Interview (Mai 2011)

„Ehrlich gesagt: Wenn Nuclear Blast Destruction nicht mehr haben wollen, dann kann ich auch aufhören.“

Der Tod lauert überall

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Schmier: (kann sich nicht mehr zurückhalten) Alter, das fühlt sich unglaublich an. Das ist so, als wenn man jahrelang auf dem Irrweg war, sich nicht gefunden hat und sich mit Leuten herumärgern musste, denn es war nie so, dass es top funktioniert hat. Und dann kommst du zu Blast zurück und sofort zogen alle an einem Strang. Das ist halt unglaublich bei Nuclear Blast. Ich war da fünf Jahre, und das waren die besten fünf Jahre, die ich jemals bei einer Firma hatte. Wir wurden ein paar Jahre wegdiktiert, was im Endeffekt auch eine Erfahrung war. Ich will aber auf keinen Fall etwas schlechtes über AFM sagen, die haben für uns auch einen tollen Job abgeliefert, sie waren korrekt und bemüht, aber zu Blast zurück war wie nach Hause kommen. Da lädt dich und die ganzen Kumpels, die dort arbeiten, der Chef erst einmal zum Essen und Saufen ein, und am nächsten Tag hast du schon einen kompletten Kalender voller Termine, wo alle genau wissen, wo es lang läuft. Jeder gibt dir einen Tipp, jeder hilft dir weiter, das ist halt wie eine große Familie. Die ganzen Kritiker, die zu Nuclear Blast nur Kommerz und so sagen, haben keine Ahnung, wie es da abgeht. Das ist wie eine Metalcommunity, da hilft dir jeder weiter, und ich kann da meine Kumpels zum Cover oder zum Sound fragen, was natürlich eine Hammer-Erfahrung ist. Ehrlich gesagt: Wenn Nuclear Blast Destruction nicht mehr haben wollen, dann kann ich auch aufhören, ohne Scheiß, dann macht mein Leben keinen Sinn mehr. Ich möchte mit der Plattenfirma alt werden, und ich hoffe, dass das auch klappt.

The-Pit.de: Ihr wart Anfang des Jahres für einige Shows in Costa Rica und Mexiko, und wenn man den Einträgen im Gästebuch folgt, dann waren sie dort mehr als begeistert. Was kannst du uns da berichten?

Schmier: Ja natürlich, die Fans in Lateinamerika sind total verrückt nach Metal und insbesondere Thrash Metal. Wir haben in Costa Rica erst zum zweiten Mal gespielt, da sind die Fans ausgerastet. Das ist auch schon toll, wenn du als Band am Flughafen ankommst und da stehen Fans mit Flaggen und T-Shirts und holen dich vom Flughafen ab. Das hat schon was von den Beatles, denn als Metalband erlebt man so etwas nicht alle Tage. In Südamerika ist das noch wahnsinnig ausgeprägt und eine Band wie Destruction ist dort eine ganz ganz große Nummer, und dann freut man sich auch, wenn man dort hinkommt. Die Leute können sich extrem begeistern, wobei man immer mit Abstrichen leben muss. Die Show in Mexiko City war z.B. katastrophal organisiert, das war für unsere Crew keine leichte Aufgabe. Die Fans sind aber einfach sensationell, ein Wahnsinnserlebnis, und in Costa Rica haben sie die Songs so laut mitgesungen, dass ich von meinen eigenen Vocals kein Wort mehr verstanden habe. Ich musste teilweise meine Vocals aussetzen, weil ich orientierungslos wurde, und die Fans schrien lauter als ich. So etwas kennen vielleicht Kai Hansen oder Bruce Dickinson, aber als Thrash-Metal-Sänger? Sehr obskur. Dass die so laut sind, dass du nicht mehr hörst, war auch eine Erfahrung, die ich aus Brasilien oder so kenne, aber in Costa Rica nie erwartet hätte. Die Gastfreundschaft war ebenfalls phänomenal.

The-Pit.de: Und mit diesen Eindrücken seid ihr dann mit Overkill und Heathen auf Tour gegangen. War das für euch auch ein Traumpackage?

Schmier: Ja, das ist toll, das sind beides Bands, mit denen wir groß geworden sind, die wir seit Jahren kennen, die wir schätzen und lieben. Man tourt ja auch mit Bands, die halt auch Kumpels sind, und wo man auch selber sagt: Wow, die haben etwas erreicht, das sind geile Leute und das macht Spaß auf der Tour. Ich schau mir natürlich auch gerne die anderen Bands an, und das macht es speziell. Mit solchen Bands tourt man ja nicht alle Tage. Heathen kommen jetzt auch mit auf die USA-Tour und supporten uns dort drüben im April nochmals.

The-Pit.de: Letztes Jahr beim Headbangers Open Air konntest du dich gar nicht mehr entscheiden, in welcher Sprache du denn nun ansagst. Was hat dich da so verpeilt?

Schmier: Man muss ja immer auch Respekt haben vor den ausländischen Gästen, und auf der anderen Seite sagen die Leute: „Ey, der Schmier ist nur noch besoffen, der labert nur noch auf Englisch.“ - Man muss auch hier immer den Mittelweg finden, da muss man sich ein bisschen reinschaukeln. Ich versuche mir immer vorher, mir keine Gedanken zu machen, und schau lieber, wie die Leute so reagieren, ich bin da eher der spontane Typ. Hat doch aber auch gut funktioniert. Erst einmal fragen, wer überhaupt aus dem Ausland angereist war. Was ich frappierend fand und nicht erwartete, war, dass es schon richtige Wacken-Sprechchöre gab. Das hat mich am meisten überrascht. Letztendlich kannst du mir erzählen, was du willst, aber 80 Prozent der Leute, die auf dem Headbangers sind gehen auch nach Wacken. Das ist für mich halt ein bisschen komisch, aber es war ein supergeniales Festival und ganz sicher ein Highlight des letzten Jahres, so richtig Multikulti zusammengepfercht, anderthalb tausend Metalmaniacs, die auch Spaß haben wollten. Das ist mir im Prinzip lieber als ein Festivalpublikum, das irgendwie nur auf den Headliner wartet. Das war schon geil. Wir kommen auch gerne wieder in den nächsten Jahren, wenn wir wieder eingeladen werden. Dabei hieß es im Vorfeld, ob denn Destruction auch true genug seien, dabei haben wir den Scheiß irgendwie mit erfunden. Es war jedenfalls eine tolle Show, und ich erinnere mich sehr gerne zurück, und wir haben letztes Jahr größere Festivals gespielt, aber Größe ist nicht gleich Größe, das hat schon Napoleon gesagt.

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