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Destruction im Interview (Mai 2011)

„Ehrlich gesagt: Wenn Nuclear Blast Destruction nicht mehr haben wollen, dann kann ich auch aufhören.“

Gitarrist Mike beim Headbangers Open Air 2010

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The-Pit.de: Du hast vorhin schon selbst kurz das Schlagzeug angesprochen. Marc Reign ist wegen Tourstress, persönlichen und musikalischen Differenzen ausgestiegen. Jetzt trommelt er bei Morgoth. Habt ihr noch Kontakt zu ihm, oder seit ihr einfach sauer?

Schmier: Wir haben uns getrennt, weil wir uns nicht mehr gemocht haben. Es gab natürlich auch persönliche Probleme, und das Musikalische war eines. Er hatte keinen Bock mehr, die schnellen Parts zu spielen und außerdem war es ihm ein bisschen zu anstrengend, mit Destruction viele Konzerte im Jahr zu spielen, und dann haben wir uns halt auch persönlich nicht mehr so gemocht. Es ging nur bergab. Es hat meistens mit einer neuen Freundin zu tun, mit anderen Lebensumständen, das kann halt passieren. Nichtsdestotrotz haben wir versucht, die Trennung vernünftig hinzubekommen. Wir haben ihn nicht rausgeworfen und er ist auch nicht gegangen. Wir haben uns einfach getrennt. Dass er jetzt einen Job bei Morgoth hat, freut mich für ihn. Er ist auch ein guter Trommler, keine Frage. Er hat aber die neue Platte nicht trommeln können, weil es für ihn viel zu schnell ist. Es war halt von Anfang an die Maxime, dass die neue Scheibe schnell und brutal werden sollte, und wer die letzten Platten verfolgte, der wird merken, dass das Schlagzeug gerne ein bisschen mal den Schlendrian machte und nicht immer alles durchbretterte. Er hat gerne viel Midtempo gespielt und das war immer eine Diskussion zwischen uns. Ich bin halt bei uns der Speedfreak und ich mag schnell. Ich schreibe die Songs auch, damit sie schnell gespielt werden, und wenn der Schlagzeuger bei uns den Hinkefuß macht und nicht die Doublebass, dann krieg ich die Krise. Es gab viel zu viele Probleme in letzter Zeit, und deswegen ist es auch gut so, dass wir einen Abschied geschafft haben. Er macht sein Ding, wir machen unser Ding. Deswegen ist die Destruction-Scheibe auch so gut und auch so schnell geworden, so brachial. Er hat 'nen coolen Job, und die Sache ist einfach gegessen.

The-Pit.de: Und Vaaver wird an allen Ecken und Enden gelobt…

Schmier: (unterbricht) Da habe ich mich auch schon ein bisschen aufgeregt, wenn Götz Kühnemund im Rock Hard schreibt, dass wir im Studio nachgeholfen haben. Da muss er sich den Typen mal live anschauen. Der ist so gut. Es gibt tatsächlich auch Schlagzeuger, die live so gut spielen können wie auf Platte, er ist einer von denen und deswegen haben wir ihn auch geholt. Er bringt uns noch mal auf ein neues Level. So gut wie Marc war; Vaaver ist einfach einen Tick besser, schneller; einen Tick ausgebildeter. Er hat Schlagzeug studiert, er spielt im Sinfonieorchester in Warschau und er ist einfach ein phänomenaler Musiker, aber auch ein Metalhead. Er kommt halt mit einem gewissen Potential an und hat auch eine gewisse Brachialität, ein sehr starker physikalischer Spieler, er ist nicht so ein Streichler, der so sehr auf den Trigger achtet, er ist ein Schlagzeuger der reinschlägt, halt perfekt für uns. Er hat sich sehr gut eingefügt, und als polnischer Staatsbürger ist er auch sehr trinkfest, was sehr wichtig für eine Band wie Destruction ist. Er hat auch eine sehr gute Arbeitsmoral, die die Polen ja eh haben, und in dieser Beziehung war das ein guter Tipp von den Jungs von Behemoth und Vader, die uns darauf hingewiesen haben.

The-Pit.de: Das war dann ja auch eine gute Bestätigung eurer Wahl.

Schmier: Ja, natürlich. Die Sache war so, dass wir mit ihm geprobt und ihn für ein paar Festivals eingeladen haben, bis wir dann am Ende im Studio saßen und er uns zeigen musste, was er wirklich kann. Wir saßen da in Siegburg mit dem Schlagzeuger von Perzonal War, der auch ein eigenes Studio hat, haben dort die Schlagzeugtracks aufgenommen, und uns ist allen komplett die Kinnlade heruntergefallen, als er losgelegt hat, die Songs zu spielen. Dass er gut ist, wussten wir alle, dass er aber im Studio wirklich so genial ist, das hätte keiner erwartet. Das war, als ob du Dave Lombardo zum ersten Mal hörst, absoluter Wahnsinn. Das ist für die Band natürlich dann toll, diese Entscheidung getroffen zu haben. Wir hatten auch ein paar andere gute Leute, aber er war dann auch schon so professionell und gut, dass wir wirklich da saßen, und selbst Martin, der ja selbst bei Perzonal War Schlagzeug spielt, ist selber das Kinn heruntergefallen: „Wow, so etwas habe ich hier im Studio noch nie erlebt.“ Das zeigt ja auch, dass man die richtige Spürnase hatte und dass man auf die richtigen Leute gehört hat, und dann zählt halt am Ende auch das notwendige Gespür für den richtigen Menschen. Das war eh von Anfang an klar bei ihm, weswegen ich hoffe, dass wir für die nächsten hundert Jahre den richtigen Mann gefunden haben.

The-Pit.de: Mit Mike hast du quasi einen lebenslangen Partner an deiner Seite. Wäre Destruction Geschichte ohne ihn? Und wie haltet ihr das die ganzen Jahre miteinander aus?

Schmier: Das ist wie bei einer guten oder schlechten Beziehung, man ergänzt sich oder man ergänzt sich halt nicht. Wir gehen öfter Konflikten aus dem Weg, wir sprechen aber auch wieder danach, und wir haben aus den schlechten Jahren gelernt, aus den ganzen Streitereien. Die Reunion-Jahre waren bestimmt nicht so einfach, wie alle Leute gedacht haben. Wir haben uns auch oft gefetzt, aber in den letzten Jahren haben wir einen konsequenten Weg gefunden, miteinander zu arbeiten. Und das funktioniert auch sehr gut so. Wie so ein altes Ehepaar. Man geht sich halt bei Konflikten aus dem Weg, dann spricht man wieder miteinander, und sie werden aufgearbeitet, sodass jeder in der Band wieder zufrieden ist und man einen gemeinsamen Nenner findet, denn eine Band ist immer auch Teamwork. So ist das auch bei uns. Das muss man sich erarbeiten, das ist nichts, was von heute auf morgen kommt. Das ist wie bei jeder Freundschaft. Es gibt Tief- und Höhepunkte und die musst du aufarbeiten, dass man dann auch weiterkommt. Und das haben wir in all den Jahren gelernt.

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