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Deserted Fear im Interview (März 2017)

„...ich finde es ja auch nicht verkehrt, seine politische Meinung zu äußern...“

Gitarrist Fabian, live beim Turock Open Air 2015

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The-Pit.de: Viele denken, das Metal unpolitisch ist, eine Meinung, die ich nicht teile. Im Review habe ich euch gleich mal als Botschafter für eine bessere Ost-West-Bindung gesehen. Was denkt ihr darüber?

Simon: Puuuh, ich bin wohl noch zu jung, um diese Frage richtig beantworten zu können, da fehlt es mir wohl noch ein bisschen an Überblick. Ich bin 1991 geboren und habe von dieser Ost-West-Beziehung nicht viel mitbekommen, bis wir angefangen haben zu touren und eben öfters in den alten Bundesländern unterwegs gewesen sind. Ich fand, dass wird immer öfter dort angesprochen oder da war das öfter Thema als hier bei uns. Das ist für uns logisch, es ist wohl interessanter in den alten Bundesländern, unsere Sichtweise zu erfahren, wenn man von hier kommt.

The-Pit.de: Man sollte es nicht unterstützen, aber leider werden immer wieder Vorurteile gepflegt und am Leben erhalten, so dann auch gerne über die Menschen in Thüringen, da stehen Death und vor allem Black Metaller schnell in der Kritik...

Simon: ...ich finde es ja auch nicht verkehrt, seine politische Meinung zu äußern, auch in der Musik. Ich finde nicht, dass es unpolitisch sein muss, Heaven Shall Burn sind da ja auch ein gutes Beispiel, dass sie den Leuten auch mal einen Finger zeigen, egal welchen und dabei sagen, dass man mal ein bisschen aufpassen soll, was so passiert, dass man etwas machen muss und auf die Straße gehen soll. Das finde ich schon gut.

The-Pit.de: Wenn man schon aus Eisenberg kommt, ist da der Name verpflichtend?

Simon: Ja scheint so. Eigentlich sieht die Realität recht traurig hier aus, da es gerade mal noch eine Metalcore-Band gibt, vielleicht noch eine Deathcore-Band, aber ansonsten haben wir hier überhaupt keine Metalszene, diese existiert nicht. Eisenberg ist eigentlich eine schöne Kleinstadt, zum Kinder aufziehen ganz schön, schön ruhig. Ansonsten war es für uns nicht mehr so interessant als junge Leute, die etwas erleben möchten.

The-Pit.de: Wenn man aus Eisenberg kommt, sich Deserted Fear nennt und mit zur Speerspitze der deutschen Death-Metal-Szene zusammen mit Sulphur Aeon oder auch Revel In Flesh geworfen wird, dann ist das doch schon eine Ansage, die ebenfalls verpflichtet...

Simon: ...ja, das hat sich so ergeben. Wir haben einfach einen Haufen Energie reingesteckt, Energie, die andere aus der Region wahrscheinlich eher mit Saufen und Abhängen verbringen. Wir haben halt Musik gemacht, wir haben uns jeden Tag getroffen, zusammen Musik gehört und gegenseitig neue Bands gezeigt. Ich bin auf Konzerte gefahren, 2008 war ich zum ersten Mal auf dem Party San, noch so als Teenie, und habe da gefeiert. Da habe ich zum ersten Mal Dismember live gesehen, Bolt Thrower gleich hinterher, vorher noch Behemoth und Legion Of The Damned, habe mir da mindestens fünf Stunden vor der Bühne die Beine in den Bauch gestanden. Das war schon krass damals, weil ich mich noch gar nicht so viel mit den Bands beschäftigt habe. Das war aber irgendwie die Initialzündung. Mit Bolt Thrower wurden wir am Anfang immer wieder verglichen, aber ehrlich gesagt konnten wir das nicht nachvollziehen und haben uns dann gesagt, wenn wir immer mit denen verglichen werden, das müssen wir uns das wohl mal anhören. Das ist bei uns natürlich entstanden, ich weiß gar nicht, wo meine Einflüsse alle herkommen. Zu der Zeit habe ich gerne Dimmu Borgir gehört, ich war eher in der düsteren Richtung unterwegs, später auch Mayhem. Necrophobic haben uns auch sehr beeinflusst, die haben ja auch immer diese langsamen Schweden-Blasts dabei. Das habe ich dann gerne übernommen. Ansonsten höre ich gerne auch mal Rammstein, vor allem in meiner frühen Jugend mit dreizehn, vierzehn habe ich viel Rammstein gehört. Heute höre ich das aus meinen eigenen Sachen auch viel wieder raus. Wenn ich mir Rammstein anhöre, da...mmmhh...erinnert mich das häufig an das, was ich heute spiele. Das sind so Kleinigkeiten, aber irgendwie beeinflusst einen schon alles, was man irgendwie hört.

The-Pit.de: Lass uns doch noch kurz über den Videoclip zu „Open Their Gates“ sprechen, womit ihr bis heute fast 40000 Clicks generieren konntet. Ihr nehmt euch da ja selbst nicht immer ganz ernst. Wie ist die Idee entstanden?

Simon: Das war genau das, was wir erreichen wollten. Wenn dieser Eindruck entsteht, dann haben wir unsere Arbeit wahrscheinlich gut gemacht. Es ging schon darum, sämtliche Klischees zu bedienen und uns möglichst lächerlich zu machen. Da muss man natürlich auch immer gucken, dass man nicht zu sehr in diese Spaßschiene rutscht, das wollen wir auch nicht. Wir haben schon den Anspruch, dass es ernst genommen wird, was wir machen. So etwas dient einfach auch zur Auflockerung für uns selbst, weil wir uns selbst auch nicht so ernst nehmen und am Ende es auch in der jeder Hinsicht falsch ist, wenn man sich selbst zu ernst nimmt. Das soll aber nicht heißen, dass die Musik nicht ernst genommen werden soll.

The-Pit.de: Auf Promobildern und auch auf Facebook seid ihr als Trio unterwegs – was ist mit einer festen Besetzung als Quartett?

Simon: Das ist schwierig. Die Situation hat sich jetzt so ergeben, weil unsere Bassisten, die wir bisher hatten, immer irgendwie anderweitig eingespannt waren. Der Albi (Albrecht Probst; Anm. d. Verf.), der das zweite Album und auch die Tour dazu gespielt hat, der hat halt ein eigenes Bandprojekt, welches er vorantreiben will und möchte und konnte sich deswegen nicht so viel einbringen. Deswegen war die Lösung dann so am besten, bevor wie da einen Auftritt haben, eher zwei, dreimal proben und das er ansonsten aus der Nummer raus ist. Auch beim jetzigen, dem Lars, ist es dasselbe. Er studiert etwas recht anspruchsvolles, geht nebenher arbeiten, hat dazu seine Freundin geheiratet, da kann man sich schon vorstellen, dass eben nicht so viel Zeit und Nerven für die Band bleibt. Am Ende treffen wir als Kern zu dritt die ganzen Entscheidungen, wir sind so der Think Tank zusammen. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, da wird es dann auch anstrengend werden, jemanden mit einzubinden, der halt sowieso den Kopf dafür nicht frei hat. Wir schließen ein festes Bandmitglied nicht aus, aber gerade sieht es nicht danach aus, dass wir jemanden dazu bekommen. Am Ende sind auch alle zufrieden mit der Position. Er ist froh, dass er die Position am Bass hat und live dabei ist, das macht ihm auch Spaß und er ist gerne mit uns unterwegs, alles andere Drumherum würde ihn sicherlich überfordern.

Das war es dann auch, gut das doppelte an Zeit, die vorab veranschlagt wurde. Danke an Drummer Simon für seine Zeit und Century Media-Birgit für die Vermittlung.

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