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Dead Lord im Interview (Oktober 2016)

„Ich denke nicht, dass es ein Retro-Dingen ist, sondern eher etwas zeitloses“

The-Pit.de: Auf der einen Seite sind deine Texte von sehr persönlicher Natur, auf der andere Seite schreibst du auch über Rassismus usw. Was denkst du über die seltsame europäische Politik, die Flüchtlingsproblematik bis hin zu solchen Auswüchsen, dass es in Deutschland Gruppierungen gibt, die das Erschießen von Menschen gefordert haben?

Hakim: Das passiert auf der ganzen Welt... es ist traurig, weil es von Leuten kommt, die einfach nicht verstehen, was in der Welt so abgeht. Der Grund für die ganzen Flüchtlinge ist doch, weil der Kapitalismus die ganzen Regierungen beeinflusst. Der Grund für die Kriege hat doch immer wieder mit Vermögenswerten wie Bodenschätzen in den Ländern zu tun. Wenn man das genauer betrachtet, dann merkt man schnell, dass die schlimmen Figuren in den Banken sitzen, die ein Interesse daran haben, dass weiter Krieg geführt wird. Wir im Westen haben über hunderte Jahre unzählige Länder ausgenutzt, um dort zu stehen, wo wir heute sind. Großbritannien ist fast in jedes Land einmarschiert und sie sind heute mit die größten Rassisten, die es gibt, lassen niemanden in ihr Land. Ich denke, dass die Menschen nicht verstehen, was das wirkliche Problem ist. Das Problem sind nicht die Flüchtlinge, das Problem ist eigentlich das Kriegführen und die Politiker, die dahinter stecken. Es ist so weit weg vom Alltag der Menschen, was alles so passiert mit den ganzen Handelsabkommen oder was die Banken alles so machen. Die Leute sehen nur die Armut und wie hässlich es ist, arm zu sein. Es ist aber nicht hässlich, reich zu sein. Ich denke aber, dass, wenn du richtig reich bist, du auf einer Menge Menschen herumgetrampelt bist, und genau das sollte das eigentliche Übel sein. Das kotzt mich an und alles, was ich da machen kann, ist, darüber zu schreiben. Ich bin auch sehr dankbar dafür, diese Möglichkeit zu haben, meine Ideen und Gedanken herauslassen zu können. Ich kann mich an eine Tour erinnern, als da der Fünfzehnjährige vor dem Club stand und seine Platte signiert haben wollte. Ich bin zu ihm raus, er sagte, dass er ein Interview von mir gelesen habe. Da ist mir aufgefallen, dass wenn einer aufwacht und seine Ansicht überdenkt oder gar ändert, wenn das nur eine Person ist, dann hat sich das schon gelohnt. Und es ist wahrhaft ein Privileg, durch Musik etwas zu verändern. Natürlich, zuerst sollte man einen richtig geilen Song schreiben, den man sich gerne anhört. Unsere Shows sollen ja auch Spaß vermitteln, es ist ja nicht so, dass ich dort stehe und politische Reden schwinge. Wir haben Spaß auf der Bühne. Nur man kann es auch mit ernsthaften Inhalten verbinden und ohne diese Möglichkeit würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden, wenn ich mir so anschaue, was in diesem Moment in der Welt alles los ist. Manchmal aber schreibt man auch einen Song, ohne sich große Gedanken zu machen, da geht es einfach um den Song. Er soll einfach nur Spaß machen. Und genau diese beiden Dinge sind wichtig, die richtige Mischung macht es halt aus. Man kann nicht immer nur über ernsthafte, schwierige Themen sprechen, manchmal sollte man einfach nur ein Bier trinken und sich zuprosten.

The-Pit.de: Ihr wart mit Audrey Horne auf Tour, ich habe euch noch auf der Tour mit Danko Jones gesehen... auf Tour verbringt man viel Zeit mit Soundchecks usw. und dann wartet man, bis es endlich losgeht. Was macht ihr eigentlich noch so, damit es einfach nicht langweilig wird?

Hakim: Manchmal ist das schon anstrengend, vor allem, wenn etwas nicht funktioniert oder etwas kaputt geht...

The-Pit.de: ...wie ein Tourbus zum Beispiel? Bullet hatten ja auch mal das Problem...

Hakim: ...ja genau, solche Sachen meine ich. Sie mussten damals 2000 Euro bezahlen. Solche Dinge können mit der Zeit mal passieren. Je häufiger wir aber touren, desto besser laufen die Dinge zusammen. Wenn du eine Nightliner-Tour fährst, ist das sehr sehr hilfreich, denn dann kannst du schlafen, musst nicht selber fahren, ich hasse es auch, früh morgens aufzustehen. Hotelzimmer haben auch ihren Charme, aber du musst immer wieder um sieben Uhr morgens raus aus den Federn, und das, wenn man vielleicht vorher noch ein paar Biere hatte. Ist doch auch doof, fürs Frühstück zu bezahlen, ohne es nutzen zu können. Wenn die Halle Mist ist, wenn der Promoter ein Arsch ist, wenn einfach alles einfach kacke ist – spätestens auf der Bühne ist alles vergessen, und selbst wenn da nur ein Kerl mit einem Dead Lord-Shirt steht, dann ist das das entspannteste und das geilste Gefühl, welches für alles entschädigt. Du vergisst einfach alles, wenn da einer kommt und zu dir sagt: „Hey, ich mag deine Musik, mach weiter.“ Solche Dinge treiben einen voran.

The-Pit.de: Mit meinen Fragen wäre ich soweit durch, du musst dich ja jetzt auch noch für die Show vorbereiten. Willst du unseren LeserInnen noch etwas mit auf den Weg geben?

Hakim: Eigentlich wünsche ich jedem, kein Arschloch zu sein. Genau das versuche ich nämlich auch.

Und auch wenn die Supportband gerade beim vorletzten Song angekommen ist, scheint Hakim die Ruhe in Person zu sein, denn auf dem Weg vom Tourvan zum Club quatschen wir noch weiter... aber das bleibt privat. Schaut euch Dead Lord auf Tour an, hört euch die Platten, so der Appell von uns... keep on rocking.

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