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Ctulu im Interview (Juni 2011)

„Es ist einfach großartig, diesen Soundtrack für den Film zu schreiben, dessen Regisseur jeder Hörer in seinem eigenen Kopf sein darf.“

Sänger Rolf wird die Band leider gegen Ende des Jahres verlassen

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The-Pit.de: Nach den beliebten Top-Fünf-Alben frage ich dich gar nicht erst, deswegen nenne mir doch deine Top Drei der besten Konzerte, die du je besucht hast.

Arne: Mein allererstes Konzert war direkt ein Festival. Aus geografischer Bequemlichkeit war das natürlich Wacken 2004. Das war für mich eine wichtige Erfahrung und ich hatte dort auch einige Konzertmomente, wie ich sie wahrscheinlich nie wieder haben werde. Man kann sagen, was man will, aber für mich ist Wacken immer noch DAS Festival. Die meisten Leute, die sich darüber aufregen, waren noch niemals da und haben keine Ahnung, was dieses Festival ausmacht. Eigenwerbung und Kommerz hin oder her, ich bin jedes Jahr gern dort. Es gibt einfach auf der Welt keine andere Möglichkeit, eine geschlagene Woche unter derart vielen Gleichgesinnten zu leben. Aber zurück ins Jahr 2004. Ich hatte bis dato nur Thrash, Alte-Männer-Rock und Motörhead im Kopf. Das härteste, was ich kannte, war „Reign In Blood“ von Slayer. Als dann aber einer meiner Freunde zu Darkthrone/Satyricon wollte, dachte ich: Da gehste mal mit. Ich hatte absolut keine Ahnung, was Black Metal ist. Tags zuvor spielten Mayhem (mittags), was mir als eines der miesesten Konzerte in Erinnerung ist, die ich je gesehen habe, so hatte ich keine besonderen Erwartungen. Ansonsten kannte ich eine Slayer-Coverversion von Dark Funeral, vor der ich tatsächlich Angst aufgrund des Gesangs hatte, und die ich deshalb nicht hören wollte. Aber als dann, wieder zurück in Wacken, nachts um halb eins das Intro zu „Walk The Path Of Sorrow“ erklang, war ich für eineinhalb Stunden völlig gefesselt. Man muss sich das vorstellen: Ich war sechzehn, war bis zu diesem Samstag auf genau fünf Festivalshows jemals gewesen. Davon alle bis auf Destruction tagsüber ohne große Lichtshow. Bis circa eineinhalb Jahre vorher kannte ich nur Hip-Hop und dachte, Musik an sich sei beschissen. Dann wird alles völlig über den Haufen von Dunkelheit geworfen. Corpsepaint aus großer Entfernung (ich stand auf Höhe des Soundturmes). Keyboardteppiche. Der Vision eines so fremdartigen wie unbekannten Landes wie Norwegen, welches mir wesentlich exotischer als China oder weiß der Geier was vorkam. Einem der bis heute besten und atmosphärischsten Intros, die ich kenne. Im Gegensatz zum Vortag (Mayhem) ungetriggerte und weniger chaotisch klingende Blastbeats. Halbschlaf. Lichtergeflacker. Trance. Ich war völlig (unterschwellig) fasziniert von diesem Black-Metal-Image, dieser durchgängigen Bandkonzeption. Den Bandfotos in voller Montur im Wald, die ich von Pullovern des Freundes kannte, der mich dahin mitgenommen hatte. Eins mit der Natur. Das Ganze klingt absolut kitschig und albern ohne Ende, ich weiß, aber so habe ich das einfach damals empfunden. Ich kannte nur ein paar Geschichten, die sich um norwegischen Black Metal rankten und wusste überhaupt nicht, wie mir geschah. Heute sehe ich das natürlich völlig nüchtern und denke, dass es einfach die Mischung aus der Faszination des völlig Unbekannten, dämmernden Halbschlafes, ein wenig Bier und natürlich auch irgendwo der Musik an sich war, die mich so in ihren Bann gezogen hat. Das ist wieder ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig Unwissen für eine gewisse Atmosphäre oder gar „Aura“ sein kann. Ich musste am Montag danach auch sofort in den Plattenladen und „Dark Medieval Times“ haben, was auch auf Platte nicht weniger eindrücklich für mich war. Im selben Jahr noch habe ich dann meine erste eigene Band gegründet. Ich muss heute sagen, dass Keyboard-Black-Metal mir absolut nichts (mehr?) gibt, aber die Atmosphäre, die Satyricon an jenem Abend, vor allem auch mit dem Keyboard, versprüht haben, war unglaublich. Ich denke, dass jede Band, ob bewusst oder unbewusst sei völlig dahingestellt, versucht, solche Atmosphären zu erschaffen, die es wirklich vollbringen, den Hörer komplett zu entführen. So etwas ist unglaublich schwer und gar nicht zu kontrollieren und ich hatte das als Hörer, wie gesagt, bisher nur bei diesem Konzert. Als Musiker habe ich das allerdings relativ oft auf der Bühne (was man mir wohl auch ansieht, soweit ich das beurteilen kann), dass ich zwei komplette Riffs durchgehend völlig versteinert in die Gegend starre und ganz woanders bin. Aber genau das ist, was die Leidenschaft an der Sache so fördert und weshalb ich jetzt hier so viel schwafle. Das ist, weshalb wir den ganzen Zirkus überhaupt veranstalten. Alles für diese flüchtigen 10 bis 20 Sekunden, die aber so ewig nachhallen. Es ist einfach großartig, diesen Soundtrack für den Film zu schreiben, dessen Regisseur jeder Hörer in seinem eigenen Kopf sein darf. Und wenn wir es auch nur einmal schaffen sollten, eine derartige Erfahrung bei einem Hörer zu evozieren, kann ich danach beruhigt in Rente gehen. Heute finde ich den Hype um Norwegen-Black-Metal allerdings völlig lächerlich. Ansonsten gab es noch viele weitere Erfahrungen, aber keine war jemals wieder so eindrucksvoll und anschaulich wie diese. Für mich war das im Prinzip ein Kulturschock - also plattdeutsches Dorfleben trifft norwegisches Nationalorchester sozusagen.

The-Pit.de: Und wie schaut es mit Ctulu-Konzerten aus? Hast du da einige extrem gute oder extrem furchtbare Erfahrungen gemacht?

Arne: Ctulu-Konzerte waren bisher immer stark abhängig vom Bühnensound, welcher absolut darüber entscheidet, wie wohl man sich auf der Bühne fühlt oder ob man das überhaupt tut. Wir haben leider immer noch keinen eigenen Mischer. Mein erstes Auslandskonzert in Kopenhagen 2009 (Ctulu waren 2007 in Athen, bevor ich einstieg) war eine jener Erfahrungen mit absolut beschissenem Sound. Doch wurde das Ganze dann vom Publikum so aufgefangen, dass die Spielfehler mich nicht mehr gekümmert haben. Wir haben auf einem Eintagesfestival gespielt. Vor uns kamen sieben Rumpel-BM-Bands, die alle zusammen circa acht Melodien dabei hatten. Direkt vor uns haben Shining (den Saal leer-) gespielt und wir dachten, danach ginge gar nichts mehr und wir machen jetzt eine Probe mit Zuschauern. Als dann aber der Vorhang hochging, wurden wir absolut frenetisch abgefeiert und unser Melodie bezogener Extreme Metal war genau das, was viele der Besucher gebraucht hatten. Dies war auch eines der ersten Konzerte, bei dem ich festgestellt habe, welch hypnotische Wirkung unsere Musik auf mich haben kann. Ich muss teilweise halbe Ewigkeiten ins Publikum gestarrt haben. Danach haben wir uns für unsere Verhältnisse auch dumm und dämlich verkauft. Dazu kam, dass Rolf zum allerersten Mal dabei war und alles in den Schatten gestellt hat, was ich bisher als Sänger auf einer Bühne erleben durfte. Die anderen zwei besten Erinnerungen waren die zwei vergangenen Ragnarök-Festivals, davon im Speziellen das diesjährige. Wir konnten uns zum ersten Mal genau so präsentieren, wie ich mir das immer gewünscht hatte. Als das dann auch noch durch die Bank positiv ankam, war ich hochzufrieden.

The-Pit.de: Die letzten Worte gehören dir.

Arne: Kommt selbst zu den nächsten Konzerten und lasst euch überzeugen und in den Bann ziehen!

The-Pit.de: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Glück mit der neuen Platte!

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