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Ctulu im Interview (Januar 2017)

"Ich sehe den Kult, den manche um sich selbst machen, als ziemlich überflüssig."

Ctulu können für 2017 noch keine Livedates bestätigen

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Die Extreme Metaller Ctulu sind spätestens seit ihrer Platte „Sarkomand“ fester Bestandteil der immer wiederkehrenden Bands bei The-Pit.de, das letzte Interview ist schon wieder gefühlt tausend Jahre her und mit der neuen und brachial-starken unbetitelten Platte im Hinterkopf wurde es dringend mal wieder Zeit, Saitenhexer A. auf den Zahn zu fühlen, der sich wie üblich als eloquenter und ausführlicher Gesprächspartner zeigte.

The-Pit.de: Moin A., schön dich mal wieder als Interviewpartner zu haben! Unser letztes Interview war immerhin schon 2011, nach dem Release eures zweiten Albums „Sarkomand“. Kannst du berichten, was sich seitdem bei Ctulu getan hat und wie der aktuelle Stand ist.

Moin Katharina! Es ist so viel passiert, dass ich mich ernsthaft frage, ob das nicht schon zehn Jahre her ist. Wir haben ein Album rausgebracht, mit dem wir ziemlich auf der Stelle stehengeblieben sind und haben ziemlich viel live gespielt, vor allem auch im Ausland. Nebenbei sind einige Leute gekommen und gegangen und wir sind von einem Quintett auf ein Trio zusammengeschrumpft. Am 18.11.16 ist dann das aktuelle Album herausgekommen.

The-Pit.de: Auf eurer Homepage haltet ihr euch relativ bedeckt mit Informationen bezügl. der Band – mehr als Stil und Gründungsjahr, sowie die Herkunft des Bandnamens erfährt man da nicht. Auch die Bandnamen und –gesichter sind auf den Promobildern anonymisiert bzw. es werden Pseudonyme genutzt. Seht ihr euch ein bisschen als Gegenpol zu der absoluten Transparenz, die sonst im Internet herrscht?

Ich sehe den Kult, den manche um sich selbst machen, als ziemlich überflüssig. Nebenbei denken viele, dass man jeden möglichen Scheiß hinter den Kulissen unbedingt für die Nachwelt festhalten muss. Ich kann absolut nicht nachvollziehen, warum Videos von Mgła hochgeladen werden, die sie unmaskiert beim Soundcheck zeigen. Oder warum man Beweise oder Hinweise veröffentlichen muss, wer hinter Ghost steckt. Vielleicht bin ich da der Einzige, aber ich will das echt nicht wissen. Das interessiert mich absolut kein bisschen. Im Gegenteil. Ich finde, dass die Aura und Magie hinter der Musik damit gelegentlich ein Stück weit zerstört wird. Dass die Möglichkeit besteht, alles Mögliche zu jeder Zeit zu veröffentlichen, ist meiner Meinung nach noch lange kein Grund, das auch tun zu müssen. Wir haben uns deshalb entschieden, die Musik in den Vordergrund zu rücken und uns selbst zurückzunehmen. Ich bin auch ziemlich überzeugt davon, dass es keine Sau interessiert, wann wer welchen Posten bei Band XY hatte und wann er wieder gegangen ist. Solange es nicht Pat O’Brien oder weiß der Geier wer ist.

The-Pit.de: Ich hatte ja das Glück, eure komplette Diskographie von Beginn an rezensieren zu dürfen (abgesehen vom allersten Demo „Zins der Zeit“ – gibt’s das Ding eigentlich noch irgendwo zu kaufen?). Euer neues Album kommt mir vor wie euer bisher wütendstes Stück Musik; was hat sich songwritingtechnisch und thematisch verändert?

Von „Zins der Zeit“ habe ich selber noch zwei Kopien herumliegen,die beide nicht mehr funktionieren. Ich würde das Gerumpel auch gern mal wieder hören. Falls das noch irgendwer hat, darf er das bitte gerne mal in digitaler Form veröffentlichen. Es gab davon maximal 50 Kopien, die vor zwölf Jahren im Bremer Umland verteilt wurden. Zu kaufen gibt es das meines Wissens nicht.Verändert hat sich auf dem aktuellen Album vor allem, dass die Musik nicht mehr im stillen Kämmerlein und nur von einem Kopf geschrieben wird. Ich habe mich mittlerweile auch einbringen können und unser Trommler beeinflusst die Arrangements auch deutlich. Das Ergebnis zeigt sich oft in Momenten, die man sich im stillen Kämmerlein ganz anders überlegt hat, die dann im Proberaum aber verworfen werden müssen, weil die Energie des jeweiligen Stücks eine andere Richtung aufzeigt. Früher haben wir sklavisch am Ursprungsplan festgehalten, heute lassen wir uns viel mehr treiben und lassen die Musik ein Stück weit sich selbst schreiben, ohne da ständig dazwischenzuhacken. Und da manche von uns zunehmend zu desillusionierten Zynikern werden, entlädt sich dabei auch eine Menge Wut.

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