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Britta Görtz (ex-Cripper, Critical Mess) im Interview (November 2018)

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“

The-Pit.de: Für außenstehende Fans hat es allerdings immer geheißen: Jetzt sind Cripper bei Metal Blade, da könnte es doch mal den gewaltigen Schritt nach vorne gehen, und dann kam die Auflösung...

Britta: ...ja gut, wir waren vier Jahre bei Metal Blade, bevor wir uns aufgelöst haben. Ich meine aber, Metal Blade hat uns sehr viele Türen geöffnet, die wir aber oftmals gar nicht gehen konnten. Genau das ist es aber, was wirklich stört. Es war mit unserer Bookingagentur so ziemlich dasselbe; die haben uns letzten Endes gedroppt, weil wir nicht genug Angebote, die sie uns geliefert haben, angenommen haben. Was ich auch total nachvollziehen kann. Sie werden prozentual an den Einnahmen beteiligt, und wenn du dann immer „keine Zeit“ sagst, dann sagen die ja auch, dass sie für einen nichts mehr tun können, wenn man das nicht umsetzen kann, was sie anbieten. Ich hab von irgendjemandem gehört, dass wir Metal Blade voll in den Arsch gekniffen hätten, das ist aber überhaupt nicht so. Ich glaube aber auch nicht, dass es bei Metal Blade jemand so sieht. Wir haben viele schöne Dinge zusammen gemacht, ich glaube auch, dass sie bei Metal Blade eine Menge Spaß mit unseren Alben hatten. Unser Potenzial konnten wir natürlich nicht voll entfalten, was sicherlich daran liegt, dass wir nicht genug Zeit aufbringen konnten, die Sachen so zu machen. Ich glaube aber auch nicht, dass die Leute, die die Kritikpunkte so finden, nicht diejenigen sind, die alles mitbekommen haben, was wir so gemacht haben. Das ist ja auch immer so eine Sache, von daher... ja.

The-Pit.de: Mit Critical Mess ist das für dich dann ja nicht nur eine Stiländerung, sondern auch wieder ein bisschen mehr back to the roots, sich wieder mehr auf das Ursprüngliche besinnen, oder?

Britta: So fühlt sich das ehrlich gesagt gar nicht an. Ich habe ja bei Critical Mess schon angefangen, als es Cripper noch gab, als es auch noch gar keine Auflösungspläne gab. Ich war ja eine bei Cripper, die immer gesagt hatte, dass ich unbedingt mehr spielen will, und ich war immer sehr traurig, wenn wir etwas nicht machen konnten, was wir angeboten bekommen haben. Aus dem Wunsch heraus kam das ja. Es ist mir auch das allerwichtigste, viel live zu spielen, viel draußen zu sein und zu reisen, coole Leute kennenzulernen und gute Erfahrungen zu machen. Das hat sich eigentlich überhaupt nicht verändert, ganz im Gegenteil. Wir spielen mit Critical Mess in letzter Zeit mehr als mit Cripper und auch die Verfügbarkeit der einzelnen Bandmitglieder ist höher als es bei Cripper der Fall war. Von daher ist es für mich kein Rückschritt, sondern aus der Warte her, was ich brauche, um glücklich in meiner Band zu sein, eher ein Schritt nach oben. Dass die Band noch nicht so bekannt ist wie Cripper, das ist schon okay. Ich will das gar nicht kleinreden, aber es ist nebensächlich. Es ist nicht das, was mich abends mit einem Grinsen im Gesicht einschlafen lässt, ob ich ein Konzert vor 50 oder 5000 Leuten gespielt habe. Für mich ist das nicht das Kriterium, an dem ich das bemesse. Man weiß es doch selber: Da war man auf Konzerten, die legendär waren, aber eben nur 35 Nasen da. Da dachte man so: Was ist hier gerade passiert? Da ist eben von bis alles dabei. Wir haben nächstes Jahr Wacken vor uns, wir spielen auf dem Metal Frenzy, dann ist noch ein großes Festival dabei, welches bestätigt ist, worüber ich aber noch nicht sprechen darf, da geht es schon ab. Wir haben ein neues Album am Start und ich glaube, dass wir da den nächsten Schritt machen werden. Hoffentlich kommt das gut an, was wir da machen, aber ich finde die neuen Songs total knorke.

The-Pit.de: Letzte Frage, jetzt gleich geht ja dein Workshop los. Ist da eigentlich die Nervosiät anders als bei einem Auftritt?

Britta: Ja, die ist ganz anders. Ich fühle mich sehr viel fokussierter ungefähr eine Stunde vor dem Workshop, bei einem Gig geht das erst eine Viertelstunde vorher los, wenn ich dann quasi meine Alltagsattitüde und die ganzen Sorgen und Nöte, die man so im Alltag hat, ablege, dann eher „so, jetzt Tabula rasa“ nur noch nach vorne gucke, was ich jetzt gleich für eine Aufgabe vor mir habe, um dann da eine Tuchfühlung mit dem Publikum aufzunehmen. Das ist in dem Workshop ja anders, da kann ich mit den Leuten einzeln reden und wir arbeiten irgendwie zusammen, da ist dann ein Austausch da, der ja auf einer ganz anderen Ebene funktioniert als wenn wir uns da auf die Bühne stellen und die Leute quasi indirekter ansprechen. Das ist eine andere Art von Fokussierung. Ich geh auch immer die Liste durch, wer heute dabei ist, was habe ich mit der Person im Vorfeld geschrieben, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was das vielleicht für eine Gruppe und wie vielleicht die Gruppendynamik ist.

The-Pit.de: Damit wird ja deutlich, dass ein Workshop eben wesentlich im Vorfeld anfängt...

Britta: ...genau. In Hannover werden die Workshops ja von PPC Music ausgerichtet, da habe ich das alles nicht. Da buchen die Leute das dort und ich weiß gar nicht, was mich erwartet, darauf bereite ich mich dann auch nicht speziell vor. Aber die Workshops, die ich selber mache, wie hier in Lünen, wo ich den Raum selber gebucht und mit jedem einzelnen im Vorfeld Sachen ausgemacht und alles abgewickelt habe, da hat man dann schon ein anderes Gefühl dafür.

Mittlerweile treffen auch die ersten KursteilnehmerInnen ein. Ist es besser auf Britta zu hören? Sicher. Profitiert sie für sich selbst auch von einem Kurs? Na logo. Am Ende ist es wohl auch die dynamisierte Wechselwirkung, an der alle TeilnehmerInnen wachsen können. Und zumindest sich von Britta anbrüllen lassen, ist doch ein sehr sympathischer Nebeneffekt.

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