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Britta Görtz (ex-Cripper, Critical Mess) im Interview (November 2018)

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“

The-Pit.de: Warst du schon einmal in der Bredouille oder musstest du dir schon mal Gedanken drüber machen, dass da ein komplett hoffnungsloser Fall vor dir ist und dem du eben auch sagen musst, dass er es lieber lassen soll, weil es nichts wird?

Britta: Ja, auf jeden Fall. Die meisten Leuten gehen mit ein, zwei, drei Ansätzen und gut produzierten Tönen nach Hause, mit denen sie weiterarbeiten können. Ich stelle im Anfängerkurs auch zwei sehr unterschiedliche Techniken vor, weil es so Typen Menschen gibt, die eher mit dem einen oder eben mit dem anderen klarkommen. In der Regel ist für jeden etwas dabei. Es gibt aber auch ein paar, die es innerhalb dieser drei Stunden nicht schaffen, unter meiner Anleitung irgendwelche Growltöne zu produzieren. Das ist meistens eine Kopf-, eine Vorstellungssache, wo das im Hals irgendwo liegt und wie das zu funktionieren hat, und das kann man dann schlecht abbauen. Ich würde auf gar keinen Fall sagen, dass es hoffnungslos ist, aber ich würde sagen, dass es da eventuell an manchen Stellen einer Einzelstunde bedarf, wo man sich nur auf diesen Menschen konzentrieren kann, den man vor sich hat, und nicht auf zehn oder zwölf Leute gleichzeitig. So kann man dann vielleicht eher den ersten Durchbruch schaffen. Nichtsdestotrotz sind das ganze theoretische Wissen und die ganzen Tipps, die ich gebe, sich mal da oder dort drauf zu konzentrieren oder zuhause mal so zu arbeiten ganz praktisch, so dass jeder für sich etwas mitnehmen kann.

The-Pit.de: Hast du denn schon auch Feedback von Szenegrößen bekommen, die eventuell auch schon am Kurs teilgenommen haben oder fehlt dir da noch diese Erfahrung?

Britta: Szenegrößen waren noch keine in meinen Kursen. In Hannover hatte ich einen Kurs für Fortgeschrittene gegeben, da waren tatsächlich auch ein paar Sängerinnen und Sänger, die das schon ein bisschen länger machen bzw. einer, der eine längere Pause gemacht hatte und wieder einsteigen wollte, ansonsten aber kommen schon eher Leute, die aktiv in Bands unterwegs sind, gerade auch Gitarristen oder Bassisten, die im Background etwas singen wollen, aber direkt Szenegrößen nicht. Ich glaube auch, dass solch ein Workshop für jemanden, der sehr viel Erfahrung hat, vielleicht nicht so viel bringen kann. Ich denke eher, wenn sich jemand mit viel Erfahrung wie ich und jemand anderes mit viel Erfahrung einfach nur austauschen, beide schon so sehr viel davon profitieren. Aber dass jetzt jemand meinen Kurs gebucht hat, das kam noch nicht vor. Meine Kurse kosten zwischen 39 und 49 Euro, je nachdem wo ins Land ich hingondeln muss und was für Kosten ich habe, und die, die schon ein bisschen weiter mit ihrem Gesang sind, haben schon eine konkrete Vorstellung, eine konkrete Aufgabe vor sich. Ich habe jetzt einen neuen Skype-Schüler, der ein sehr erfahrener Sänger in einer Band ist und hier und da noch kleine Fragen hat, die er dann klären möchte. Wenn jemand grundsätzlich Erfahrung hat, kann man so etwas auch per Skype machen. Einen Anfänger würde ich da nicht schulen. Aber bei ihm arbeiten wir an zwei ganz konkreten Dingen, die er sich vorgenommen hat und von denen er hofft, dass ich es ihm beibringen kann, weil ich die kann und er noch nicht.

The-Pit.de: Ist es da dann auch die besondere Herausforderung, einen einmal eingeschlichenen Fehler herauszubekommen und den Trigger ein bisschen anders zu setzen?

Britta: Total scheiße. Es ist total ätzend, wenn so etwas passiert. Mir ist das natürlich auch schon passiert. Das ist genau so ein Punkt, dass ich den Leuten Werkzeuge an die Hand gebe, die sie dazu befähigen, einen Weg zu finden, sich selbst zu helfen. Man hat sich vielleicht etwas angehört und macht das dann ein paar Jahre und wird es vielleicht gar nicht los. Dann schaffst du es vielleicht, das im Unterricht zu lassen, aber dann mit Adrenalin auf die Bühne zu gehen und alles zu geben und dann vielleicht irgendwie was Neues zu machen, was aber davon abweicht, was man vielleicht schon zehn Jahre auf der Bühne gemacht hat, ist einfach meeeega schwer.

The-Pit.de: Man ist dann möglicherweise auch verunsichert...

Britta: ...du bist da auf der Bühne und willst doch nicht daran denken, was du jetzt mit der Atmung machst oder wie dein Mund gerade ist. Du willst doch Vollgas geben. Und das halt zu trainieren und sich ein paar Tricks draufzuschaffen, wie man das macht, das kann ich ganz gut vermitteln. Es sind natürlich nur alles irgendwie Tricks im Kopf, die ich von anderen schlauen Menschen beigebracht bekommen habe, die ich dann gerne weitergebe.

The-Pit.de: Da war sicherlich auch ganz hilfreich, dass du mit Cripper sehr viel unterwegs warst. Ich kann mich noch bestens an die Tour mit Overkill erinnern, als du damals auch gesagt hattest, dass ihr so viel proben könntet wie ihr wolltet, so richtig tight werdet ihr nur auf Tour. Die Erfahrung kannst du nun einbauen?

Britta: Ganz genau, ja definitiv. Ich hab mittlerweile eine ganz gute Einschätzung, was ein gutes Trainingspensum ist und wie man sich am besten stimmlich fit hält, gerade wie bei Konzertpausen. Mit Critical Mess machen wir gerade ganz viel Songwriting und haben im Moment keine Konzerte, kommen zwar gerade von einer Tour wieder, aber jetzt ist ein bisschen Pause. In dem Moment, wo ich mich auf das Songwriting konzentriere und danach ins Studio gehe, muss ich ja eigentlich top of my game sein, um ins Studio zu gehen. Diese Zeit zu überbrücken, einen guten Trainingsplan zu haben, das sind auf jeden Fall Sachen, die ich von der vielen Erfahrung vor allem bei Cripper mitnehme.

The-Pit.de: Du hast da ein wichtiges Stichwort eingeworfen. Jeder, der joggen geht, hat einen Trainingsplan, beim Gesang braucht man das also auch, wenn man das ernsthaft angehen will...

Britta: ...ja, auf jeden Fall. Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor, das muss man trainieren. Es gibt mit Sicherheit Leute, die das einfach so können, aber ich glaube auch, dass die durch Trainieren nicht schlechter werden.

The-Pit.de: Die letzte Show von Cripper in Hannover war eine extrem emotionale Angelegenheit, vorher, während der Show und vor allem auch nachher. Dann noch von dir ein Post auf Facebook, dass du schon vermisst, einen Song von Cripper wieder auf der Bühne zu bringen. Wie viel Wehmut hängt denn so im Nachgang drin? Vermisst du nur die schönen Dinge?

Britta: Ja klar... ähm... es ist gut, ganz viele Teile von Cripper zu vermissen. Das heißt ja auch, dass wir den Absprung zu einem Zeitpunkt getroffen haben, an dem eben halt nicht alles total kacke war. Es wäre ja komisch, wenn ich da nichts vermissen würde, sonst wäre es ja auch zu spät gewesen. Der Punkt war ja auch nicht, dass wir uns aufgelöst haben, weil alles scheiße ist, sondern weil wir gesehen haben, dass wir an einem Punkt waren, wo wir stagnieren oder sogar Rückschritte machen, einfach weil sich innerhalb der Band die Prioritäten verändert hatten. Aber jeden Song, den wir geschrieben haben, jedes Album, das wir gemacht haben, da steckt so viel Herzblut drin, und auch gerade das letzte Album „Follow Me: Kill!“ habe ich für meine Verhältnisse eigentlich nicht oft genug live präsentieren können, um damit irgendwie froh und gut zu sein. Wenn ich an Songs wie „FAQU“ oder „Fire Walk With Me“ denke, die ich wirklich sehr sehr sehr oft gespielt habe, da wird man halt irgendwie ein bisschen satt. Es ist immer geil, aber so Songs wie „Mother“ oder „Into The Fire“ vom letzten Album – da habe ich das Gefühl, dass sie das Livepotenzial noch gar nicht so richtig entfalten konnten. Das ist dann immer so ein Punkt wo man denkt: Ach man, das ist ein richtig geiler Song, den hätte man noch mal richtig auf einer Tour bringen müssen. Das fehlt dann natürlich einfach manchmal.

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