Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Britta Görtz (ex-Cripper, Critical Mess) im Interview (November 2018)

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“

Samstagmittags in Lünen, das Foyer im Lükaz, Britta sitzt noch entspannt auf den Ledermöbeln, der Workshop ist vorbereitet... und wenn sie schon einmal mehr das traute Hannover verlassen hat, dann kann man sie auch schnell mal vor das Interviewmikrofon zerren. Und so wird es ein erzählender Selbstläufer ohne große Cripper-Wehmut, ein kurzer Ausblick auf die neue Formation Critical Mess, aber eben auch ganz viel zum Brüllattacken-Workshop „Shouten, Growlen Screamen“ von und mit Britta Görtz.

The-Pit.de: Hey Britta, schön, dass du dir vor dem Workshop die Zeit nimmst...

Britta: Halloooo... sehr gerne.

The-Pit.de: Growlen Shouten Screamen. Ich kann mich noch an einen Workshop mit Angela Gossow (ex-Arch Enemy) erinnern. Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Erfahrungen weiterzugeben?

Britta: Ich glaube, das war 2008 oder 2009 mit Angela. Ich bin selber gar nicht drauf gekommen. Ich wurde von meiner allerersten Schülerin über Facebook so bekniet, ihr doch bitte bitte bitte Unterricht zu geben, ich aber habe immer gesagt: Nee, keine Ahnung, kann ich nicht, weiß ich nicht, will ich nicht, wieso überhaupt, warum soll ich es anderen beibringen? Die hat aber nicht locker gelassen. Ich hab dann okay gesagt, dass ich es einmal probiere. Es hat mir total viel Spaß gemacht und ich habe dann auch zwei Sachen gemerkt: Einmal, dass ich schon ganz schön viel Erfahrung habe auch in Sachen falsch machen, und davon kann man unglaublich profitieren, wenn man das selber lernt, wenn dir jemand erzählt, dass dies und das überhaupt nicht funktioniere, man es bleiben lassen solle, es klinge irgendwie kacke. Es ist einfach total toll, jemandem die Möglichkeit zu geben, eine gewisse Abkürzung zu nehmen und ein paar Fehler einfach nicht zu machen. Und zweitens lerne ich einfach ganz viel über meine eigene Stimme. Das ist total faszinierend. Wenn du jemandem etwas beibringst, merkt man erstens, was man wirklich alles kann, und das ist eigentlich ganz schön viel Erfahrung. Man denkt ja eigentlich nicht drüber nach, ich mache das jetzt seit 15 Jahren, da weiß ich schon sehr viel, aber wenn man erst einmal mit jemandem arbeitet, der davon nichts weiß, fällt einem erst einmal auf, wie krass das doch ist, was ich schon irgendwie kann. Das ist ein sehr gutes Gefühl, man setzt sich halt selber nochmals richtig mit seiner Stimme und seiner Gesangstechnik auseinander. Das ist toll. Ich habe ja auch viele SchülerInnen im Einzelunterricht, aber das geht ja auch nicht immer, du kannst ja nicht immer alle nach Hannover schicken. Gerade für diese Workshops fahre ich ja außerhalb auch überall hin. Berlin, Lünen, ich war auch schon in Waldorf, mal gucken, was noch kommt. Natürlich mach ich auch Workshops in Hannover. Ich gebe dreistündige Anfänger- und Fortgeschrittenen-Workshops. Häufiger die Workshops für Anfänger, was auch total viel Spaß macht. Das sind drei Stunden, die irgendwie lustig sind und wo man mit Leuten Sachen ausprobiert, die da in der Regel sehr viel Spaß dran haben. Ich habe jetzt elf oder zwölf Workshops gemacht und bis auf zwei waren alle ausverkauft. Das gibt mir natürlich total die Bestätigung und auch den Willen weiterzumachen, wenn da so viele Leute Bock drauf haben und das buchen, warum soll ich das dann nicht machen.

The-Pit.de: Wenn man singen will und auf die Bühne geht, gehört ja auch ganz viel Exhibitionismus dazu, man muss sich ja zeigen. Wie gehst du dann mit den eher schüchternen Vertretern um und wo ist da im Kurs für dich die besondere Herausforderung?

Britta: Schüchternheit ist eher ganz selten ein Problem, weil es ja schon ein geschützter Raum ist. Man steht da ja meistens auch mit anderen Anfängern zusammen; wir arbeiten in den Anfängerkursen auch nicht mit Mikrofon oder Performance, und gerade die Gruppe bietet Schutz, wenn ich was vormache und alle das nachmachen. Dann entsteht im Raum eine eigene Dynamik, ein Gemeinschaftsgefühl, da steht man nicht einzeln und hat den Druck nur auf seinen Schultern. Man probiert quasi unter Anleitung ein bisschen für sich und mit anderen etwas aus und kann sich dann auch austauschen. Ich frage vorher auch immer, was die Leute schon für Erfahrungen, welche Erwartungshaltung sie auch für den Kurs haben, und dann merkt man schon, ob da ein paar dabei sind, die vorher was gemacht haben oder wer kompletter Anfänger ist. In der Gruppenarbeit können sich alle gegenseitig auch ein bisschen unterstützen.

The-Pit.de: Sind dann das andere Extrem diejenigen, die sich völlig selbst überschätzen und auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden müssen?

Britta: Hab ich auch, aber ganz selten. Da gab es tatsächlich ein oder zwei Kandidaten, wo ich das Gefühl hatte, dass sie im Kurs sind, um selber zu erzählen, was sie alles schon tolles können. Die waren aber auch schon relativ gut, von daher Ehre wem Ehre gebührt. Das ist aber im Anfängerkurs vielleicht ein bisschen Fehl am Platze. Ich habe aber in beide Richtungen sehr wenige Extreme und noch überhaupt keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich hatte bisher eine einzige Rückmeldung von jemandem, der selber Gesangslehrer und in meinem Kurs heiser geworden ist, der aber auch nicht auf das gehört hat, was ich ihm gesagt habe. Das war dann auch schon das extremste, was irgendwie passiert ist. Ansonsten ist das sehr locker und man kann sehr viel mitnehmen. Ich gebe auch im Theorieteil viel mit, weil viele ein bisschen Angst haben, dass sie sich ihre Stimme kaputt machen würden. Wenn man aber weiß, wie das funktioniert und warum man Sachen irgendwie macht und warum man sie anders nicht macht, dann ist das super entspannt.

The-Pit.de: Inwieweit hast denn denn schon Feedback von Logopäden bekommen, die dir ja eigentlich dankbar sein müssten, weil dann eben ein paar selbstgemachte Probleme weniger auftauchen? Wenn ich mich auf einem lauten Konzert viel unterhalte, dann bin ich schnell heiser, was laut einem Logopäden durch Stimmübungen veränderbar wäre (dann hör halt zu und unterhalte dich nicht aufm Konzert...; Anm.d.Red.).

Britta: Ja, das ist richtig. Ja, ich habe Erfahrung mit Logopäden, auch aus meinem eigenen Gesangsunterricht, den ich genommen habe. Ich habe auch schon mit Logopäden gearbeitet, vor allem mit zwei Logopädinnen, die noch in der Ausbildung waren, die das ganz spannend fanden, da gerade diese Taschenfaltenstimme auch oft antrainiert wird, wenn Leute Stimmbandlähmungen haben, sodass sie trotzdem noch artikulieren können. Laut sprechen ist eine Technik, die ich auch vermitteln kann, das findet aber nicht in den Kursen statt. Laut oder leise spielt in diesen Anfängerkursen keine so große Rolle, wobei ich eher darauf bedacht bin, den Leuten zu verklickern, dass es nicht laut sein muss, da man ja auch mit PA und Mikrofon arbeitet. Ich finde es auch extrem anstrengend, mich in lauten Umgebungen den ganzen Abend zu unterhalten und das macht sich auch in meiner Stimme am nächsten Tag bemerkbar. Eher auf jeden Fall als ein Konzert.

The-Pit.de: Es geht also mehr darum, ordentlich und sauber zu arbeiten und so die Stimmbänder zu trainieren, um dann eben den entsprechenden Effekt mitzunehmen...

Britta: ...genau...

Seite
comments powered by Disqus

Grandioser Konzertabend, an dem keine Wünsche offen bleiben können

Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Abend

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“