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Blind Guardian im Interview (Juli 2010)

Von nichts kommt nichts



The-Pit.de: Vor allem ausgerechnet jetzt, wo ihr mit einem Orchester zusammengearbeitet habt, weil das ja doch ganz schön aufwendig ist...

Marcus: Das war aufwendig, sicher, das war für uns auch vollkommenes Neuland, weil jedes Orchester, das du sonst auf irgendeiner Blind Guardian-Produktion gehört hast, kam aus Keyboards und Computern, und das ist wirklich das erste Mal, dass wir mit einem echten, großen 90-Mann-Orchester gearbeitet haben. Aber das war es auf jeden Fall wert, weil den Sound von einem echten Orchester kannst du mit keinem Keyboard oder Computer reproduzieren. Du kannst es zwar so programmieren, dass es wirklich cool klingt, aber es klingt trotzdem nicht so geil wie ein echtes Orchester, und da wir sehr viel Wert gelegt haben auf den Sound dieser Platte – es sollte so natürlich und warm wie möglich klingen –, kamen wir an einem richtigen Orchester nicht vorbei, das kriegst du mit einem Keyboard-Orchester nicht hin. Dasselbe galt übrigens auch fürs Schlagzeug: Viele Bands bei den meisten modernen Produktionen nehmen zwar ein Schlagzeug auf, kleistern anschließend aber alles mit Samples zu. Da haben wir komplett drauf verzichtet, das heißt, was du auf der Platte hörst, ist Frederiks Natur-Schlagzeug, komplett ohne Samples; deshalb klingt es auch sehr natürlich und das ist genau das, was wir haben wollten.


The-Pit.de: Ich finde, man hört das Orchester gerade zum Beispiel beim Opener, also „Sacred Worlds“, besonders gut heraus, weil es da ja noch so eine Art Vorspiel gibt...

Marcus: Natürlich, es sollte ja auch so gefeaturet werden. Es macht selbstverständlich keinen Sinn, ein 90-Mann-Orchester aufzunehmen und anschließend eine Gitarrenwand drüber blasen zu lassen, sodass du vom Orchester nichts mehr hörst. So was muss im Mix fein rausgearbeitet werden, sodass a) das Orchester die Metalband nicht wegdrückt, denn ein 90-Mann-Orchester ist schon eine akustische Macht, und b) darf auf der anderen Seite die Gitarrenfront natürlich auch nicht das Orchester zukleistern, wenn das Orchester da gerade an irgendwelchen Stellen wichtige Sachen spielt. Da ist also sehr viel Feintuning im Mix erforderlich, aber das haben wir glaube ich ganz gut hingekriegt.


The-Pit.de: Habt ihr denn, was das Arrangement vom Orchester angeht, mit dem Dirigenten zusammengearbeitet oder wie lief das ab?

Marcus: Das Orchester hatte natürlich einen Dirigenten, komponiert worden ist aber alles im Prinzip von André. Das heißt, er hat zu Hause mit den herkömmlichen Mitteln, sprich mit Keyboards, Computern und dem ganzen Quark alles vorbereitet, aber wir sind nicht in der Lage, eine Partitur daraus zu entwickeln, die man dem Orchester dann vorlegen kann. Und einem Orchester kannst du halt nicht eine CD in die Hand drücken und sagen: „Hört mal, so klingt dat auf Keyboard, jetzt spielt ihr dat mal“, sondern da muss man eine komplette Partitur schreiben, jedes Instrument Note für Note, für alle 90 Mann – und dazu sind wir nicht in der Lage, da haben wir eben externe Hilfe in Anspruch genommen, Leute, die das für uns umsetzen konnten und unser Keyboard-Orchester praktisch für das echte Orchester rausnotiert haben.


The-Pit.de: Ist ja ohnehin schon aller Ehren Wert von André, das alles für Keyboard zu komponieren und auszuarbeiten.

Marcus: Das ist viel Arbeit, aber es lohnt sich, denn nur so kommst du ja zu dem Ergebnis. Von nichts kommt nichts.


The-Pit.de: Das ist natürlich richtig. Ihr arbeitet ja jetzt schon seit längerer Zeit mit Charlie Bauerfeind zusammen – erzähl doch bitte mal was über seinen Anteil an einer Albumproduktion.

Marcus: Sein Anteil als Producer, na ja, er muss den Überblick behalten, was gerade bei dieser Produktion sehr wichtig war, da viele Sachen außer Haus aufgenommen worden sind, weil die Metalband ist logischerweise bei uns zu Hause im Studio aufgenommen worden, wo wir ja seit bestimmt zwölf Jahren schon arbeiten, aber man fliegt natürlich kein 90-Mann-Orchester mal eben nach Krefeld ein und sagt: „So, setzt euch mal hin“, denn dafür ist ja überhaupt kein Platz bei uns. Das heißt, dafür mussten wir nach Prag fliegen und die Aufnahmen da machen, dann sind verschiedene Sachen woanders aufgenommen worden, Flötisten waren zum Beispiel in einem anderen Studio, oder Geiger wurden teilweise in der Türkei aufgenommen, dann haben wir sogar eine Stepptänzergruppe aufgenommen als perkussives Element, und bei so vielen Sachen, die außer Haus passieren, ist es schon wichtig, einen Mann am Start zu haben, der den Überblick behält, damit nachher auch wirklich alles funktioniert.

Da ist er natürlich sehr wichtig und dadurch, dass wir eben schon ewig mit ihm zusammenarbeiten, kennt er uns natürlich und wir kennen ihn, und er weiß genau, wie er uns zu Höchstleistungen bringen und das Beste aus uns rausholen kann, was bei einem Produzenten selbstverständlich auch sehr wichtig ist. Er weiß, worum es bei unserer Musik geht – er versteht unsere Musik und kann Sachen nach vorne bringen, die wir teilweise gar nicht sehen. In der Rohversion von „Wheel Of Time“ zum Beispiel war uns dieser orientalische Einfluss erst gar nicht so offensichtlich gewesen und Charlie kam dann an und meinte: „Hört mal, diese ganzen orientalischen Klamotten, wollen wir nicht mal gucken, ob wir die featuren können?“ – Und wir standen erst mal da: „Welche orientalischen Klamotten?“ – „Ja, die ganzen Skalen, bla bla bla...“ Und die Nummer hat dann so eine Eigendynamik bekommen und ist immer größer geworden, und da hat Charlie eben auch einen Anteil dran, uns einfach mal mit der Nase drauf zu stoßen und zu sagen: „Guckt doch mal, wat ihr hier überhaupt habt. Macht doch mal!“ (lacht)

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