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Blind Guardian im Interview (Juli 2006)

Die Metal - Legende kehrt zurück!
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Vier lange Jahre mussten sich die Blind Guardian - Jünger gedulden, um endlich neues Material der deutschen Metal - Pioniere hören zu können. Dieses befindet sich nun auf dem aktuellen und sehr starken Output “A Twist In The Myth”, dessen Veröffentlichung am 1. September immer näher rückt. Neu - Drummer Frederik Ehmke, der gleich seinen fabelhaften Einstand feiern kann, stand uns Rede und Antwort über das neue Album, die anstehende Tour und weitere interessante Details aus dem Blind Guardian - Universum.

 

The-Pit.de: Hi Frederik, wie geht’s dir ? 

 

Frederik Ehmke: Mir geht’s gut, aber nachdem es gestern richtig warm war und ich heute wieder einen heißen Tag im Proberaum verbracht habe, bin ich doch recht froh, dass ich endlich wieder in einem kühlen Zuhause angekommen bin, für den Abend.

 

The-Pit.de: Wie ist denn die Stimmung im Blind Guardian Lager, schließlich rücken die Veröffentlichung von “A Twist In The Myth” und die dazugehörige Tour immer näher? 

 

Frederik Ehmke: Die Stimmung ist erwartungsgemäß ziemlich hektisch, da jetzt schon die ersten Promoaktionen im Vorfeld gemacht werden und vor allem Hans und André da wirklich eingespannt sind und durch die Welt fliegen, um die CD natürlich voranzukündigen. Des Weiteren laufen parallel natürlich die Vorbereitungen für die Tournee, wo sich jeder einzelne schon mal für sich vorbereitet und wo wir auch noch ein paar gemeinsame Proben haben werden, bevor im September die Tour dann richtig losgeht. Es passiert ja eigentlich alles gleichzeitig, so dass jeder richtig zu tun hat.

 

 

The-Pit.de: Zunächst möchte ich auf etwas eher Negatives zu sprechen kommen. Und zwar war ich sehr über das erschrocken, was sich seit ein paar Tagen in eurem Forum abspielt, denn unglaublich viele Fans berichten dort davon, die neuen Songs schon gehört zu haben. Wie geht man da als Musiker überhaupt mit um, wenn man so etwas hört? Nagt das nicht doch schwer an einem, wenn neues Material schon vor der Veröffentlichung nach Außen dringt?

 

 

 

Frederik Ehmke: Das ist in sofern eine schlimme Sache, da Nuclear Blast und wir uns im Vorfeld alle Mühe gemacht haben, dass es eben nicht nach Außen dringt. Gerade in der heutigen Zeit, mit dem Internet, bin ich als betroffener Musiker nicht sehr begeistert, wenn alle Leute die CDs schon vor der Veröffentlichung ausgetauscht haben. Ich habe es ehrlich gesagt noch gar nicht mitbekommen, dass es so aktuell ist. Es war bei der Single schon mal so, aber zum Glück hat sich da nachher herausgestellt, dass es gar nicht die richtigen Songs waren, sondern das da irgendjemand, irgendetwas als Blind Guardian betitelt hatte und versucht hat, irgendwie auf den Werbezug zu springen und so seine eigenen Songs unter die Leute gebracht hat. Ich hoffe jetzt einfach mal, da ich es noch nicht wirklich gehört habe, dass es wieder so ist wie bei der Single. Das wäre cool. Ich kann es nicht nachvollziehen, was vereinzelte Leute davon haben, zu früh irgendwelchen Kram, sei es Musik oder etwas anderes, ins Internet stellen. Das versteh ich einfach nicht.

 

 

The-Pit.de: Was können denn die Fans, die das Album noch nicht gehört haben, von “A Twist In The Myth” erwarten? 

 

 

Frederik Ehmke: Sie können auf jeden Fall ein, wie ich finde, sehr abwechslungsreiches Album erwarten, das eine sehr große Bandbreite von verschiedenen Sounds aufweist. Da gibt es zum einen die eher klassisch anmutenden Blind Guardian - Sounds, mit denen die althergebrachten Fans bestimmt zufrieden sein dürften, und es gibt auch Weiterentwicklungen, wo man sieht, in welche Richtung der neue Sound gehen kann, wie z.B. bei der Single “Fly”. Da haben die Leute schon einen guten Voreindruck bekommen, was sie an neuartigem Material erwartet. Allerdings gibt es auch Songs bei denen beide Seiten vermischt sind.

 

 

The-Pit.de: Es ist ja auch das erste Album mit dir, worauf ich gleich noch mal detaillierter zu sprechen kommen möchte, aber wie siehst du das Album im Vergleich zum Vorgänger “A Night At The Opera”? Würdest du mir zustimmen, dass es doch eine ganze Ecke mehr “back to the roots” geht? 

 

Frederik Ehmke: Das haben relativ viele Leute schon gesagt, dass es irgendwie “back to the roots” - mäßig rüberkommt. Was wir eigentlich im Hinterkopf hatten, war, dass man dieses Überladene der “A Night At The Opera” ein wenig entschärft und wieder klarere Songstrukturen schafft, z.B. gibt es nicht mehr so viele verwirrende Chorgesänge übereinander, sondern es existiert eher ein roter Faden, der sich durch das ganze Stück zieht und der dem Zuhörer das Erfassen der Songstruktur erleichtern soll. Ich denke auch, dass uns das gelungen ist und vielleicht ist das auch, was viele Leute als “back to the roots” empfinden, obwohl es eigentlich gar nicht so gemeint war. Es sollte eigentlich nur eine Weiterentwicklung der Musik von der “A Night At The Opera” sein, mit der Verbesserung, dass es wieder leichter zugänglich wird.

 

The-Pit.de: Hast du denn auch einen persönlichen Favoriten auf dem Album? 

 

 

Frederik Ehmke: Es gibt natürlich, ganz klar, viele Favoriten auf dem Album. Ich habe auch selten erlebt, dass alle Songs so einen gelungenen Weg gegangen sind. Auf jeden Fall hat mich bei der Produktion “The Edge” am meisten fasziniert, weil es bei der Produktion das für mich schnellste und anspruchsvollste Stück war und wenn man dann so eine harte Nuss geknackt hat, ist man hinterher dreimal so stolz, wenn man es sich anhört, und es macht viel Spaß, sich daran immer wieder zu erfreuen. Vielleicht ist also “The Edge” mein Favorit.

 

 

 

The-Pit.de: Bleiben wir noch kurz bei deiner Person, du bist ja in der Metalszene noch ein eher unbeschriebenes Blatt. Wie bist du eigentlich zu Blind Guardian gekommen und was bedeutet es für dich, Mitglied bei Blind Guardian und Teil von “A Twist In The Myth” zu sein?

 

 

Frederik Ehmke: Den zweiten Teil der Frage möchte ich zuerst beantworten. Es ist für mich natürlich eine große Ehre und für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, weil ich seitdem ich zwölf bin richtiger "Die - Hard” Blind Guardian Fan bin. Somit ist es eine einzigartige Sache, dass man quasi in seine Lieblingsband einsteigen kann. Wie kam es dazu? Ich habe durch einen Bekannten gehört, dass Thomen [Stauch; Coldseed, Savage Circus; Anmerkung des Verfassers] die Band verlassen hat und da hab ich mir erst im Spaß gedacht, dass man sich da eigentlich melden müsste. Ich war gerade mit meinem Studium fertig - ich habe Schlagzeug studiert - und war damit beschäftigt, Weichen für meine berufliche Zukunft zu stellen und dachte wieder, dass man sich doch mal bewerben müsste, was ich dann auch getan habe. Durch Zufall habe ich André erreicht, weil seine Nummer fälschlicherweise im Telefonbuch stand, was eigentlich nicht geplant war. Dann habe ich der Band eine DVD zugeschickt, wo ich drei Blind Guardian - Songs gespielt habe. Das waren “And Then There Was Silence”, “Time Stands Still (At The Iron Hill)” und als alten Gassenhauer “Journey Through The Dark”, damit sie hören konnten, wie ich denn Blind Guardian - Songs spiele. Ich habe es dann so aufgenommen, dass sie auch merken konnten, dass ich das wirklich von vorne bis hinten ohne abzusetzen quasi live gespielt habe, ohne zu tricksen. Das kam auch sehr gut an bei den Jungs und mir war es auch sehr wichtig. Daraufhin wurde ich eingeladen zu Testarbeiten im Studio, wo ich mich schon mal an dem neuen Material versuchen durfte.

 

The-Pit.de: Gibt es denn Dinge, die du dem Sound der Band gezielt hinzufügen möchtest? 

 

 

Frederik Ehmke: Es gab Sachen, die ich schon geschafft habe hinzuzufügen bzw. wieder hinzuzufügen, weil es ist ja nicht zum ersten Mal passiert, dass z.B. Dudelsäcke auf einem Blind Guardian - Album zu hören sind. Ich fand es ganz toll, dass ich da wirklich offene Türen eingerannt habe und dass ich zusätzlich zu meinem Schlagzeugspiel noch Dudelsack und Flöten anbieten konnte, so dass beides seinen Weg aufs Album gefunden hat. Ich glaube, das könnte wirklich eine Bereicherung sein.

 

 

The-Pit.de: Hattest du denn je Schwierigkeiten dich auch auf persönlicher Ebene in die Band einzufügen? Schließlich besteht ja doch ein größerer Altersunterschied zwischen euch und man darf ja auch nicht vergessen, dass es knapp 20 Jahre keinen Wechsel im Line - Up von Blind Guardian gegeben hat. 

 

Frederik Ehmke: Das stimmt, aber ich muss sagen, dass es wirklich problemlos vonstatten ging, zumal die Jungs wirklich alle auf dem Boden geblieben sind und ganz normale umgangsfähige Leute sind, die überhaupt keine Star - Allüren haben und mit denen man sich ganz normal unterhalten kann. Zum Altersunterschied; ich bin den Umgang mit Leuten, die älter sind als meine Generation eigentlich gewohnt, wobei ich die Jungs echt nicht als alt einstufen würde. Es war also nie ein Problem.

 

The-Pit.de: Nach dem Album ist bekanntlich vor der Tour. Was erwartet den Blind Guardian Fan? Werdet ihr ähnlich pompöse Bühnenshows auffahren wie auf den letzten Tourneen? 

 

Frederik Ehmke: Ich hoffe, dass die neue Bühnenshow ähnlich pompös wird, denn sie wird noch ein wenig erweitert, durch Projektionen von Videomaterial usw., was mal ausprobiert werden soll. Ansonsten denke ich, dass es von der “Pompösität” her nicht weniger sein wird.

 

The-Pit.de: Wie schwer ist es überhaupt, bei so unglaublich vielen Hits in der Bandgeschichte, eine adäquate Setlist aufzustellen? 

 

Frederik Ehmke: Da hast du wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen, denn das ist genau das Problem. Wir haben schon die Erfahrung gemacht, dass wir bei den bereits gespielten Shows, wo wir nur die zwei neuen Songs von der Single gespielt haben, leider schon auf den ein oder anderen Klassiker verzichten mussten. Die Leute haben sich dann eben diese Songs gewünscht, aber allein aus zeitlichen Gründen konnten wir sie gar nicht spielen. Man kann nicht jeden Abend alles spielen. Wir haben vor, 4 Songs vom neuen Album in das Tourprogramm aufzunehmen, damit man wenigstens ein bisschen neues Material dabei hat, aber auch nicht all zu viele Klassiker rausschmeißen muss.

 

 

The-Pit.de: Vier von elf sehr guten Songs sind ja nicht all zu viele. Wie schwer wird es für euch sein, manche neuen Songs, die man eigentlich spielen möchte, doch wegfallen zu lassen?

 

 

 

Frederik Ehmke: Ja sicher, das ist natürlich auch hart. Ich würde natürlich gern alles spielen. Das ist eine Frage der Energie und auch des Energiehaushalts. Wenn man eine so lange Tour spielt, wie wir das machen, kann man sich nicht gleich am Anfang der Tour so auspowern, dass man die restlichen Shows nur mit 40% bewältigen kann. Das kann man niemandem und vor allem keinem Fan zumuten. Man muss darauf achten, dass es immer realisierbar bleibt und dafür muss man Abstriche machen.

 

 

The-Pit.de: Wie eigentlich bei jedem Blind Guardian - Album gab es ja auch bei diesem etliche Verzögerungen. Nun liegen zwischen der Veröffentlichung am 1. September und beispielsweise dem Start der Deutschlandtour am 9. September nur wenige Tage. Habt ihr dadurch momentan erhöhten Stress oder auch die Befürchtung, dass die Leute die neuen Songs nicht ganz so enthusiastisch aufnehmen könnten? 

 

Frederik Ehmke: Hm. Klar, wenn jetzt ein wenig mehr Zeit dazwischen liegen würde, wäre es natürlich besser für die Fans, da sie mit dem Material dann wesentlich mehr vertraut wären. Bei den ersten Konzerten, waren die Fans etwas weniger enthusiastisch bei dem neuen Material und haben eher zugehört, weil man es eben noch nicht live gehört hat, aber es war nicht so, dass die Stimmung dann wesentlich schlechter wäre. Für uns selber stellt es aber kein Problem dar.

 

The-Pit.de: 2003 gab es ja das Blind Guardian - Festival in Coburg, habt ihr Planungen so etwas zu wiederholen? 

 

Frederik Ehmke: Es gibt auf jeden Fall keinen definitiveren Plan, dass man so etwas in nächster Zeit noch mal angehen wolle, aber es ist allerdings auch nicht so, dass man so etwas auf keinen Fall wiederholen möchte. Man könnte sich vorstellen dieses Festival wieder zu machen, ich weiß nicht ob es wieder in Verbindung mit einer DVD passieren würde, aber das steht noch in den Sternen.

 

The-Pit.de: Mal etwas ganz anderes; vor allem Hansi und André sprechen ja schon seit Jahren über das “Orchester-Projekt” der Band. Gibt es darüber schon neue Details? 

 

Frederik Ehmke: Das Projekt nimmt immer klarere Formen an und es gibt bereits Testaufnahmen mit einem Orchester. Es waren noch ein paar Soundfragen zu klären, bevor man sich definitiv für etwas entscheidet. Das Songwriting ist meines Wissens nach, so gut wie fertig, aber ein Release im nächsten Jahr ist mit Sicherheit noch nicht drin. Ich denke, wir werden uns wieder Zeit nehmen, wenn wir von der Tour zurückkommen und je nach dem wie schnell es klappt, könnte es 2008 was werden, aber wie gesagt, unter Vorbehalt.

 

The-Pit.de: Zurück zum neuen Album, die Songtexte liegen mir leider nicht vor. Gibt es denn inhaltliche Verbindungen zwischen diesen oder ist jeder Song textlich autonom? 

 

Frederik Ehmke: Ja, es ist kein Konzeptalbum. Es gibt lediglich den kleinen Hinweis, dass der Titel “A Twist In The Myth” sich in der Songstruktur oder in den Texten wiederspiegelt. Es gibt einen Moment, wo das Lied eine unerwartete Wendung nimmt. Textlich, wie auch musikalisch. Aber von einem Konzeptalbum kann man mit Sicherheit nicht sprechen.

 

 

The-Pit.de: Bist du denn 100%ig mit dem Album zufrieden, was du aufgrund deiner, meiner Meinung nach herausragenden Leistung definitiv sein könntest oder gibt es Dinge, die du zum jetzigen Zeitpunkt ändern würdest? 

 

Frederik Ehmke: Nein, muss ich ehrlich sagen, es gefällt mir alles wunderbar, zumal der Produktionsweg ein ganz anderer war, wie ich ihn vorher kannte. Bis jetzt war es für mich immer so, dass wenn man mal ins Studio gegangen ist um eine CD aufzunehmen, dann hatte man wenig Zeit, wenig Geld und musste ganz schnell machen. So hatten wir während der Produktion gar nicht die Zeit das zu reflektieren. Jetzt hatten wir mit den Aufnahmen erst angefangen, nachdem die Arrangements fertig waren und die Kreativphase komplett abgeschlossen war, so dass man sich ganz auf die Performance konzentrieren konnte. Das hat natürlich den Vorteil, dass man alles so machen kann, wie man es tatsächlich wollte.

 

The-Pit.de: Was wünscht du dir persönlich für die Zukunft der Band? 

 

Frederik Ehmke: Dass die Leute immer den ähnlichen Musikgeschmack wie die Band teilt, weil man natürlich auf der einen Seite das macht, was einem selbst gefällt, aber auf der anderen auch hofft, dass es den Fans genauso gut gefällt. Das wäre für mich ganz toll, wenn wir den Geschmack treffen würden und wenn die Leute auf den Konzerten oder beim Hören der CDs genauso viel Spaß haben wie ich.

 

The-Pit.de: Letzte Worte? 

 

 

Frederik Ehmke: Ich hoffe, wir treffen uns alle bei den Konzerten, dass die Konzerte gut besucht sind, ihr dort viel Freude habt und dass es einfach eine große Show wird.

 

 

Ein herzlicher Dank für das ausgiebige Interview geht an Frederik Ehmke und Blind Guardian. Wir wünschen ihnen mit dem neuen Album und der Tour viel Erfolg.

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