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Bastian Brühl (Red Shift Records) im Interview (September 2012)

“Natürlich hängt da viel Idealismus drin…“

"Dependent Domination" von Accuser ist die zweite Labelveröffentlichung bei Red Shift Records

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The-Pit.de: Nirgendwo ist der Prophet unwichtiger als im eigenen Land. Wie sehen denn die Erwartungen für die Tour aus?

Bastian: Mmmh, ich kann das gar nicht einschätzen, schwierig. Ich bin da ganz optimistisch bei der Metal-City-Festival-Show in Lünen, weil es eine alteingesessene Veranstaltung ist mit fester Zuhörerschaft und festem Publikum. Dann mache ich noch eine Show hier in Siegen, das dürfte ebenfalls funktionieren, da gibt es auch ein ganz dankbares Publikum. Bei den anderen Shows muss ich mich ehrlich gesagt überraschen lassen. Ich kenne die Läden soweit und habe viel Gutes darüber gehört, aber ich kann nicht einschätzen, wie viele Leute an einem Donnerstag in Rostock zum Konzert gehen. Wenn pro Abend 50 Leute kommen und die Bock auf die Show haben, dann sind wir völlig zufrieden und hoffentlich alle Beteiligten auch. Mehr kann ich da gar nicht sagen.

The-Pit.de: Stellt das für euch trotzdem noch eine logistische Herausforderung oder habt ihr einfach schon auch genug Erfahrung gesammelt?

Bastian: Mit Accuser ist da bei den Shows insofern ein logistischer Aufwand, weil sie ja alle berufstätig sind und Familie haben, auf der anderen Seite haben sie auch ultra Bock auf die Bühne und auf Musik machen und meinen das alles einfach ganz ehrlich. Contradiction geht es da genauso, von daher sind die Jungs alle Brüder im Geiste. Da muss zwar ganz viel organisiert werden, aber letztendlich sind das ja keine Unbekannten. Ich bewege mich ja schon seit längerem im Konzertveranstaltungsbereich, die Jungs haben schon tausend Mal auf einer Bühne gestanden und wissen auch, worauf zu achten ist und worum es geht. Irgendetwas ist ja immer, das weiß man ja, aber alle sind lange genug dabei und kennen sich aus, damit man das stressfrei über die Bühne kriegt. Ich fahre dann halt immer mit, um zu gucken, ob sie sich auf das Spielen konzentrieren können und ob die Rahmenbedingungen geklärt sind, damit der Musiker nicht noch fünf Minuten vor dem Intro herumrennen muss und noch eine Flasche Bier braucht oder so.

The-Pit.de: Wie finanziert sich solch eine Kleintour oder reden wir hier eher von purem Idealismus?

Bastian: Natürlich hängt da viel Idealismus drin, auch da will ich natürlich nicht verhehlen, dass sich jede Band darüber freut, wenn unterm Strich auch ein bisschen Geld übrig bleibt. Der Antrieb war aber, ein cooles Paket zusammenzustellen, Bands zusammenzupacken, die nicht nur passen, sondern sich auch verstehen und sich musikalisch gut ergänzen. Für Contradiction ist es wichtig, dass sie die nächste Platte promoten können, die jetzt Ende des Jahres wohl kommen wird. Für Accuser und für mich heißt es ganz klar die letzten „Dependent Domination“-Reserven zu mobilisieren, aber auch schon Werbung für die nächste Platte zu machen, einfach im Gespräch bleiben, am Ball bleiben, in der Szene irgendwie präsent zu sein. Wir haben versucht und ich denke auch geschafft, für alle Beteiligten einen fairen Deal zu schnüren, wir haben keine astronomischen Gagenforderungen für das Package genommen, sodass am Ende keiner draufzahlen wird und hoffentlich auch die Veranstalter nicht, das wäre ja auch nicht im Sinne des Erfinders.

The-Pit.de: Wie schwer fällt es, die Band Accuser von deiner Seite aus auf einen größere Tour zu heben bis hin zu größeren Festivals?

Bastian: Grundsätzlich schaden gute Kontakte zu größeren Agenturen natürlich nie, großes Dingen ist da eher die ganze „Pay to play“-Geschichte. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass viele Touren nur funktionieren, wenn man sich einkauft. Ich sehe das nicht nur negativ, wenn das Paket stimmt und der Preis fair ist, dann kann man über alles reden, es darf aber nur nicht so enden, dass es nicht auf Augenhöhe stattfindet. Ich bin nicht bereit, meine Band irgendwo einzukaufen, wenn ich weiß, dass es nur darum geht, den Nightliner zu finanzieren. Da habe ich kein Bock drauf, das wird nicht passieren. Ansonsten gibt es immer wieder Kontakte, die Richtung Tour gehen, wo auch coole Angebote bei sind, aber da kommt dann auch wieder der berufliche und familiäre Teil ins Spiel. Es ist ja schwer, alles zu koordinieren, aber Ziel ist es auf jeden Fall, mit der neuen Platte eine kleinere oder eine etwas größere Tour mitzufahren. Angestrebt und auch von der Band gewünscht und dann schauen wir mal, was da so passiert.

The-Pit.de: Magst du noch etwas ergänzen?

Bastian: Ich habe gerade wieder den Eindruck, dass viele Metalfans den Underground zu schätzen wissen und sich auch gezielt nach kleineren Bands umgucken und Konzerte unterstützen. Ich würde mir wünschen, dass der Trend weitergeht, dass nach wie vor auch Hallen- und Clubshows bestehen können, die Festivals in dieser Vielfalt auch weiter stattfinden können. Jeder darf selber entscheiden, wo er hingeht, das zeigt eigentlich nur, dass die Szene vom Bandaufgebot her sehr vital ist, und das würde ich mir auch gerne für die Zukunft wünschen.

Ist doch deutlich genug, dass hier nicht über das große Kohlescheffeln gesprochen wird, sondern alles im undergroundigen Rahmen stattfindet – wäre übrigens wirklich wieder zu wünschen, wenn die Fans einfach Bock auf ehrliches Handwerk haben und der glatt gebügelten Radiokacke den Mittelfinger gen Riechkolben strecken.

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