Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Bastian Brühl (Red Shift Records) im Interview (September 2012)

“Natürlich hängt da viel Idealismus drin…“

Artwork der ersten Red-Shift-Veröffentlichung: Accusers "Agitation"

Zum Thema

The-Pit.de: Du wirst dich wahrscheinlich ja nicht nur auf Accuser stützen wollen, sondern vielleicht auch deine Promoarbeit ausweiten. Wie sieht da deine Zukunftsplanung aus?

Bastian: Wir hatten jetzt gerade ein paar kleiner Vertriebsprobleme durch die Insolvenz von Twilight, bei denen wir ja auch waren, sodass ich mich jetzt umorientieren musste, ein neuer Vertriebspartner musste her. Da ist es natürlich ein Problem, wenn man ein Kleinstlabel ist, einen neuen Vertriebspartner zu finden, weil die standardmäßigen Vertriebe, die einem so begegnen, auch andere Stückzahlen haben wollen. Ist ja logisch, dass ich mit zehn Bands unter Vertrag mehr Geld verdiene als mit nur ein oder zwei Bands. Das war ein bisschen schwierig, das scheint sich jetzt aber geklärt zu haben, sodass ich in Kürze einen neuen Vertriebspartner ankündigen kann. Das hört sich soweit alles ganz gut an. Als nächstes steht tatsächlich wieder eine Accuser-Scheibe an, die kommt voraussichtlich im Frühjahr 2013, der Titel „Diabolic“ steht schon, die Jungs gehen im Oktober ins Studio. Darüber hinaus wird es wahrscheinlich eine Veröffentlichung mit einer Band namens Arms To Amen geben, die kommen aus dem Siegener, Wittgensteiner, hessischen Raum. Das sind u.a. ehemalige Mitglieder von Deadsoil, Lay Down Rotten, also alles ein bisschen alte Hasen, aber mit neuen frischen Sounds, ein bisschen moderner angehaucht. Ich würde es zwischen In Flames, Disturbed und einen Schuss traditionellem Metal ansiedeln, schon durchaus moderner angehaucht, aber ich würde es bei weitem nicht in die Kategorie Metalcore packen wollen. Meiner Meinung nach eine sehr viel versprechende Band und ich denke, dass es eine gute Platte wird. Mal schauen, was sich dann so entwickelt, ich will mich da ungern übernehmen, um auch den Bands einfach noch gerecht werden zu können. Ich will ungern zehn oder zwanzig Bands unter Vertrag nehmen, das könnte ich einfach nicht in jeder Hinsicht stemmen, da würde irgendeine Band unter ferner liefen landen und noch habe ich einfach den Anspruch, die Sachen, die ich herausbringe, auch angemessen zu promoten und da auch alles noch im Blick zu haben. Von daher wird es vom Bandaufgebot her erst einmal nicht viel größer werden.

The-Pit.de: Jetzt geht ja die zweite Band Arms To Amen auch in Richtung Thrash. Bist du da vorbelastet oder kannst du dir für die Zukunft auch vorstellen, über den Tellerrand hinauszublicken?

Bastian: Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Für mich ist wichtig, dass die Band selber weiß, was sie will, das muss für mich schlüssig klingen und überzeugend sein, sowohl im Songmaterial als auch auf der Bühne, denn da trennt sich nach wie vor die Spreu vom Weizen. Ich bin da aber nicht festgelegt, wenn ich privat Musik höre, dann bin ich völlig offen, da ist von den Klassikern bis zu modernerem Kram alles dabei. Meine Alltime-Lieblingsbands sind Iron Maiden und Savatage, aber das würde ich nicht als festgelegt bezeichnen. Im Thrash gibt es ganz spannende Sachen, genauso aber auch im Death-Metal-Underground, da gibt es Sachen, die ich einfach fantastisch und unterstützenswert finde, da bin ich letztendlich offen für alles.

The-Pit.de: Ganz großes Thema ist ja auch die Gema. Wie siehst du das?

Bastian: Oha, schwierig. Gema ist natürlich zur Zeit massiv heiß diskutiert. Ich finde das prinzipielle System, Künstlerrechte an den Songs zu vertreten und die dann auch zu verteilen, eine positive Sache, allerdings, um es mit einem Klischeesatz auszudrücken: Die Gema hat das Maß einfach verloren. Da kommt einfach definitiv zu wenig von dem, was eingenommen wird, bei den Urhebern, den Künstlern an. Wenn ich da aus der Sicht als Konzertveranstalter spreche, dann ist das eine pure Katastrophe, was da gerade passiert. Jeder Künstler hat das Recht darauf, seine Songs geschützt zu wissen, aber letztendlich muss das auf Augenhöhe passieren und ich denke, dass es eine Lösung geben muss, wo Künstler, Vermarkter, meinetwegen Plattenfirma und Konzertveranstalter sowie Gema auf Augenhöhe agieren können, aber das passiert gerade absolut nicht. Es wird für die kleinen bis mittleren Festivals ein großes Problem werden. Wenn wir uns in den 1000er bis 4000er Festivals bewegen, könnte es echt schwierig werden, so etwas noch zu stemmen, da es einfach total schwierig zu kalkulieren ist. Es ist ja bis heute nicht möglich, so etwas wie ein Angebot einzuholen oder mal durchzurechnen, was auf mich zukommt, wenn ich Gelände xy habe, mit soundso viel Gästen plane und einen bestimmen Kartenpreis habe. Es ist ja noch nicht praktikabel, dass es kommuniziert wird. Das halte ich für ganz gefährlich und schwierig und da kann man nur hoffen, dass es da noch eine andere Lösung gibt und dass viele Veranstalter die Möglichkeit und den langen Atem haben, sich da durchzusetzen.

The-Pit.de: Dann gibt es ja auch noch die Unkalkulierbarkeit, ob denn auch genug Leute kommen…

Bastian: …Klar, das kennen wir alle, dass man auf einem gut besetztemnKonzert steht und sich fragt, wo denn die Leute bleiben. Klar gibt es da ein Überangebot und klar gibt es viele Konzerte, viele Bands, viele Veranstalter, aber manchmal wundert es mich dann doch, was da so passiert.

The-Pit.de: Promoarbeit ist für dich ja das kleine Einmaleins. Wie teilt sich das eigentlich auf, wenn man auf der einen Seite Printpresse und auf der anderen Seite die Onlinearbeit sieht?

Bastian: Im Printbereich gibt es vielleicht ja noch so die großen drei bis fünf Magazine, an den großen kommt man ja auch nicht vorbei: Rock Hard, Metal Hammer, Legacy, das Heavy gibt es ja jetzt leider auch nicht mehr. Ansonsten spielt sich relativ viel im Online-Bereich ab. Im Ausland war es ein bisschen schwieriger, an die einschlägigen Magazine zu kommen, hat aber in vielen Fällen auch ganz gut funktioniert. Dänemark, Frankreich und Niederlande hatten wir ebenfalls ganz gute Features, ansonsten viel über Online-Angebote, wobei da es natürlich nicht immer einzuschätzen ist, was das für ein Portal ist, wie zugkräftig das ist, da gibt es wahrscheinlich auch schwarze Schafe, die nur Promos abgreifen und dann nichts damit machen. Diese Erfahrung habe ich zum Glück bisher nicht gemacht, da kann ich also auch nichts schlechtes sagen. Vor dem Plattenlabel hatte ich das Gefühl, dass gerade Online-Magazine wie Pilze aus dem Boden schießen, wo ich gar nicht einschätzen konnte, wer denn da seriös ist und wer halt nicht, wer macht es nur aus der Laune heraus, was ja jetzt nicht schlecht sein muss, aber du weißt, was ich meine. Da habe ich mich vorher halt schlau gemacht und viel gelesen, viel geklickt, sodass ich jetzt ein ganz gutes Zwischending gefunden habe. Es ergänzt sich ja immer wieder, ich schaue ja auch bei anderen Plattenfirmen, wo die regelmäßig Reviews drin haben und nehme die in meinen Verteiler auf, nehme mal einen persönlichen Kontakt auf und das funktioniert in der Regel auch ganz gut.

The-Pit.de: Und jetzt organisierst du auch noch die Doppel-Thrash-Attack-Tour mit Accuser und Contradiction. Wie bewältigst du die zusätzliche Arbeit?

Bastian: Organisatorisch bin ich da nur in der zweiten Reihe, die Tour ist ja gebucht von Continental Concerts, der Booking-Agentur von Contradiction. Die haben die Läden angeschrieben und die Kontakte hergestellt sowie die Shows abgewickelt. Ich fahre die Tour halt für Accuser als Fahrer, Merchandiser, „Tourmanager“ mit, um auch da drin zu bleiben und zu gucken, was passiert. Letztendlich freue ich mich aber auch dort massiv über die Unterstützung von Continental Concerts, eine große Booking-Agentur, die sich wirklich aber bemüht haben und auch einfach Bock drauf hatten, so eine Undergroundgeschichte zu machen. Das sollte man heutzutage auch nicht zu niedrig bewerten. Ich denke, das ist ein cooles Paket, das ist für Old-School-Thrash-Fans eine gute Sache und wir hoffen, dass auch ein paar Leute dort aufschlagen.

Seite
comments powered by Disqus

Wolken mit Gesichtern oder Jesus auf einem Pfannkuchen

Hinzu kommen Borknagar, Wolfheart und Hinayana

Neues Album und Tour im nächsten Jahr

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna