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Bastian Brühl (Red Shift Records) im Interview (September 2012)

“Natürlich hängt da viel Idealismus drin…“

Labelchef Bastian Brühl

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Warum gründet man heutzutage eigentlich noch ein kleines Label, obwohl es doch so viele schon gibt? Was ist mit der Gema, wie gestaltet sich der Szenezusammenhalt – Fragen über Fragen, für die sich Bastian Brühl, Cheffe vom Ein-Mann-Label Red Shift Records, Zeit genommen hat.

The-Pit.de: Bastian, du hast ja vor einiger Zeit das kleine Label Red Shift Records gegründet. Gib uns doch bitte einen geschichtlichen Überblick und deine Motivation preis, das so anzugehen.

Bastian: Gegründet habe ich das Label so Anfang bis Mitte 2010 im Zuge der Vorbereitung der „Agitation“-Veröffentlichung von Accuser. Der Gedanke kam eigentlich wirklich speziell durch Accuser, die hatten ja gesagt, dass sie mit der „Agitation“ wieder am Start sind und dass sie wieder ein bisschen vorankommen wollen. Dann habe ich zusammen mit einem Kollegen gedacht, dass wir das doch versuchen könnten, weil mich die geschäftliche Seite, das Business, schon immer interessiert hat und ich mit meiner alten Band (Mindcrime, Anm. d. Red.) auch schon unter Vertrag stand. Da dort nicht alles so rund gelaufen ist, dachte ich, dass ich das vielleicht besser machen könnte im Interesse der Bands, ich wollte mich da zu einem Teil des Undergrounds machen. Da waren Accuser einfach ein willkommener Startschuss, weil die Band mir eigentlich schon immer sehr am Herzen liegt. Das war 1995 mein allererstes Heavy-Metal-Konzert, was ich gesehen habe, damals war ich 13 Jahre jung. Ich hab das mit der Band immer weiter verfolgt, sodass sich irgendwann über Konzerte etwas Freundschaftliches entwickelt hat und dann haben wir einfach gedacht: Komm, wir probieren das mal. Letztendlich aus einer Bierlaune heraus sind wir dann relativ schnell relativ gut gestartet. Dann haben wir 2010 die „Agitation“ herausgebracht, die im Nachhinein ein Achtungserfolg sowohl für die Band als auch für mich als Label gewesen sind; die Kritiken und das Feedback waren gut, nicht überragend, aber so als Comebackalbum völlig okay. Das war natürlich auch für mich auch ein Erprobungsfeld, weil es die erste Veröffentlichung war, die ich überhaupt gemacht habe. Da galt halt, erst einmal Pressekontakte zu knüpfen, überhaupt erst ein Netzwerk aufzubauen. Das wurde dann mit der zweiten Platte „Dependent Domination“, wieder Accuser, schlagartig besser und mehr. Mir war daran gelegen, dass die zweite Platte relativ schnell nach der ersten erscheint, um den Schwung zu behalten. Das hat dann auch geklappt, es waren knapp 14 Monate zwischen den beiden Releases. Das war nicht nur mir wichtig, sondern auch der Band, die das Signal setzen wollte: Hey, wir sind wieder da und wir machen das nicht so als halbgaren Scheiß, sondern wir nehmen das schon ernst und haben wieder Bock. Bis dahin habe ich mein Netzwerk auch wieder ausgeweitet und verbessert, sodass da einfach viel mehr Reviews und Interviews kamen. Letztendlich ist die Platte auch deutlich besser angekommen, wir hatten also richtig gute Kritiken europaweit plus ein paar Sachen in den Staaten, wo es gutes Feedback gab; in Thailand gab es tolle Rückmeldungen. Das war dann alles schon ein bisschen größer und die Platte ist für meine Begriffe richtig gut eingeschlagen und hat sich erst da wieder in den Köpfen der Fans festgesetzt.

The-Pit.de: Die zweite CD ist ja auch bei The-Pit.de richtig gut weggekommen. Wie siehst du mit deinem Kleinstlabel deine Position am Labelmarkt, hast du auch von anderen Labels Unterstützung bekommen oder wurde dir eher mitgeteilt, dass du die Finger davon lassen sollst?

Bastian: Da habe ich eigentlich viel Positives mitbekommen. Ganz explizit muss man da Pure Steel Records erwähnen, wo der Kontakt jetzt nicht immens war, die aber einfach immer ein offenes Ohr hatten, wenn es um Vertriebsfragen ging. Ganz große Hilfe, um auch größere Namen ins Spiel zu bringen, war tatsächlich auch der Markus Wosgien von Nuclear Blast oder der Andreas Reisnauer von Metal Blade, die einfach immer ansprechbar waren. Das ist jetzt nicht so, dass wir einmal die Woche telefoniert haben und ich gefragt habe, wie machst du denn so was und die dann sagten, mach das mal so oder so. Einfach ein ganz netter Kontakt und wenn mal was anstand, hatten die immer einen guten Tipp parat, was zum einen sicher mit der Wertschätzung der Band Accuser zusammenhängt, aber ich glaube auch zum anderen ein bisschen mit dem Undergroundsupportgedanken, den die Jungs alle noch haben. Ich habe sowieso von vielen Seiten recht viel positives Feedback bekommen, sei es von Magazinen, sowohl Online als auch Printmedien, von euch von The-Pit.de ja sowieso, aber das geht ja auch weiter bis zum Rock Hard, zum Legacy, verschiedene Radiostationen, da kann ich mich gar nicht beschweren, wir haben da ein ganz gutes Netzwerk, wo auch sehr unterstützende Worte gekommen sind. Da hätte ich so in der Form nicht mit gerechnet. Ich hätte ganz am Anfang gedacht, dass man es wirklich als Kleinstlabel schwieriger hat, überhaupt einen Fuß in der Tür zu bekommen und überhaupt ernst genommen zu werden. Das Gefühl, dass es da ein Problem gibt, hatte ich eigentlich nie.

The-Pit.de: Welche anderen Hürden hattest du noch zu überwinden? Hat da eine Behörde dazwischengefunkt oder gar das Finanzamt?

Bastian: Ich klopf auf Holz, da lief bisher alles reibungslos, es war natürlich ein finanzielles Risiko, war und ist es auch immer noch, es ist also nicht so, dass man von jetzt auf gleich viel Geld verdienen kann, das muss man einfach so sagen. Das ist aber auch am Anfang nicht der Anspruch. Klar freue ich mich, wenn irgendwann auch mal etwas hängen bleibt, aber sonst lief es relativ reibungslos. Es ist natürlich unglaublich arbeitsintensiv, da muss man nach einem Zehnstunden-Arbeitstag auch noch ein paar Stunden hintendran hängen und Reviewanfragen verschicken, Interviews koordinieren etc. Das kennt wahrscheinlich jeder, der sich in dem Bereich bewegt, aber als öde würde ich das nicht bezeichnen, schließlich habe ich mir das auch ausgesucht. Das macht ja durchaus auch Spaß. Da gibt es schlimmere Arbeiten, die ich mir vorstellen kann, ganz ehrlich.

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