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Axxis im Interview (November 2011)

„Du wirst ja mehr oder weniger von allen Seiten gefickt“

Axxis live in der Zeche Bochum, Dezember 2009

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The-Pit.de: Ich bin gerade ein wenig wegen der Deutlichkeit der Worte überrumpelt. Heißt das, dass sich auf dem Hocker hinter den Drums etwas ändert?

Bernhard: Wir haben unsere Prioritäten verändert. Dirk Brandt ist unser erster Trommler und Alex unser Ersatz. Und wenn wir mal Zeit haben und in Schwulitäten kommen, dann fragen wir ihn mal gerne. Nicht, dass du das falsch verstehst. Es geht einfach darum, dass wenn die Leute uns sagen, dass wir nur eine von zehn Bands sind, dann sagen wir: Dann suchen wir uns die Leute aus, die gerade am besten können. Dann stehen wir aber auch nicht mehr zu jemandem, wenn er sagt: Morgen bin ich mal woanders und übermorgen da. Das wird jedem in der Band passieren. In meinen zwanzig Jahren habe ich tausend Angebote von irgendwelchen anderen Bands bekommen, aber da habe ich immer nein gesagt. Ich bin bei Axxis - ganz einfach. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber da fällt ein Bassist aus und schon wird die ganze Tour abgesagt, weil der gerade in einer anderen Band spielt. Das macht auch wieder die Szene kaputt. Der Sinn dahinter ist natürlich klar: Die wollen alle Geld verdienen. Das kann ich auch verstehen, aber wenn es um Geld verdienen geht, dann sollen sie bei einer Versicherung arbeiten. Dort kann man Geld verdienen. Eine Band zeichnet doch aus, dass sie durch dick und dünn geht, schafft sie es aus dem Dreck wieder herauszukommen, hält sie zusammen. Das sind ganz wichtige Punkte, die auch psychologisch intern sehr wichtig sind. Wenn du dann vielleicht auch mal eine Platte machst, die scheiße ist und die Leute dich in der Luft zerreißen, dann braucht man intern in der Band ein richtig festes Gefüge, damit du dich richtig dagegen feien und sagen kannst, dass die anderen erzählen können, was sie wollen, denn wir als Band ziehen das Dingen durch. Das kannst du aber nicht mit Leuten machen, die heute hier und morgen dort spielen.

The-Pit.de: Da steckt dann ja auch ein bisschen das Ideal „Fünf Freunde sollt ihr sein“ dahinter, doch leider tauchen immer wieder gecastete Bands auf.

Bernhard: Total. Fünf Freunde müssen es ja auch nicht sein, wir wollen mal nicht übertreiben, aber es ist schon so, dass das der Optimalfall wäre. Ich kann mich auch an 1989 erinnern, was wir alles an Scheiße erlebt haben. Wir wurden ja immer fertig gemacht, wir wurden auch im Rock Hard und Metal Hammer ignoriert. Wenn sie mal etwas über uns geschrieben haben, dann war es der größte Scheiß. Als wir dann aber mit der „Kingdom Of The Night“ abgingen wie ein Zäpfchen, da haben die alle ein schlechtes Gewissen gehabt. Das war der Ursprung, warum es mit der Presse anfangs auch Probleme gab, weil die vielleicht auch ein bisschen doof dastanden. Wenn wir da als Band nicht zusammen gehalten hätten, dann hätten wir die ganze Arie gar nicht ausgehalten. Da kommt der Manager, der sagt, ihr müsst jetzt das machen, die Plattenfirma, die sagt, ihr müsst jetzt das machen, da drehst du irgendwie am Rad. Von daher müssen wir jetzt nicht fünf Freunde sein, aber auf alle Fälle müssen wir uns alle mögen und an einem Strang ziehen. Das ist wichtig.

The-Pit.de: Wie seid ihr auf der Tour auf Dawn Of Destiny als Support gekommen?

Bernhard: Das war ganz interessant. Den Jens (Faber; Anm. d. R.) habe ich in Bredenborn kennen gelernt, da hat ein Fan ein Konzert organisiert, was rappelvoll war, am Arsch der Welt irgendwo im Niemandsland, und da haben Dawn Of Destiny als Vorband gespielt. So haben wir uns kennen gelernt. Ich finde, dass der Jan echt geile Songs schreibt, ich war echt überrascht, als er mir ein paar Sachen vorgespielt hat, die er da produziert oder mit seiner Band neu einspielt, und er ist ein richtig geiler Songwriter, wie ich finde. Ich fand auch seine Produktion richtig cool und was die Band da macht, ist echt eine coole Sache. Wir haben die jetzt mitgenommen weil ich finde, dass sie hier und da noch live etwas dran arbeiten müssen, dass muss man noch eine bisschen schleifen und das kannst du nur machen, indem du Erfahrungen sammelst. Von daher lag es nahe, die mit auf Tour zu nehmen.

The-Pit.de: In der Vergangenheit habt ihr auch auf Benefizveranstaltungen wie Rock gegen Rechts usw. gespielt. Ist das nur Geschäft oder steckt da auch eine Philosophie hinter, mit der ihr euch identifizieren könnt?

Bernhard: Nee, das geht einfach auch darum, dass man auch Kante zeigt, wie unsere Frau Kraft immer so schön sagt. Das finde ich auch total wichtig, dass man als Band auch Stellung bezieht und sich nicht da durchschlawinert. Du kannst ja anhand der Axxis-Platten sehen, wie wir uns immer politisch engagiert haben. Wir haben „Tears Of The Trees“ wegen des sauren Regens geschrieben, kalter Krieg und alles ist immer in den Songs verarbeitet worden. Wir haben damals schon immer zu Themen Stellung bezogen. Ich war damals total grün gewesen, ich war so grün, so grün war sonst keiner, wir haben damals gegen Atomkraft demonstriert und was mich jetzt in dieser Zeit beschäftigte, war einer der Gründe für Rock gegen Rechts, dass beispielsweise die Rechten in Dortmund auf die Straße gehen können, da werden die noch von der Polizei geschützt, während die Linken en masse abgeschleppt werden. In Dortmund weiß man ganz genau, wer da die Rechten sind, in Dortmund weiß man ganz genau, welche Straftaten die teilweise begangen haben, aber das wird nicht verfolgt, trotz Beweise, trotz Zeugen. Das macht mich ein bisschen nervös. Da ist dann auch wichtig, dass man als Band versucht, wo es möglich ist, auch Stellung bezieht. Das haben wir in Dortmund ja auch gemacht.

The-Pit.de: Bernie, wir sind jetzt aber auch mal durch, da ist ja jetzt reichlich Material zusammen gekommen. Zum Abschluss kommt dann meine Standardfrage: Wie hören sich deine TOP 5 des Musikgeschmacks an?

Bernhard: Ganz ehrlich: Ich höre seit Jahren keine Musik mehr. Ich habe immer gedacht, ich wäre bescheuert oder hätte einen Knall. Jetzt habe ich vor Kurzem ein Interview mit Sting gelesen, der macht das auch. Da habe ich gedacht, dass wir eine Selbsthilfegruppe gründen sollten, weil das Problem einfach ist, dass wenn du als Produzent im Studio arbeitest, es mir persönlich schwer fällt, diesen Schein des Musikhörens fallen zu lassen. Ich höre immer analytisch, ich höre immer wieder angestrengt, was die Bands da machen. Es gibt immer wieder Songs, die ich geil finde. Es sind noch immer die TOP 5, die ich in meiner Pubertät schon hatte. Das ist einmal „Number Of The Beast“ von Iron Maiden, ein geiles Album, ein hammergeiles Songwriting, dann die „Kiss Alive II“, meine erste Erfahrung mit der Metal-Szene, dann kommen Queen mit fast eigentlich allen Alben, da bin ich wirklich voll Fan von, ich fand das schwarze Album von Metallica geil, für mich haben da Metallica, weil ich nicht so der Grunz- und Schreifan bin, einer hammergeile Produktion vom Songwriting hingelegt, ich fand Abba geil, Top 5, da wüsste ich gar nicht, wie die Platten heißen, da habe ich einfach eine „Collection“ hier, und Zeno fand ich auch immer geil, die kennt nur kaum einer, auch eine EMI-Band mit Michael Flexig als Sänger, Guido Roth als Gitarrist, das fand ich eine hammergeile Produktion damals. Das waren sie dann auch, oder? Ach so, eine Platte habe ich noch. Die „Lovedrive“ von den Scorpions fand ich auch total geil. Danach haben die das nicht mehr geschafft, da ranzukommen. Aber man muss ein Album auch im Kontext der Zeit hören.

Und wenn man nun denkt, dass genug geredet wurde, so schweiften wir beide noch zu den Demos gegen Atomtransporte ab, diskutierten über das Altmetallerdorf, welches Gerre (Tankard) im Interview ins Spiel brachte – und zack, war eine weitere halbe Stunde mit sehr privaten Unterhaltungen gefüllt. Danke an Bernie, der sich ausreichend Zeit nahm.

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