Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Axxis im Interview (November 2011)

„Du wirst ja mehr oder weniger von allen Seiten gefickt“

Bernie bei der Jubiläumsfeier 2009 in der Zeche Bochum

Zum Thema

The-Pit.de: Euer aktuelles Album ist jetzt zwei Jahre alt, im Schnitt seid ihr immer im guten Zwei-Jahres-Rhythmus; wie sieht es da mit neuem Stoff für die Fans aus?

Bernhard: Ja gut, wir haben jetzt erst einmal diese DVD gemacht, die zähle ich mit dazu, weil es natürlich ein doppelter Aufwand ist gegenüber einer Musikproduktion. Bei einer Musikproduktion ist eher wichtig, dass die Kreativphase ein bisschen länger dauert und da wir viele Phasen durchlebten, wir hatten ursprünglich als klassische Metalband gestartet, Hardrock, dann sind wir ein bisschen abgeschwenkt in den Neunzigern, wo wir gar nicht wirklich wussten, was wir da für einen Stil machen, weil die ganze Szene auch gar nicht mehr wusste, was denn überhaupt noch Hardrock ist, dann kam auf einmal Grunge auf, mit Nirvana war auf einmal alles ganz anders, die Griffe haben sich da verschoben, mit „Back To The Kingdom“ sind wir wieder zurück zu „Schuster, bleib deinen Leisten“ gegangen, haben dann mit Lakonia geschaut, was damit passiert, wir wollten mit ihr auch eine Platte produzieren, was der Hauptgrund war, weswegen wir sie in die Band integriert haben, gleichzeitig hat es dann Axxis einen kleinen Touch gegeben, dann haben wir die Power-Metal-Phase ein bisschen durchlebt, aber ich muss auch sagen, dass es mir jetzt ein bisschen zu langweilig wird. Die „Utopie“-Sache hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, die Platte kam auch super an, aber das schwierige ist wirklich, Songs zu schreiben, die ganz einfach sind, die Kunst eine Melodie zu finden, die dir die Eier wegzieht, so dass du sagst: geil. Jeder andere würde sagen: Das ist doch eine einfache Melodie. Ich habe auch bei anderen Bands im Studio gemerkt, dass alle progressiv sind, dabei frage ich mich, warum das so ist. Weil sie ihre Instrumente beherrschen, das ist eine Frage der Übung, aber geile Songs zu schreiben ist eine Frage des Talents. Und die können sich hinter ihrer Progressivität verstecken, die hauen unzählige verschiedene Parts aneinander und sagen sich selbst, was für eine geile Band sie sind, aber nicht eine verfickt geile Melodie ist da drin. Und wenn sie die dann hätten, dann hätte sie auch einen geilen Song gemacht. Wir haben uns bei der nächsten Produktion zum Ziel gesetzt, dass wir wirklich da wieder hinkommen, dass wir uns hinsetzen und gucken, wie wir wieder geile Songs geschrieben kriegen, die ohne Brimborium richtig geil sind. Das ist das Ziel, aber wir haben noch nicht angefangen. Wenn wir das jetzt nicht hinbekommen, dann müssen wir uns etwas anderes überlegen. Wir werden uns auf alle Fälle schön Zeit lassen. Ich sage nur „Stay Don’t Leave Me“, ich weiß noch, wie viele Parts wir in diesem Song hatten und da sitzen wir bei Joey Balin in Philadelphia, der dann sagt: „Pass mal auf, was ist das Geile an dem Song? Das Piano ist geil, der Refrain ist geil, die Strophe ist geil, allen anderen scheiß, der da ist - raus damit. Lasst das drin, was gut ist, alles andere ist Füllmaterial.“ Das wollen wir nicht, wir wollen geile Songs haben. Jetzt sagt jeder, dass er das auch hätte schreiben können, aber die Kunst ist doch, auf diese Scheiße zu kommen und sich auch trauen, Sachen rauszulassen und auch einfache Sachen zu machen. Ich sage mal ein ganz doofes Beispiel: „Life Is Life“. Das ist voll der scheiß Song und jeder sagt, wie kann man nur, aber ich kenne wirklich kaum ein Schlagzeug-Hook wie D-d-d-dum. Hammer. Das ist Genialität, nicht umsonst hattest du damit einen Welthit. Die Genialität liegt in der Einfachheit, E=mc² ist auch ganz einfach, aber komm erst einmal auf solch einen Scheiß. Wenn man es weiß, dann ist es ganz einfach, aber du musst darauf erst kommen. Soviel noch zu meiner abschließenden Philosophie hier.

The-Pit.de: Bei der „Doom Of Destiny“-Tour wart ihr mit Halloween unterwegs, zum Jubiläum habt ihr euer eigenes Ding durchgezogen – wie plant ihr da für euch die Zukunft?

Bernhard: Auch das war für uns ein Experiment. Wir haben seit 2000 eigentlich immer wieder Double-Headliner-Touren gemacht, mit Pink Cream 69 oder Kamelot zusammen, auch mit Krokus, aber die Fans haben gesagt, dass wir gar nicht mehr alleine wie damals auf Tour gehen würden. Da haben wir gedacht, dass da wahrscheinlich keiner mehr käme. Wir haben jetzt mit diesem Drei-Alben-Konzept gedacht, dass wir es einfach riskieren, wir wollten einfach mal gucken, was passiert und machen den Klassiker: Wir nehmen eine Support-Band aus dem lokalen Raum mit, versuchen, hier die lokale Szene ein bisschen zu featuren und schauen mal, was halt passiert. Dass das dann so gut entgegen aller Markttendenzen gelaufen ist, hätte ich niemals gedacht. Das hat uns überrascht und es zeigt uns, dass wir ruhig mehr Mut haben dürfen, so etwas nochmals zu riskieren.

The-Pit.de: In Lünen habt ihr mit Ersatzschlagzeuger gespielt, weil Alex Landenburg nicht konnte. Was ist passiert?

Bernhard: Ich habe eine eigene Bandphilosophie und die ist, dass ich gerne möchte, dass die Leute, die in meiner Band spielen, natürlich auch nur in dieser Band spielen. Das ist für mich eigentlich ganz wichtig. Im Nutella-Glas sind ja auch nicht plötzlich Maggi-Koch-Rezepte drin, dass ist immer das gleiche Rezept, und wenn du Nutella kaufst, dann weißt du auch, was drin ist. Ich finde, dass muss auch bei einer Band so sein, denn die ist im Endeffekt auch ein Produkt. Jetzt gibt es aber im Musikmarkt seit Jahren die Tendenz, dass eine Inzucht und Hurerei unter den Musikern herrscht, die kaum auszuhalten ist und mich total stört. Der Gitarrist spielt da, der Schlagzeuger spielt da, fünfmal spielt ein Redakteur bei zehn anderen Bands noch, eine Inzucht, die nicht gut für die Musikszene sein kann. Wir haben damals immer wieder versucht, mit Leuten zu spielen, wo wir das Gefühl hatten, die bleiben dabei und geben Vollgas. Dass dann der Alex auf einmal auf allen Ebenen mitspielt und wir dann in Timing-Probleme kommen, weil er dann hier und da keine Zeit hat, das hat mich total angekotzt. Oder auch die Tatsache, dass dann noch eine zweite Band von Marco und Dingens gegründet wird, das widerspricht meiner Philosophie von Band. Wir haben schon damals den Dirk Brandt als Schlagzeuger gehabt und haben uns dann hinterher für Alex entschieden, weil wir gedacht haben, dass bei ihm die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass er bei der Band bleibt und er nicht dieses 50000-Hochzeiten-Tanzen macht. Da haben wir uns geirrt. Da hat er hier und da gespielt, wir wussten noch nicht einmal wo, das haben wir dann über die Presse erfahren. Das ist ja ok, es ist sein gutes Recht, aber es widerspricht der Philosophie von uns, von Axxis. Wir wollen natürlich schon gerne Leute haben, mit denen wir fest und auch ein bisschen intensiver zusammen arbeiten können. Wenn du bei McDonalds arbeitest, dann gehst du auch nicht mit einem Burger-King-T-Shirt hin. Ich finde, dass es bei Axxis nichts anderes ist.

Seite
comments powered by Disqus

Waldbühne lädt bei freiem Eintritt ein

Von Erinnerungen, Rückblicken und Genuss

Wolken mit Gesichtern oder Jesus auf einem Pfannkuchen

Hinzu kommen Borknagar, Wolfheart und Hinayana

Neues Album und Tour im nächsten Jahr

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität