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Axxis im Interview (November 2011)

„Du wirst ja mehr oder weniger von allen Seiten gefickt“

Artwork der aktuellen Scheibe "Utopia"

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The-Pit.de: Da kommen wir glatt zum Beginn unseres Telefonats zurück. Eine DVD von Fans gefilmt, kein High-Tech-Schnick-Schnack, aber gerade das ist ja das sympathische an der DVD. Hattet ihr das Erdige bei der Produktion auch so erhalten wollen?

Bernhard: Genau das ist eine Erfahrung, die ich total klasse finde, das hätte ich nicht gedacht. Das heißt ja nicht umsonst offizielles Bootleg, weil wir gedacht haben, dass diese DVD im Markt nicht bestehen kann, nicht bestehen vor diesen ganzen Super-High-Fidelity-HDTV-Surround-Sound und da kommen wir mit solch einem „Scheiß“ an, weil wir ja auch einen Qualitätsanspruch haben. Wir haben gedacht, das kriegen wir niemals hin. Wir mischen dann das Ganze ab, hatten mit einem Tom ein paar Probleme und mussten da ein bisschen fummeln, aber ansonsten haben wir gesagt, dass wir den Kram so lassen, wie er ist, mischen das einigermaßen vernünftig ab, die Fehler lassen wir alle drauf und gucken einfach mal. Wir können uns ja immer darauf zurückziehen und sagen, dass es nur ein offizielles Bootleg war. Dass die DVD jetzt so gut ankommt, dass hätte ich niemals gedacht, aber wirklich alle Leute sagen: authentisch usw. Da habe ich die Hoffnung an die Menschheit noch nicht verloren. Wenn man das noch erkennt, dann bin ich sehr dankbar und ich finde das klasse, dass im Zeitalter der Computertechnologie, wo alles so hochgezüchtet ist, jetzt auch solch ein Produkt eine Chance hat. Das sind die Momente abseits von Lob und Kritik, wo ich messen kann: Aha, geil, die Leute finden so etwas klasse und ich bin auch mal gespannt, wie wir in Zukunft darauf reagieren. Ich habe echt schon überlegt, warum wir überhaupt noch Produktionen in der Form machen, im Studio mit allem drum und ran. Warum gehen wir beim nächsten Mal nicht einfach hin, wie z.B. hier nach Lünen, mieten das Ganze mit ein paar Leuten an, präsentieren da live die neuen Songs und nehmen das dann auf. Authentischer geht es nicht - keine Studioproduktion, keine Fummelei, keine Overdubs und wir haben keinen Aufwand. Du sitzt dann nicht 50 Monate im Studio und bastelst, sondern wir spielen das Zeug einmal runter, und wenn Fehler drauf sind, dann ist das halt ein Zeitzeugnis.

The-Pit.de: Wie früher im Proberaum, wo noch mit einem Mikrofon an der Decke das Material aufgenommen wurde, und wenn einer gehustet hast, dann wurde wieder von vorne gezockt.

Bernhard: Die Beatles‘ Art und Weise. Das ist so „back to the roots“, „back“er geht es gar nicht. Es ist ja wirklich so, dass sie früher im Studio einen Song zwanzigmal gespielt haben, dann wurde das beste Dingen genommen, Overdubs gab es in der Form noch gar nicht, das ist dann aber im Laufe der Tonstudiozeit immer mehr gewachsen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn ich die DVD und die Reaktionen darauf sehe, dann scheint es bei den Leuten ein Bedürfnis zu sein, wieder mehr nahe und authentische Musik zu bekommen, was auch erklärt, warum so viele Singer/ Songwriter am Start sind, die mit einer Akustikgitarre da stehen, spielen, singen und fertig. Das hat schon etwas Intimes, Ehrliches und ich glaube, dass die Leute es satt haben, ständig mit den Samples und sonstiger Computertechnologie verarscht zu werden. Man weiß ja gar nicht mehr, was dahinter steckt. Bei manchen Produktionen höre ich raus, dass sie die Sample Library haben und die Drums bei allen gleich klingen, langweilig, wie ich finde

The-Pit.de: Der Schrei nach Natürlichkeit dürfte doch wieder größer werden, wenn die Bands es immer seltener schaffen, ihre Studioarbeiten auch live ordentlich auf die Bühne zu bekommen. Wie siehst du das?

Bernhard: Eigentlich ja, aber ich habe auch in Bergkamen ein Studio, und wenn dann die Bands kommen, dann erwarten sie auch den Metallica-Sound, bekommen es aber nicht hin, die Gitarre richtig zu stimmen. Und dann stehst du da als Dienstleister und drückst denen ihre Samples auf, wenn sie das so unbedingt haben wollen. Da merkt man dann immer diese Diskrepanz, die Überschätzung der Leute durch die Technologie, wenn man denkt, dass man dann den virtuellen Gitarristen oder virtuellen Bassisten oder wen auch immer hat und dadurch alles geil klingt, nach dem Motto „Mach mal was“. Da frage ich mich manchmal, ob ich denn David Copperfield bin. Da muss man am laufenden Band faken und darauf habe ich überhaupt keinen Bock. Aber als Dienstleister machst du das dann eben, wenn sie das wollen. Live auf der Bühne stellt sich dann heraus, ob sie gut oder schlecht sind.

The-Pit.de: Wie sieht denn dann die nähere Zukunft bei euch aus, zumal du schon angedeutet hast, dass ihr ein paar Songs zur Übung aufgenommen habt, wobei ihr nicht auf die typischen Songs zurückgegriffen habt?

Bernhard: Das war das Gesetz, das Harry und ich uns auferlegt haben, dass es nichts mit Metal zu tun haben soll und haben darf. Dann sind da Songs von Kraftwerk und Boney M dabei, Sachen von Phil Collins usw., Yes sind dabei, das ist schon sehr interessant, „Staying Alive“ von den Bee Gees haben wir gemacht, Sachen also, wo man meint: Das könnt ihr doch nicht machen. Genau das ist aber das Gute daran, weil es eine Herausforderung war zu sehen, wie der Harry und der Bernie das hinkriegen, solch einen Song, der eigentlich wirklich mainstreamig ohne Ende ist, wie bekommt das eine Rockband umgesetzt. Da haben wir auf der einen Seite versucht, den Song so zu belassen, wie er ist, ohne ihn da zu vergewaltigen, und auf der anderen Seite haben wir geguckt, wie weit wir damit gehen können. Das war als Produzent im Studio sitzend im Zuge der Labelgründung ein toller Ausgleich. Wir haben uns überlegt, die ganzen Songs oder ein paar davon einfach online anzubieten, wo die Leute das einfach herunterladen können, da werden wir keine große Produktion mit machen und das auch nicht groß aufhängen. Das ist ein reines Side-Project.

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