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Axxis im Interview (November 2011)

„Du wirst ja mehr oder weniger von allen Seiten gefickt“

Gitarrist Marco Wriedt

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The-Pit.de: Das Entdeckergen war damals in den Achtzigern auch etwas anderes, da hast du zehn Mark in einen Briefumschlag gepackt, dir ein Demo-Tape bestellt und gehofft, dass es auch kommt. Heutzutage kann ich wirklich jede beliebe Band im Netz finden. Kommt dieser Informationsfluss aber nicht den Bands zugute?

Bernhard: Ich muss sagen, dass ich auch zwiegespalten bin. Das Internet bietet auch unendlich viele Möglichkeiten. Wir haben total viele Platten und auch unsere DVD über das Internet verkauft, was natürlich geil ist, da wir direkt der Empfänger der ganzen Sachen sind, keiner, der dazwischen hängt usw., gar keine Frage, das Internet hat super viele Vorteile. Ich persönlich genieße es auch zusagen: Harry, ich komme heute nicht nach Neuss, ich schicke dir die Files per Internet zu, höre sie dir einmal an. Da hat sich super viel getan. Aber wie gesagt, die Masse an Informationen überfordert mich aber auch, da wird ein neuer Name gefeatured und nächste Woche sind sie schon wieder weg vom Fenster. Einer der Effekte, der daraus entsteht, ist, dass ich als überforderter Fan wieder auf meine alten Truppen setze, wo ich weiß, was ich kriege. Meine alten AC/DC, meine alten Iron Maiden, meine Judas Priest und wie sie alle heißen, die sind immer noch irgendwie da, die höre ich mir an, da weiß ich, was ich habe. Komischerweise sehe ich diesen Effekt auch bei Festivals. Noch heute sind die Bands, die in meiner Pubertätsphase eigentlich bekannt und in waren, bekannt. Das kann doch nicht wahr sein, dass immer noch diese Bands bei den pubertären Teenies die Bands der Stunde sind - ganz komisch.

The-Pit.de: Da können wir ja gleich mal den Bogen zur Show in Lünen schlagen, denn dort habt ihr auch Songs der ersten drei Scheiben gespielt. Du selbst hast auf der Bühne gesagt: Wenn euch das so gefällt, dann brauchen wir uns ja nur noch selber zu covern. Lünen war ausverkauft, eure Tour läuft hervorragend, wie beurteilst du dann diese Entwicklung?

Bernhard: Genauso, wie ich das auch gesagt habe. Ich finde das sehr zwiespältig. Ich finde das auch toll und spannend, weil es auch ein anderes Konzept ist, interessant, dass wir jetzt die Möglichkeit bekommen, die vielen Songs, wo die Fans immer „spielt doch mal den oder den“ sagen, wobei wir ja auch gerne unser neues Material vorstellen wollen und nicht zehn Stunden spielen können, schnell außen vor sind. Da konnten wir dieses Mal eben sagen: So, jetzt schöpfen wir aus den Vollen und spielen von den ersten drei Platten genau das, was die Leute hören wollen. Das macht auch unheimlich viel Spaß und die Leute schwelgen auch in ihren Erinnerungen von damals, die Tour ist auch rappelvoll, aber es ist auch keine Frage ein doofes Zeichen, wenn wir „Utopia“ herausbringen, welches auch in die Charts kommt und alle das Album gut finden, aber auf diese Tourneen kommen weniger Leute. Das Zeichen ist doch ganz klar: Ihr braucht überhaupt keine neuen Platten zu machen, denn das, was ihr damals gemacht habt, reicht uns. Das ist eine Botschaft an die Band, die nicht befriedigend ist, denn wir wollen als Band schon auch andere Sachen machen und weiterkommen, andere Entwicklungen durchziehen und auch neue Platten an den Mann bringen, weil uns das ja Spaß macht, Musik zu machen. Es macht Spaß, Songs zu entwickeln und zu sehen, wie eine Platte entsteht. Es wäre natürlich traurig, wenn die Botschaft der Fans genau das wäre, denn dann könnten wir auch sagen: Ja gut, da gehen wir alle zehn Jahre wie so eine eigene Coverband auf Tour, spielen unsere alte Scheiße und das war es dann. Von daher sehe ich das genauso, wie ich das auch gesagt habe: sehr zwiespältig.

The-Pit.de: Gerade bei der Show in Lünen kann man ja auch Vergleiche anstellen. Ein Jahr zuvor war die Show etwas schlechter besucht, allerdings haben die Fans gleich auch die Bühne geentert, dieses Jahr wirkte das etwas gesetzter, dafür war es ausverkauft. Kannst du die beiden miteinander vergleichen?

Bernhard: Erst einmal ist es ja toll, dass wir in Lünen überhaupt spielen dürfen, das finde ich ja schon mal der Hammer. Seitdem die Metal-City-Leute da sind, bin ich dankbar, dass Lünen endlich mal Leute hat, die die Sache anpacken. Ich bin in Lünen mehr oder weniger immer verjagt worden, wenn wir da gespielt haben. Wir wurden damals aus dem Proberaum gejagt, wir wurden mehr oder weniger aus Lünen gedrängt, aber das hat sich glücklicherweise jetzt ein bisschen geändert. Wenn du das vergleichst, dann war das Konzert im ersten Jahr eher eine Art Präsentation, um „Hallo“ in Lünen zu sagen. Dass in Lünen überhaupt Leute gekommen sind, hat mich gewundert, denn ich kenne den Ort so, dass Top-1-Bands spielen und da kommt keine Sau. Deswegen war ich schon beim ersten Konzert so überrascht, dass es so voll war. Ich kann mich erinnern, da haben Alice Cooper in der Westfalenhalle gespielt, der BVB hat auch gespielt, da gab es viel Konkurrenz, da war ich mit der Besucherzahl sehr zufrieden. Dass es jetzt ausverkauft war, hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Ich habe aber gesehen, dass unterschiedliche Fans da waren. Ich hatte das Gefühl, dass letztes Mal viel mehr jüngere Leute da waren und dieses Mal die eher etwas älteren Damen und Herren.

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