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Axxis im Interview (Februar 2015)

„Ich kriege da eher die Krise, wenn ich so etwas höre…“

The-Pit.de: War „21 Crosses“ da wegen des Inhalts nicht vielleicht etwas zu schwermütig für eine Party?

Bernhard: Wir wollten schon emotionale Momente setzen und nicht nur einen auf Fun, auf Party machen. Die Party war natürlich im Vordergrund, das ist sie im Grunde genommen immer auf allen Konzerten. Schön aber waren auch „Love Is Like An Ocean“ oder „Ships Are Sailing“. Wenn man bedenkt, die Platte kam im Februar 1989 heraus, da haben wir „Love Is Like An Ocean“ gemacht, ein Song über zwei Liebende, die durch die Mauer getrennt sind, und am Jahresende fiel dann die Mauer. Danach haben wir die Platte „Ships Are Sailing“ gemacht, wo die Papierschiffchen mit den Kerzen drauf auf der Spree gesegelt sind. Du kannst auf den Alben von Axxis schon ein bisschen die deutsche Geschichte oder gewisse Ereignisse, die passiert sind, erkennen, und das finde ich auch sehr schön. Deshalb ist bei uns auch bei den Songtexten auch immer wichtig, dass nicht alles nur um Partystimmung geht, sondern auch Hintergrundgedanken einfließen für die Leute, die sich die Texte mal durchlesen, da soll auch was geboten werden. Deswegen ist „21 Crosses“ für mich schon ein wichtiger Song, weil er in meinem Umfeld stattgefunden hat, in meinem Land Nordrhein-Westfalen. Das so etwas möglich war, ist unverständlich, und wer, wenn nicht eine Rockband sollte dazu was schreiben.

The-Pit.de: Es hat ja auch nicht unwesentliche Auswirkungen gehabt. Sicherheitsbestimmungen auf Festivals wurden angehoben, Clubs durften weniger Leute hineinlassen...

Bernhard: ..genau, alles unter anderen Bedingungen als davor. Selbst Wacken wird anders aufgebaut wegen dem Vorfall bei der Love Parade. Zu recht natürlich auch, denn keiner will, dass so etwas nochmals passiert. Was ich aber viel schlimmer finde, ist, dass die Verantwortung nicht weitergetragen wird, dass da keiner Verantwortung übernimmt. Das ist für mich immer noch unheimlich schwer zu verstehen. Wenn einer auf der Straße umkommt, dann funktioniert der Apparat hervorragend. Ich hab ja auch auf der Bühne erzählt, dass wenn ich mit einer grün-roten Plakette nach Dortmund hereinfahre, dann funktioniert alles hervorragend, wenn aber 21 Menschen umkommen, dann passiert auf einmal gar nichts oder es gibt kein Ergebnis. Das ist schon ein bisschen deprimierend.

The-Pit.de: Auf der Bühne hast du auch gesagt, dass durch Facebook die Szene zusammen gerückt ist, du hattest ja auch ein paar Leute persönlich begrüßt. Sind da soziale Medien Segen oder Fluch?

Bernhard: Auf der einen Seite finde ich das einen Segen. Fluch insofern, als dass man nicht weiß, was mit den Daten passiert. Für die Kommunikation untereinander ist das ein Segen, ich habe da viele Gesichter kennen gelernt, die ich nur über Facebook kenne. Das ist auch der Vorteil der digitalen Revolution, dass wir als Leute immer enger zusammenrücken. Man kann sich mit Leuten aus der Schweiz unterhalten oder wir haben Fans in Japan, die mit uns Kontakt aufgenommen haben. Der Nachteil ist natürlich, was mit den ganzen Daten passiert und wie sie ausgewertet werden und was passieren würde, wenn das System sich ändert. Was passiert dann mit den Daten? Das könnte natürlich ein Problem geben, aber daran denkt keiner und will auch keiner denken.

The-Pit.de: Lass uns mal das Thema wechseln und zu Phonotraxx rüberschwenken. Die DVD war ja ein Testballon, mittlerweile habt ihr euch etabliert und signed andere Bands. Wie geht es da weiter?

Bernhard: Das Problem ist gerade in einer Zeit, wo die Bands sagen, dass sie kein Label mehr brauchen, dann wird es auch immer schwerer, eine Band zu finden, die zum Label kommen will. Wir haben ganz viele Leute am Start, die auch neue Bands suchen, wo wir eine Chance haben, die aufzubauen, weil wir eben die Möglichkeit haben, Crosspromotion über uns selber zu bieten. Dawn Of Destiny haben supertolle Platten bisher gemacht, haben auch supertoll gespielt, wir konnten sie auch mit auf Tour nehmen und den Stein ins Rollen bringen. Solche Möglichkeiten haben andere Plattenfirmen nicht, weil sie ihre Bands als externe Partner sehen. Wir sind die Band und können selbst bestimmen, welche andere Bands wir signen, um dann mit denen eine gemeinsame Kooperation zu machen. Wenn wir eine Anzeige schalten, dann haben sie auch eine Anzeige. Das heißt, die ganze Axxis-Promotion wird dann auch für die Bands stattfinden. Wir suchen natürlich auch mehr Bands, aber es ist sehr schwer, gute Leute zu finden, die auch langfristig zusammenarbeiten wollen. Das weiß man natürlich vorher nicht, aber man hat immer das Gefühl, dass sie das mal kurz machen, um eine Platte auf den Markt zu bringen und danach arbeiten sie weiter bei der Versicherung. Da muss schon ein bisschen mehr Herzblut hinter sein und Jens und Jeanette von Dawn Of Destiny geben da Vollgas, bekannt zu bleiben und auch Platten zu verkaufen.

The-Pit.de: Auf der Bühne suchst du immer wieder die Nähe vom Marco, dabei ist der Nesthäkchen-Status doch nicht mehr da. Wieso das?

Bernhard: Ich weiß gar nicht warum, ich hab wohl einen Linksdrall. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Gitarrenhals zur anderen Seite zeigt. Wenn ich zum Rob gehe, dann kann es sein, dass ich den Hals vom Bass in die Fresse kriege, was schon öfters passiert ist. Ich fühle mich beim Marco einfach sicherer. Beim Marco kann ich hingehen, der bewegt sich nicht so viel, da kann mir nichts passieren.

The-Pit.de: Beim Marco kam unlängst das Gerücht auf, dass er Axxis verlassen würde. Wo kommt das her?

Bernhard: Die kommen ja immer auf, das ist so eine Sache, ein Kommen und Gehen. Es wird einfach immer so sein, dass dich Leute verlassen werden. Das wird beim Marco mit Sicherheit auch irgendwann passieren, das ist aber überhaupt kein Problem. Der Dirk ist frisch dazu gekommen und wird der Band lange treu bleiben. Es ist wie ein Molekül, das sich ständig neu formt. Ich weiß auch nicht, wie sich das entwickeln wird, nach 25 Jahren sage ich gar nichts mehr. Früher hab ich immer gesagt „nee, da passiert nix“ und eine Woche später war es schon wieder anders.

Ganz sicher sind bei weitem nicht alle Themen abgesteckt, doch nach einer dreiviertel Stunden Telefonat muss man auch mal gut sein lassen. Danke an Bernhard, dass er sich soviel Zeit genommen hat.

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