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Axxis im Interview (Februar 2015)

„Ich kriege da eher die Krise, wenn ich so etwas höre…“

The-Pit.de: Da kann man sich dann nicht beschweren, gerade in einem sich immer weiter verändernden Markt, wo die Plattenverkäufe immer mehr einbrechen. Die Bands verdienen ja immer mehr durch die Touren und den Verkauf an Merchandise...

Bernhard: Aus der Sicht von 1989 hast du sicherlich Recht, aber gerade Vinylplatten sind wieder im Kommen nach dem tiefen Fall. Deswegen muss man heute ein bisschen differenzieren zwischen digitalen Tonträgern und Vinylplatten. Die Schallplatte hat ein richtiges Down erlebt und war quasi weg vom Fenster, und nun scheint es wieder einen Markt zu geben an Nostalgikern oder an Leuten, die erkennen, dass der Sound irgendwie schon ein geiles Flair hat, sodass man da wieder mehr Vinylscheiben kauft. Aus meiner Sicht sind 10 bis 15000 verkaufte CDs ein Witz, aber heute schon ein Erfolg. Wir waren noch nie so hoch in den Charts und haben noch nie so wenig verkauft, wir hatten aber auch noch nie eine so erfolgreiche Tour. Es wäre natürlich schön, wenn man das Gefühl hätte zu wissen, dass die Platte, die man gemacht hat, auch am Markt gut ankommt. Heute kommt sie an, aber man kann es nicht mehr an den Verkaufszahlen erkennen. Bei Spotify sehen wir das dann, da die Platte da richtig hochgeschnellt ist. Da kannst du erkennen, dass die Leute das mögen, aber super, dann bekommst du 11 Euro Fuffzig überwiesen. Das ist das Problem.

The-Pit.de: Die Änderungen des Marktes sozusagen...

Bernhard: ...die Abzocke des Marktes. Die großen Unternehmen wie YouTube und Google haben einfach erkannt, wie sie über die Masse Mikrobeträge auszahlen, aber Milliarden kassieren. Das ist ja ein Laden, da ist die Telekom ein Kiosk gegen. Die arbeiten weltweit, die haben teilweise mehr Marketingmacht als Staaten. Die stellen sich hin, zahlen kaum noch Steuern, hauen die Kohle raus, bekommen super viel Kohle, aber zahlen eben nichts aus. Die Macht haben sie, das machen zu können, und da ist keiner, den ich sehe, der das regulieren kann, weil jedes Land und jeder Staat auch gegeneinander arbeitet. Ich war gestern noch auf einer Geburtstagsparty, wo einer meinte, er könne ja alles auf YouTube runterziehen, aber die Gema sperre ja alles. Ich erfinde jetzt einfach mal eine Zahl, denn die genaue weiß ich nicht, aber die Gema hat, glaube ich, zwölf Titel gesperrt. YouTube aber nutzt das aus, um zu sagen, die Gema wäre Schuld. Die Gema hat faktisch ganz wenige Titel gesperrt, YouTube aber nimmt das auf und sagt das dann bei allen gesperrten Artikeln. Wir sperren teilweise ja auch Titel, wenn wir dann von irgendwelchen Islamisten benutzt werden und sie ihre Propaganda mit unserer Musik unterlegen, wenn man den lybischen Präsidenten auf einem Kamel durch die Wüste reiten sieht. Das sperren wir dann auch. Aber da steht dann trotzdem dabei, dass es in Deutschland wegen der Rechtsstreitigkeiten mit der Gema gesperrt sei. Dabei hat das mit dieser Sperrung gar nichts zu tun, das haben wir gesperrt.

The-Pit.de: Lass uns zur Jubiläumsfeier überschwenken. Ich war ja schon an dem Mittag da und habe eine erhöhte Nervosität festgestellt. War das anders als bei sonstigen Konzerten?

Bernhard: Ja, nicht nur viel, sondern ganz anders. Du musst dir vorstellen, wir haben das komplett selbst organisiert. Wir hatten die Idee mit den VIP-Gästen gehabt und wollten den Leuten mal die Möglichkeit bieten, schon vorher mal einen Soundcheck von Axxis anzugucken. Oder aber die Möglichkeit, den Gästen die Hände zu schütteln, die wir eingeladen haben, wie Doro oder den Hannes (Frontmann bei Kissin' Dynamite; Anm. d. Red), wenn sie denn mal auftauchen sollten. Wir haben ihnen aber auch Präsente überreicht, dafür haben wir extra zwei Mädels abgestellt. Da haben sie so ein bisschen die Luft schnuppern können, was bei uns vor dem Konzert passiert. Da hast du vollkommen recht, die Nervosität bei uns war schon sehr hoch, weil wir A eine dreieinhalb Stunden-Show vor der Brust hatten, ich persönlich hatte da schon ein bisschen Muffensausen, das irgendwie hinzukriegen. B dann auch die Frage, ob die Gäste denn alle pünktlich kommen und ob wir das alles hinbekommen. Oben war ja auch die Lesung mit dem Christian Krumm. Kriegen wir das hin, dass die Leute da auch hinkommen? Dann auch immer die große Frage der VIP-Leute: Die einen haben bezahlt, kommen sie dann auch hinten rein, können sie eine Currywurst essen usw.. Also tausend Sachen kommen auf uns zu und die kamen auch auf uns zu, aber als das Theater vorbei war, war das wie so „baah, geil, erledigt“. Die Spannung musste auch sein, damit du nach dem Konzert ein geiles Gefühl hast.

The-Pit.de: Überwiegt dann nach einem solch langen Tag die totale Erschöpfung oder die totale Euphorie?

Bernhard: Das ist schon beinahe wie eine Art Lethargie, wie früher. Ich musste immer zur Kirche gehen, um elf Uhr war immer Kirche in Lünen-Horstmar, und wenn ich nicht da war, hat Vater immer Theater gemacht, Mutter auch. Ich war immer schön in der Kirche und nachher hab ich immer gedacht: „Haaach, es ist vorbei, geil. Jetzt kann der Sonntag beginnen“. Es war für mich nicht unangenehm, aber der Kirchgang war auch nicht schön, ich hätte lieber um diese Zeit gepennt. Das lässt sich natürlich nicht mit dem Gefühl beim Konzert vergleichen, aber das Gefühl danach, wenn es erledigt war, war vergleichbar. Es war entspannt, relaxt, alles ist von dir abgefallen, die ganze Verantwortung, die da war, war auf einmal weg. Dann lässt es sich gemütlich ein Bierchen trinken.

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