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Avatarium im Interview (Dezember 2015)

Ein Ort für Halbgötter

Arbeitete auf dem aktuellen Longplayer fast nur mit Hammond- und Fender Rhodes-Sounds: Keyboarder Carl Westholm.

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The-Pit.de: Was könnt ihr zu den Texten sagen? „The Girl With The Raven Mask“ ist schon ein seltsamer Titel – wie ist Leif wohl darauf gekommen?

Jennie-Ann: (überlegt) Ich bin mir nicht sicher, ob man da zu viel hineininterpretieren sollte, denn es liegt mehr im Auge des Betrachters – oder besser: im Ohr des Betrachters – und genau das finde ich so toll an Leifs Texten: Sie sind poetisch und lassen viel Raum für eine eigene Interpretation, um zu fühlen und nachzudenken. Wenn es jetzt um den Titelsong selbst geht, kann ich nur meine eigenen Gedanken wiedergeben. Wenn ich das Stück singe, denke ich an Leute, die etwas vor sich selbst verbergen. Leute, die etwas erfahren haben, das sie nicht erfahren wollten. Eine ebenso häufige wie komplexe Angelegenheit; man fühlt jedenfalls: Oh, diese Person verbirgt etwas vor sich selbst, vielleicht auch vor mir. Meistens hat dies mit Scham und Schuld zu tun oder etwas ähnlichem, jedenfalls etwas, das dich daran hindert, einzugestehen oder auszusprechen was man durchgemacht hat.

Marcus: Ich sehe das ähnlich. Man fragt sich: „Was verbirgst du? Was befindet sich hinter dieser Maske?“ Ich weiß, Leif kam einfach mit der Idee an: „Was wäre, wenn da ein Mädchen mit einer Rabenmaske rumläuft? Wie wäre es damit? Wer wäre sie?“ – Und so fing das Ganze an. Aber das ist das Schöne an seinen Lyrics: Du kannst sie als kleine Geschichten lesen bzw. hören, aber auch viele unterschwellige Bedeutungen finden und deine eigene Interpretation daraus ziehen.

Jennie-Ann: Es gibt so viele Schichten.

The-Pit.de: Habt ihr irgendwelche favorisierten Songs?

Marcus: Für mich war jeder Song irgendwann mal mein Favorit – es ist jedes Mal ein anderer. Aber am meisten stolz bin ich wohl auf „Pearls And Coffins“, das ist, denke ich, schon ein ganz besonderer Track.

The-Pit.de: Schließlich noch ein unangenehmes Thema: Letzten Freitag waren ja diese furchtbaren Anschläge in Paris (das Interview fand am 19. November statt, also sechs Tage nach den Terrorattacken; Anm.d.Verf.), bei denen die meisten Opfer auf einem Konzert zu beklagen waren. Irgendwie hat man da ja ein komisches Gefühl als Konzertgänger oder Musiker. Wollt ihr dazu was sagen?

Jennie-Ann: Das hat bei uns schon zu gemischten Gefühlen geführt. Natürlich ist es unmöglich, auf Tour zu gehen und dabei nicht daran zu denken. Wir werden selbstverständlich davon beeinflusst. Und unsere Verwandten zu Hause vielleicht sogar noch mehr, da sie sich Sorgen machen. Aber wenn es darum geht, eine Entscheidung zu fällen… Diese schrecklichen Dinge, die… (denkt nach) sozusagen ein Angriff auf unsere Art zu leben darstellen… wenn man so etwas die Oberhand gewinnen lässt, dann haben wir ein wirkliches Problem. Man kann nicht leben und dabei sozusagen Angst haben zu leben. Musik machen ist das, was wir tun, und wenn wir Hoffnung, Liebe und gute Musik verbreiten können, indem wir auf Tour gehen, gerade auch direkt nach diesen entsetzlichen Vorfällen, dann ist das hoffentlich eine gute Sache.

Marcus: Die Sache ist im modernen Europa: Wir haben lange dafür gekämpft, dort zu sein, wo wir jetzt sind, und dann kommen welche und versuchen, uns 50 oder 100 Jahre oder was auch immer zurückzuwerfen – so empfinde ich das – und Paris ist eine von Europas bedeutendsten Städten. Es ist wirklich extrem beschämend und extrem schockierend, und es ist in der Tat sehr wichtig, sich nicht von diesen Leuten zurückwerfen zu lassen, sondern nach vorne zu schauen. Es gibt schließlich auch in unserem Land genügend Dinge, die wir verbessern müssen. Auch als Menschen, wir müssen menschlicher werden.

Ein gutes Schlusswort, auch wenn man über dieses Thema und die Ursachen für Terror noch lange diskutieren könnte. Es folgt noch ein kleiner Austausch über die beiden Vorbands sowie die Wichtigkeit von Glühwein auf deutschen Weihnachtsmärkten und die überraschende Enthüllung, dass Jennie-Ann das neue Avatarium-Album zum ersten Mal als physische Kopie in Händen hält, als der Autor es der Band zwecks Autogrammen weiterreicht. Wenig später folgt das Konzert, der Bericht kann hier gelesen werden.

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