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Attic im Interview (Oktober 2017)

Mehr konkret denn scheinheilig

Interviewpartner Gitarrist Katte

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Wenn man im Pott wohnt, dann läuft man einem Bandmitglied von Attic immer irgendwie über den W­eg und ist deswegen auch ständig auf dem Laufenden – daher passt es doch ganz gut, schnell mal einen Interviewtermin auf kurzem Dienstweg festgezurrt zu haben. Kurz vor der Releaseshow im Essener Turock nimmt sich Gitarrist Katte dann auch Zeit, um nun offiziell ein paar Fragen zu beantworten.

The-Pit.de: Natürlich müsst ihr euch am Anfang wohl überall den Vorwurf gefallen lassen, dass fünf Jahre zum zweiten Album zu lange sind, zumal zwischendurch immer Wasserstandsmeldungen durchsickerten, dass ihr dran arbeitet. Was hat denn die ganzen Verzögerungen verursacht?

Katte: Die Gründe sind eigentlich ganz unterschiedlich. Zum einen waren wir nach „The Invocation“ viel live unterwegs und haben uns deswegen eher auf die Gigs, Festivals und Touren vorbereitet und nicht so intensiv neues Material komponiert, dann hatten wir zwischendurch einen Drummerwechsel (2013 stieg Roman aus, J.P. kam neu hinzu; Am. d. Red.), was uns auch ziemlich viel Zeit gekostet hat. Den haben wir erst eingearbeitet und für das alte Liveset fit gemacht und letztendlich wollten wir natürlich auch ein gutes und rundes Album, mit dem wir sehr zufrieden sein können, welches jetzt mit über einer Stunde Spielzeit auch ziemlich lang geworden ist. Das braucht dann natürlich auch mehr Zeit, als wenn es nur vierzig Minuten geworden wären. Zu guter Letzt liegt es vielleicht auch daran, dass es ein Konzeptalbum geworden ist, wo alle Songs gerade auch textlich ineinander greifen müssen und man deswegen auch viele Songs parallel bearbeitet und nicht einfach einen Song fertigstellt und zum nächsten übergeht. So haben wir immer wieder viele Änderungen vorgenommen und uns viele Gedanken über Details gemacht. Eine ganze Palette an Gründen eigentlich.

The-Pit.de: Jetzt kann man natürlich Begriffe wie „reifer“ usw. in den Raum werfen, in meinen Ohren ist „Sanctimonious“ deutlich kompakter, die Songs greifen sehr gut ineinander über. Musikalisch spielt ihr noch deutlicher mit den 80er inspirierten Sounds wie Maiden oder King Diamond, baut aber eben wie in „There Is No God“ auch so manches an Black-Metal-Einflüssen ein. Wo kommen bei euch solche Inspirationen her? Ist das der Feinschliff von den Skandinavien-Touren?

Katte: Ich denke, dass es einfach auch daran liegt, dass wir Black-Metal-Fans sind und uns diesbezüglich beim Songwriting nicht großartig haben limitieren lassen. Wenn wir ein gutes Black-Metal-Riff haben oder eben vielleicht auch ein Doom-Riff, dann bauen wir es halt mit ein, wenn es im gesamten Duktus passt. Diesbezüglich ist das dann genauso ein Einfluss wie 80er Metal oder andere Subgenres.

The-Pit.de: Der Opener und Titeltrack kann sich ja auch nicht von den Schwarzwurzeleinflüssen freisprechen. Gab es denn noch andere Veränderung beim Entstehungsprozess?

Katte: Zum einen liegt es sicherlich auch an unserem neuen Drummer, wie zum Beispiel die Doublebass, die reinkickt, er ist eben auch mehr Black Metal-geprägt als unser alter Drummer. Der Opener muss natürlich auch gut reinkicken, sonst wäre es kein guter Opener. Was vielleicht mitunter auch ein Grund sein könnte, ist, dass als wir „The Invocation“ geschrieben haben, ich noch bei Erazer war, wo ich viele Black-Metal-Riffs eingebaut habe, weil es ja Black Thrash war. Wenn ich jetzt gute Black-Metal-Ideen habe und ich ja nicht mehr bei der anderen Band bin, kann ich die jetzt viel besser bei Attic einbauen, wo ich vorher noch abwägen musste, wo ich die nun unterbringe. Das kommt jetzt in meinem Fall wohl auch noch dazu, wobei auch viele gute Black-Metal-Sachen vom Robert sind. Die andere Sache ist das mit dem Konzept, da geht man die Songs einfach anders an. Wir wussten im Grunde schon, wo ein dynamischer Song kommt aufgrund der Story, woanders muss dann eine Ballade hin, weil die Story halt dahingehend kippt. Wir haben uns viel intensiver an der Geschichte orientiert, was das Songwriting angeht, was sich dann natürlich auch auf die Instrumente widergespiegelt hat.

The-Pit.de: Manchmal sind es auch Details, die ein Album einfach wertiger machen – so z.B. das Intro „Iudicium Dei“, was einfach nach sattem Orgelsound klingt. Waren euch solche Dinge im Gesamtkonzept eben auch wichtig, darauf aufgrund der gesammelten Erfahrung euren Fokus zu legen?

Katte: Was die Intros angeht, wo wir was gemacht haben, das verrate ich nicht. Allein der Sound, der sich verbessert hat, ist eine gute Neuerung, bei den Intros, aber auch bei allen Instrumenten. Aufgrund der Story haben wir auch textliche Elemente in die Intros eingebaut, wo ein bisschen Storytelling passiert oder auch ein bisschen drüber gesungen wird wie „The Hound Of Heaven“. Das sind einfach solche Details, die wir ausprobiert haben, wo wir schauen wollten, ob es funktioniert, wie es funktioniert. In den Fällen, die auf dem Album zu hören sind, hat es gut geklappt, in anderen Fällen dann nicht.

The-Pit.de: Das Artwork an sich wirkt ja erst einmal wenig bedrohlich, erst im Zusammenhang mit der Geschichte auf dem Album selbst bekommt es eine andere Färbung. Was kannst du uns zur Umsetzung berichten?

Katte: Beim Coverartwork haben wir dieses Mal ziemlich genaue Vorgaben gemacht. Das letzte Mal eigentlich auch, dieses Mal aber deutlich mehr, haben im Entstehungsprozess auch viele Änderungen verlangt. Es sollte auch die Diskrepanz zwischen dem inhaltlich Bedrohlichen und dem Artwork sein, dass es erst einmal recht freundlich und hell wirkt und erst auf den zweiten Blick bedrohlich, wenn man guckt, was da genau passiert und sich dann vielleicht auch mit den Songs und der Story auseinandersetzt. Es sollte also nicht alles direkt aufs Auge gedrückt werden, sondern einen starken Kontrast ergeben. Und natürlich auch einen Kontrast zum Debütalbum, welches sehr dunkel gehalten war, viel eigentlich nur mit Kerzenlicht. Da ging es auch sehr stark um die Kontraste.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“