Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ahab im Interview (Juli 2012)

Kein Zufallstreffer

Der zweite Gitarrist Christian Hector ist vor allem für das Konzeptuelle verantwortlich

Zum Thema

The-Pit.de: Allerdings. Mittlerweile werdet ihr – zu Recht – doch ziemlich abgefeiert. Aber wie kam es zu den nautischen Themen? Habt ihr Seefahrer in euren Familien?

Daniel: Nein, nein, überhaupt nicht. Das kam mehr oder weniger zufällig; das Interesse an dem Thema haben Chris und ich generell beide und am Anfang war es so, dass ich in dem kleinen Heimstudio unseres ehemaligen Bassisten, wo wir unsere erste Platte und unsere Demos aufgenommen haben, irgendwann mal, als ich mit ihm zusammen Musik gemacht habe, gesagt habe, dass ich kurz mal was alleine aufnehmen möchte, und heraus kam da letztlich „The Stream“. Ich hatte da aber noch kein spezifisches Thema wie Kapitän Ahab oder so im Hinterkopf, sondern einfach nur einen Doom-Song geschrieben, der über zwölf, dreizehn Minuten ging und als thematischen Hintergrund das Meer und die Stimmung drum herum hatte, allerdings nicht speziell auf Lektüre gemünzt war. Unabhängig davon hatte Chris die Idee ausgeheckt, eine Doom-Band zu gründen, die Ahab heißt, und eine Platte über Moby Dick zu machen. Damit hatte er also schon die Background-Idee gehabt, ich hatte bereits einen Song geschrieben, den habe ich ihm vorgespielt und da meinte er: „Ja, cool, lass uns das doch zusammen machen“ – so ist das Ganze entstanden. Das Witzige hierbei war, dass es von beiden Seiten angefangen hat, wir haben telefoniert und es stellte sich heraus, dass wir quasi die gleiche Idee hatten – ich mehr, was das Musikalische angeht und er, was das Konzeptuelle betrifft, und so hat sich das wunderbar ergänzt.

The-Pit.de: Man merkt eine deutliche Entwicklung, wenn man sich die drei Alben hintereinander zu Gemüte führt. Die zweite Scheibe unterscheidet sich vor allem vom Sound deutlich von der ersten, während auf der neuen weitaus mehr gemäßigtere Passagen auftauchen und besonders die Gitarrenarbeit sehr viel ausgefeilter ist. In meinem Review habe ich euch als die „Opeth des Funeral Doom“ bezeichnet – kannst du damit leben?

Daniel: Sagen wir teils-teils. Im Prinzip kann ich damit leben, weil Opeth eine gute Band sind – auch wenn ich die Neue jetzt nicht so prall fand, aber alles davor war schon toll und Åkerfeldt ist ein sehr guter Gitarrist; allerdings ist die Frage dabei immer, wie du so etwas betrachtest, denn meiner Meinung nach ist auf „The Giant“ nicht mehr viel Funeral Doom dabei. Bei der ersten Platte war es noch eine Mischung aus Funeral- und Death-Doom, denn das war die einzige Platte, wo wir uns tatsächlich hingesetzt und gesagt haben, wir wollen jetzt mit Funeral-Doom-Elementen ein Album über Moby Dick schreiben. Da stand richtig dieser Plan dahinter, bei der zweiten Platte war das schon ganz anders. Und bei der neuen sind hier und da vielleicht noch ein paar Fünkchen davon da, aber trotzdem - schon bei der zweiten kamen ein paar Hardliner an und meinten, das sei ja gar kein Funeral Doom mehr – nur, es hat ja auch niemand behauptet, dass es welcher wäre. Von daher wäre jetzt auch beim neuen Album die Frage, ob es überhaupt welcher ist. Wir haben immer „Nautik Doom“ gesagt, damit wir quasi unsere eigene Schiene haben und niemand reinmeckern kann (lacht) und zum textlichen Konzept passt es eben auch. Oder sagt man jetzt, es handelt sich um die kompletteste Funeral-Doom-Scheibe aller Zeiten, obwohl es das eigentlich gar nicht ist, weil zu wenig Elemente in dieser Richtung vorhanden sind?

The-Pit.de: Ehrlich gesagt, der große Experte in dieser Musikrichtung bin ich jetzt auch nicht. Ich finde aber, dass es vom Feeling und der Atmosphäre her noch in diese Richtung geht, obwohl mehr ruhigere und clean gesungene Passagen dabei sind. Letzteres dürfte sich bei euch einfach so ergeben haben und war gewiss nicht geplant.

Daniel: Nein, gar nicht. Der Grundsound hat sich mit der Zeit geändert, weil sich natürlich auch die persönlichen Geschmäcker irgendwie geändert haben und weil sich auch die textliche Vorlage geändert hat. Dadurch muss sich auch die Musik deutlich ändern, denn wenn wir jetzt noch zwei weitere Alben gemacht hätten, die wie das erste klingen, wäre das wahrscheinlich erstens in die Hose gegangen und zweitens nicht authentisch gewesen, weil es dann nicht geheißen hätte, „Die haben das mit Moby Dick gut hinbekommen“, sondern „Die können nicht anders, das war ein Zufallstreffer“. Insofern muss sich von Scheibe zu Scheibe etwas tun, und ich denke, dass jede neue Platte immer so eine Mischung aus dem aktuellen Musikgeschmack, der dann durch die textliche Vorlage sozusagen in Form gebracht wird, bietet. So ist das auch diesmal entstanden. Vieles hat sich im Proberaum entwickelt: Fetzen, die wir zu Hause aufgenommen haben, wurden dann mitgenommen und ausgearbeitet. Vieles ist aus sich selbst heraus gewachsen, es war nicht so, dass wir von Vornherein gesagt hätten, es muss jetzt in die und die Richtung gehen; meinetwegen wie bei „Antarctica“, das teilweise ein bisschen in die Postrock-Ecke geht – das hat sich alles einfach so entwickelt.

Seite
comments powered by Disqus

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin