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Thorngoth: Leere
Ein großer Schritt nach vorn
| Bewertung: | 8.5 von 10 Punkten |
| Release: | 26.06.2010 |
| Genre: | Black Metal |
| Spielzeit: | 44:17 |
| Label: | Folter Records |
Tracklist
1. Leere I2. Leere II (Tipp)
3. Leere III (Tipp)
4. Leere IV
5. In der Leere
6. Leere V (Tipp)
7. Leere VI
8. Leere VII
9. Leere VIII
Kann man sich heute noch als relativ junge Band einen festen Platz in der Black-Metal-Szene erspielen, ohne allzu tiefgreifende Experimente zu wagen? Meistens gelingt es nur besonders zähen Formationen, die über Jahre Veröffentlichungen auf hohem Niveau auf den Markt werfen, nicht in der grauen Masse unterzugehen. Tatsächlich liefern Thorngoth mit ihrem neuen Longplayer „Leere“ jedoch allen Grund zur Annahme, dass dies auch ohne übermäßige Wartezeit möglich sein sollte, denn nur selten schleicht sich beim Hörer so sehr das Gefühl ein, dieser Sound gehöre einfach zu der Band.
Dabei ist das grundlegende Rezept der Musik gar nicht allzu außergewöhnlich, denn geboten wird lediglich melodischer, aber sehr finsterer Black Metal, der sich durch seine sehr eigene Melodieführung allerdings deutlich von anderen Genre-Vertretern abhebt. Ohne etwas völlig Neues zu erschaffen, ist es Thorngoth gelungen, auf „Leere“ durchgängig einen sehr charakteristischen Sound beizubehalten, der das Album zu einem recht frischen Hörerlebnis macht. Zwar wurde der auf dem Vorgänger „Rauhnacht“ gespielte Black Metal, der zwischen schnellen und etwas gemäßigteren Passagen pendelte und von rauen Screams und Growls begleitet wurde, größtenteils beibehalten, aber die Veränderungen finden sich im Detail: Die Melodien und Riffs sind noch ausgefeilter geworden, die Drumsalven noch eine Spur präziser und auch kleinere Experimente wie Doom-inspirierte Passagen oder an angedeuteten Klargesang wagt man sich heran. Deutlich auffälliger hingegen ist die seit dem letzten Werk deutlich verbesserte Produktion, die modernsten Standards genügt, ohne die kalte Atmosphäre der Vorgänger außen vorzulassen.
Mit „I“ wird man schon zu Anfang der Leere von einem donnernden Blastbeat und aggressiven Vocals empfangen, doch fast schon geisterhaft weben sich einprägsame Melodien aus der Härte. Auch in „II“ gelingt dieser Spagat zwischen Härte in Melodie hervorragend. Die Wechsel zwischen den Riffs, die stellenweise erstaunlich heavy klingen, gehen wunderbar flüssig von der Hand, auch der plötzliche Einsatz von monotonem, beschwörendem Klargesang wirkt keineswegs aufgesetzt und fügt sich optimal in die düstere Atmosphäre ein. Ebenso abwechslungsreich gibt sich „III“: Auf den schleppenden Beginn folgen einige sehr interessante Rythmen, die mit ausgeklügeltem Riffing kombiniert werden, auch eine ruhige, gesprochene Passage gibt es wieder zu hören.
Von ihrer zweiten Hälfte wird die „Leere“ durch das Ambient-artige Interlude „In der Leere“ getrennt, das die finstere Stimmung gekonnt aufrechterhält. Nachfolgend präsentieren Thorngoth eines der beeindruckendsten Stücke auf dem Album: „V“ lässt ein mächtiges, schwerfälliges Riff auf den Hörer los, das perfekt zu dem dramatischen Song passt, der nicht zuletzt durch die eingesetzten Chöre einen epischen Charakter erhält. Während in dem ansonsten eher schnellen Stück „VI“ in einem ruhigen Part erneut der tiefe Klargesang zum Einsatz kommt, gibt sich „VII“ kompromisslos treibend. Beendet wird das Werk mit „VIII“. Die Stimmung ist hier noch eine Spur kälter und verzweifelter als auf den übrigen Songs, jedoch lässt überraschenderweise ein besinnliches, gelungenes Akustik-Outro das Ganze ausklingen.
Mit „Leere“ präsentieren sich Thorngoth im Vergleich zu vergangenen Releases noch ein deutliches Stück gereifter, sowohl was das Songwriting als auch die technischen Fähigkeiten der Musiker angeht. Obwohl einige Experimente gewagt werden, wird doch am bandeigenen Sound festgehalten und dieser noch ausgeweitet, so dass das Quintett sich mit ihren ungewöhnlichen, aber doch einprägsamen Melodien und Riffs eine ganz eigene Identität erspielen kann. Wer ein Faible für atmosphärischen und melodiösen, aber nichtsdestotrotz pechschwarzen Black Metal hat, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn ohne Frage gelingt Thorngoth mit „Leere“ eines der bisherigen Highlights in diesem Jahr aus diesem Bereich.
Erik Voeckler



















