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Savage Circus: Of Doom And Death

Da müssen sich Blind Guardian anno 2009 aber ganz warm anziehen


Savage Circus: Of Doom And Death

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Bewertung: 9.5 von 10 Punkten
Release: 23.10.2009
Genre: Progressive Power Metal
Spielzeit: 57:54
Label: Dockyard 2

Tracklist

1. Of Doom And Death (Tipp)
2. The Ordeal (Tipp)
3. Devil`s Spawn
4. Chasing The Rainbow (Tipp)
5. Empire (Tipp)
6. Ballad Of Susan
7. Legend Of Leto II
8. From The Ashes (Tipp)
9. Dreamland

Savage Circus melden sich nach vier Jahren mit einem neuen Studioalbum zurück. Die Band, die von Ex-Blind Guardian-Drummer Thomen Stauch gegründet wurde, muss ja inzwischen ohne den Felleverdrescher auskommen. Gesundheitliche Probleme, die ihn auch schon früher zu Zwangspausen gezwungen hatten, ließen ihn nun die Segel streichen. Hoffentlich kommt er nochmal auf die Beine. Trotzdem wollen wir uns nun dem neuen Werk widmen, wird Savage Circus weiterhin den sehr ähnlichen Blind Guardian Stil weiter zocken oder war das hauptsächlich Thomens Einfluss?

Ein Blick auf die Spielzeitangaben der neun Songs verrät, dass es wohl ein opulentes Mahl geben wird, bis auf den kurzen Rausschmeißer bewegen sich alle Songs zwischen fünfeinhalb und acht Minuten. Mit großen Erwartungen wird die CD in den CD-Player Schlund geschoben und ein kleines Eingangsgeplänkel erklingt. Doch bevor man sich Sorgen machen kann, knallen auch schon Emil Norbergs (Persuader) und Piet Sielcks (Iron Savior) Gitarren durch die Lautsprechermembranen. Wow, welch ein Einstieg von „Of Doom And Death“. Bester Metal á la Blind Guardian sorgt für richtige Glücksgefühle beim Rezensenten. Da, wo die Blinden Beschützer mit  "Imaginations From The Other Side" aufgehört haben, machen Savage Circus weiter. Dies ist natürlich auch ein Verdienst von Sänger Jens Carlsson Persuader, der zusätzlich für Blind Guardian-Kompatibilität sorgt. So knallt die Ursprungsband von Thomen schon lang nicht mehr. Fans der alten, kraftvolleren und nicht zu überladenen Band müssen hier allein wegen des ersten Songs schon zuschlagen. Der Schädel fliegt unweigerlich vor und zurück, die Band gibt Gas, ohne aber einen gewissen progressiven Flair zu vernachlässigen. Man gröhlt den Refrain schon beim zweiten Durchlauf mit, so dass auch der Adrenalinspiegel in der Nachbarwohnung wieder mächtig steigt.

Wenn das auch nur annähernd so weiter gehen würde, dann stünde dem Hörer eine Sternstunde des Power Metals bevor. „The Ordeak“ weist dann genau dieselben Attribute auf. Sehr starkes Drumspiel von Thomen-Ersatz Mike Terrana (Masterplan, Tarja, Axel Rudi Pell). Dazu der prägnante kräftige Bass von Yenz Leonhardt (Stormwarrior, Iron Saviour, Lacrimosa). Ein wirklich gelungenes Stück Metal aus deutschen Landen. Tolles Songwriting, gepaart mit spielerisch höchstem Niveau sorgt dafür, dass die komplexen Stücke nicht zu kompliziert werden, für den beiläufigen Hörer aber dennoch auch beim fünfzehnten Durchlauf immer noch nicht in Langeweile ausarten.

„Devil`s Spawn“ beginnt mit emulierten Klavier, bevor dann recht unheilvoll die Gitarren mit ihrer Power dafür sorgen das hier Kraftvoll weiter gezockt wird. Zügig wird der Nackenmuskel weiter angeregt, auch wenn gerade beim Refrain der sonst deutlicher hervortretende tolle Blind Guardian-Charme etwas kürzer kommt.

Den nun eingeschlagenen Weg führt die Band dann auch mit „Chasing The Rainbow“ weiter, durch den etwas anders eingesetzten Gesang entfernt man sich ein ganz kleines Bisschen von dem Vorbild und kreiert so einen eigenständigeren Gesamtsound, auch wenn man musikalisch dieselben Wege beschreitet. Fast schon ein wenig heroisch hämmert man sich im zügigen Tempo mit diversen progressiven Einflüssen durch den Song. Hohe Kunst mit einzelnen Mitgröhlparts.

„Empire“ ist dann mit seinen sieben Minuten und 31 Sekunden der längste Song des Albums. Er beginnt recht befremdlich mit elektronischen Klängen, bevor natürlich die exzellenten Gitarren wieder Fahrt aufnehmen. Unglaublich, welch Songwriterkönnen hier an den Tag gelegt wird. Der Song klingt positiv ausgedrückt etwas gehetzt. Die dicken Blind Guardian-Chöre und die Altmeister müssten sich wieder warm anziehen. Ich bin mir nicht allzu sicher, was auf einer gemeinsamen Tour passieren würde. Wie schon bei der Helloween / Gamma Ray-Tour im letzten Jahr könnte es auch hier hin und wieder einen Punktsieg für den Opener geben. Was wäre das für ein Fest … diese beiden Band gemeinsam auf Tour und danach zwei Wochen gelben Schein wegen Schleudertrauma!

„Ballad Of Susan“ ist dann endlich die dringend benötigte Regenerationspause für die Nackenmuskulatur. Eine Ballade mit viel Kuschel und Schunkel-Charakter. Eigentlich ein tolles Stück, aber wer seit 16 Jahren auf ein ebenbürtiges Nachfolge-Album zu "Imaginations From The Other Side" gewartet hat, will hier keine Pause, auch wenn es weh tut. Trotzdem ein wirklich gutes Stück. Einzelne Arrangements erinnern teilweise sogar an Queen, da wird plötzlich der Powerergler nach oben geschoben, sehr unerwartete Instrumentalisierungen eingeschoben, die Breaks eher ungewöhnlich in den Song eingebettet. Ganz klar ein kompositorisches Highlight. Es folgt quasi eine Überraschung der anderen.

„Legend Of Leto II“ donnert dann wieder in altgewohnter und geliebter Power Metal-Manier daher, ohne aber immer wieder das Tempo und die Melodie zu variieren. Diese Band macht einfach nur Spaß und wird die Fans des Genres wohl mehr als nur erfreuen. Auch wenn man nicht mehr ganz an die beiden Eröffnungsstücke heranreicht, so spielt man hier nicht in der 2. Liga oder in der Bundesliga, das hier hat Champions League-Niveau.

Da kann „ From The Ashes“ noch mal einen drauflegen, denn der Song ist deutlich mehr mit Mitsing-Refrain ausgestattet, ohne dabei an Power zu verlieren. Der Song brennt sich förmlich in die Gehirnrinde ein und sorgt für immer wiederkehrende Summ und Sing-Attacken beim Hörer, auch wenn gerade keine oder ganz andere Musik läuft. Was soll da denn noch beim dritten Album kommen?

Und wie man befürchten musste, kommt dann mit „Dreamland“ auch schon der Rausschmeißer, ein Blick auf die Uhr lässt nur Verwunderung zurück. Gute 57 Minuten dauert das Album, aber das bekommt man eigentlich gar nicht so recht mit, denn die Mucke ist einfach zu aufregend gut. Langeweile? Nein, die gibt’s hier bestimmt nicht. Das eher sanfte Schlussinstrumental sorgt zumindest dafür, dass man wieder ein wenig runterkommt, aber das funktioniert eigentlich nicht wirklich, da der Zeigefinger wie von einer unheimlichen, bedrohlichen Macht zum Repeat-Knopf gezogen wird. Keine schlechte Nummer, braucht man aber auf diesem Hammer-Album nicht.

Fazit: Ein mehr als gelungenes Album, welches aber doch für Gesundheitsrisiken sorgen könnte. Die Fans von Blind Guardian aus der "Imaginations From The Other Side"-Phase sind nun locker 16 Jahre älter, ob die noch die Nackenmuskulatur haben, um dieses Album unbeschadet durchzustehen? Klar, und wenn nicht, ist dies das perfekte Aufbautraining dafür. Ein doch eher unerwartetes Highlight des sich langsam zum Ende neigenden Jahres. Ich hätte der Band ehrlich gesagt nach dem Weggang des Drummers nicht solch ein Album zugetraut. Hut ab, wir sehen uns auf Tour, denn nach dieser Pflichtkauf-CD muss man sich das ganze natürlich auch live zu Gemüte führen.

03.10.2009 11:15 | Alter: 3 Jahr(e)
Frank Heise

Savage Circus-Infodienst

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