Ruins im Interview (November 2009)
"Ruins härtet ab und ermutigt, stärkt und reinigt - immer in der Nähe des Todes."
Seit 2002 versorgt uns nun schon die zweiköpfige Band Ruins aus dem fernen Australien mit harten Black-Metal-Klängen. Das Release ihres neuen Albums „Front The Final Foes“ nahmen wir zum Anlass, den Frontmann Alex Pope um ein Interview zu bitten - und wie man im Folgenden sehen wird, hatte er auch einiges zu erzählen. Da kamen wir wohl genau richtig.
The-Pit.de: Hallo Alex, wie geht es dir und Dave gerade? Was treibt ihr zurzeit?
Alex: Nun ja, wir leben zurzeit nicht in derselben Stadt, sogar nicht einmal im selben Staat, deswegen sind wir nicht oft zusammen, aber wenn wir uns sehen, arbeiten wir immer an allem Möglichen, was die Band betrifft. Ich habe immer etwas zu tun, wenn ich nicht mit Dave oder Joe zusammenkommen kann, aber ich habe auch auf jeden Fall etwas zu tun, wenn ich mit einem oder beiden von ihnen zusammentreffe. Ich versuche, das Beste aus der Zeit zu machen, die ich habe. Außerdem habe ich viele Dinge in verschiedener Hinsicht ausgebaut, zum Beispiel die unterschiedlichen Phasen bezüglich unserer gemeinsamen oder getrennten Zeit oder die Etappen während der Produktion von neuem Material oder das Einstudieren für die Performance sowie die grundlegenden Bereiche: das Erschaffen, das Anordnen und den ganzen Ablauf. Auf irgendeiner Ebene passiert immer gerade etwas. Irgendwelche Dinge gehen immer gerade voran.
The-Pit.de: Wie lief „Front The Final Foes“ bisher an? Gibt es schon erste Feedbacks?
Alex: Das Album ist schon seit Juni in Australien zu haben. Wir sind dort getourt, um es passend dazu zu promoten und es scheint gut angenommen worden zu sein. Ich traue nur den Kommentaren von wenigen Leuten wirklich. Ehrlich gesagt, bei den meisten Leuten ist es mir egal, ob sie darauf abfahren oder nicht. Einige Freunde stehen mehr auf den alten Kram als auf den neuen, bei anderen ist es anders herum. Ich denke, die Leute, die mich am besten kennen, verstehen auch am besten, wo ich mich gerade in meiner persönlichen Entwicklung und der Weiterentwicklung der Band befinde.
The-Pit.de: Leider lag mir kein Songtext-Material von euch vor. Kannst du mir etwas darüber erzählen? Gibt es eine Kernaussage?
Alex: Es scheint generell immer ein zentrales Thema zu geben, in das die Band eintaucht – nicht nur speziell bei diesem Album. Ich sehe die Alben gerne als eine Entwicklung unserer veränderten Ansichten, die sich durch diese Band entwickelt haben. Die Band hilft uns gewöhnlich, zu rekapitulieren, um dadurch vollständig diese Welt voller Magie zu erfassen. Wir versuchen mit Hilfe der Band die Welt für uns greifbar zu machen, genauso wie jeder andere dies auch versucht, um seine magischen Erfahrungen zu begreifen. Gleichzeitig ist die Band selbst ein Teil des magischen Ganzen und innerhalb dessen ist es die Aufgabe für einen Krieger…Ruins’ Musik ist wild, ursprünglich, brutal, aber manchmal auch beruhigend. Sie ist reinigend.
Gewissermaßen dreht es sich bei ihr um Zerstörung, aber von einem anderen Blickwinkel aus geht es genau um das Gegenteil - sie ist ermutigend. Die Musik von Ruins ist dazu da, stark zu werden, um abzuhärten. Wir pflegen kriegerische Ansichten zu vertreten. Manchmal entwickelt sich das in die Ansicht eines Magiers, aber in erste Linie ist die Ansicht eines Kriegers grundlegender.
Ruins steht für Stärke. Wir versuchen uns selber von Schwäche frei zu machen, dadurch ist die Musik manchmal sogar total aufmunternd. Dem wahren Krieger ist es eine Freude, das Selbstmitleid, das durch Missmutigkeit verursacht wird, niederzuschlagen. Auf eine Art beschreibt unsere Musik diese Veränderung. Das ist der Grundgedanke, um den es bei uns geht. Daher spielt Dynamik bei uns eine große Rolle: in der Musik, im Tempo, im Rhythmus, in den Melodien… Mit der Dynamik verdeutlichen wir die verschiedenen Stimmungen. Ruins identifiziert sich mit einem Ort, an dem es kein Mitleid gibt und an diesem Ort wollen wir bleiben, trotz der Ergründung verschiedener Gefühle und Ideen. Wir sind immer in der Nähe des Todes.
Unser Album „Front The Final Foes“ behandelt noch genauer den klassischen Feind, dem jeder Mensch ins Auge sehen muss. Hierbei geht es natürlich darum, selbst sein größter Feind zu sein. In einem gewissen Maße sind die Feinde in uns selbst, aber dies hängt davon ab, ob du dir deiner völlig bewusst bist oder nicht. Wir möchten, dass unsere Lyrics von verschiedenen Winkeln aus interpretiert werden können. Sie sind kryptisch, aber ihnen wohnt eine Bedeutung inne, die persönlich oder allgemein aufgefasst werden kann. Das hängt davon ab, ob sie als/vom Mikrokosmos oder als Makrokosmos [Bezug zu der Kabbala. Nach deren Lehre wird der Mensch als Mikrokosmos dargestellt, der nach dem Ebenbild des göttlichen Makrokosmos’ geschaffen wurde. – Anm. d. Red.] aufgefasst werden, nehme ich an.





