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Freitag, 12. März 2010
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Fäulnis im Interview (Dezember 2009)

Über den Wahnsinn des alltäglichen Lebensgraus und unspektakuläres Vergammeln unter der Erde

Die Musiker von Fäulnis

Die Musiker von Fäulnis

Dass solche Musik, wie sie Fäulnis zelebrieren, polarisiert, ist klar. Klar ist aber auch, dass sich die Band mit ihrem aktuellen Werk „Gehirn Zwischen Wahn Und Sinn“ (Review) etwas absolut Eigenständiges geschaffen hat, das sich in einer so schnell wohl nicht zu kopierenden Nische quasi ein eigenes Genre erschaffen hat. Darüber und über die Gefühle, die Seuche und seine Mitstreiter zu diesen Stücken bewogen haben, haben wir den Kopf der Band genauer befragt.

 

The-Pit.de: Hey Seuche! Erstmal danke für euer unglaublich intensives und beeindruckendes Album „Gehirn Zwischen Wahn Und Sinn“. Wie stehen die Dinge sonst so?

Seuche: Vielen Dank für deine Worte und das ausführliche Review! Schön zu hören, wenn sich Personen die Zeit nehmen, sich so sehr mit der eigenen Musik auseinandersetzen. Sonst stehen die Dinge... ja, ganz gut, eigentlich. Es wird allerdings kalt draußen.

 

The-Pit.de: Was habt ihr bislang an Reaktionen bekommen für euer neues Album und was haltet ihr von denselbigen?

Seuche: Bislang waren die meisten Reaktionen positiv bis sehr positiv. Erkennbar ist auf jeden Fall ein gewisser Trend, dass die Reaktionen entweder wirklich gut oder schlichtweg uninteressiert wirken. Wirklich polarisieren tut „Gehirn zwischen Wahn und Sinn“ eben in Bezug auf das inhaltliche Thema. Das Album, wie Fäulnis insgesamt, ist nun einmal stark emotional geprägt und beschäftigt sich im Zuge dessen ausschließlich mit negativen Erfahrungen und Erlebnissen. Sich diesem zu öffnen, ist natürlich nicht jedermanns Sache, so dass dem Ganzen durchaus schon negativ begegnet wurde. Emo-Scheiße halt... Was immer mal wieder negativ bewertet wird, ist die aufkommende Monotonie.

Irgendwie ein schwachsinniger Vorwurf, wo sich das Album ja genau mit der alltäglichen grauen Monotonie beschäftigt. Ich habe mich beim Komponieren darauf konzentriert, ein Gefühl zu transportieren, nicht damit, eine einstündige abwechslungsreiche Hitsingle zu schreiben. Wie eingangs erwähnt, ich bin sehr angetan von den vielen positiven Reaktionen, kann aber nicht erwarten, mit einer Scheibe wie dieser überall auf Anerkennung zu stoßen, dafür ist sie zu eigensinnig – genau der reinen Bedeutung dieses Wortes nach. Und das ist auch gut so!

 

The-Pit.de: Bei mir weckt „Gehirn Zwischen Wahn Und Sinn“ starke Assoziationen an Wahnsinn, an Verzweiflung und Vergänglichkeit. Wie kommt's? Sind das von euch persönlich gemachte Erfahrungen, die ihr da vertont?

Seuche: Alles, was Fäulnis ist, entspringt meinen Erfahrungen und Erlebnissen. Ich bin sogar geradezu bemüht, authentisch und nachvollziehbar zu vermitteln. Im Rahmen dieses zweiten Teils der Trilogie, mit der sich Fäulnis beschäftigt, ist es der Wahnsinn des alltäglichen Lebensgrau, welcher vertont werden sollte.

 

The-Pit.de: In „MorgenGrauen“ habt ihr genau das vertont, was ich auch schon empfunden habe: Dass man sich in einer gesichtslosen, kalten Welt unglaublich verloren fühlen kann. Habe ich das zu individuell interpretiert oder was war euer Ansporn für dieses Stück?

Seuche: Nein, „MorgenGrauen“, vielmehr eine Art Intro, beschreibt genau das empfundene Gefühl, welches auf dem ganzen Album als Oberthema herrscht. Dem nun vorliegenden Ergebnis liegen sehr viele verworfene Konzepte zugrunde, die meisten rankten sich viel mehr um eine Art Geschichte und hätten nur metaphorisch - wie schon auf „Cholerik“ - beschrieben, was auf „Gehirn Zwischen Wahn Und Sinn“ nun sehr unverblümt erzählt wird. Auf den Punkt gebracht, es beschreibt die empfundene Isolation in der Großstadt und sicher auch, wie du geschrieben hast, ein Gefühl von Verlorenheit... zwischen langen Gängen, Fahrstühlen, grauem Himmel und dreckigen Gassen.

 

The-Pit.de: Gerade zum Ende hin kommt man bei „Weltuntergang Folgt“ schon ziemlich ins Nachdenken über die Situation des eigenen Ichs, der Welt im Allgemeinen und überhaupt. Genau das war es, was ihr damit bezwecken wolltet, nämlich dass man ans Überlegen kommt, oder?

Seuche: Ja... Du machst es mir schwer, ein Interview zu beantworten, wenn Du die Fragen schon alle selbst beantwortest, wertes Fräulein! Also einfach ein paar Hintergrundinformationen, um Dich nicht kurzsilbig abzuspeisen: „Weltuntergang folgt“ war das erste fertige Stück auf dem Album und ein letztes Überbleibsel aus dem Versuch, geradlinigen Black Metal zu machen. Ich finde auch, dass das Stück auf dem Album am meisten aus dem Rahmen fällt. Irgendwie gefiel es mir, ein Album mit etwas zu beenden, was eigentlich einmal der Anfang von allem war. Die Keyboardspur stammte noch aus der gleichen Zeit und wurde unverändert übernommen.

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