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Freitag, 03. September 2010
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Red Descending im Interview (Dezember 2008)

"Keine Regeln sind die besten."

Ende des letzten Jahres haben die Australier von Red Descending mit ihrer Debutscheibe ein erstes Lebenszeichen von sich gegeben. Sänger Bernard stellte sich unserer Redaktion und stillte den angesammelten Wissensdurst.

Sänger Bernard stand uns Rede und Antwort.
Sänger Bernard stand uns Rede und Antwort.

The-Pit.de: Hey Bernard! Super, dass du dir Zeit nimmst, ein paar Fragen für unsere Leser zu beantworten. Wie geht´s dir down under in Australien? 

Bernard: Hey Dani, hey The Pit, mir geht's sehr gut, danke der Nachfrage! Hier in Australien ist es jetzt Sommer, aber warm ist es immer noch nicht. Jetzt im Dezember regnet es immer noch, wo es normalerweise 40 C° haben sollte.
Die globale Erwärmung schlägt auch hier zu…

 

The-Pit.de: Lass mich dir erstmal zu eurer großartigen Debutscheibe “Where Dreams Come To Die” gratulieren, die bei uns auch grandiose neun von zehn Punkten abstauben konnte.
Wie waren die bisherigen Reaktionen auf eure Scheibe?

Bernard: Ich danke euch für das großartige Review. 
Positives Feedback haben wir aus der ganzen Welt bekommen, besonders aber aus Deutschland. Tatsächlich bekamen wir aus Deutschland viel mehr Feedback als hier aus Australien. Ich denke, das liegt daran, dass die Europäer schneller darin sind, neue Musik kennen zu lernen, besonders im Bereich Metal.

 

The-Pit.de: Zu Beginn des Interviews möchte ich dich bitten, etwas Licht in das Dunkel der Entstehung von Red Descending zu bringen.
Wer hat die Band gegründet und wie ist euer Line-Up zu dem derzeit aktuellen gewachsen? 

Bernard: Ganz zu Beginn hat Ian, unser Gitarrist und Haupt-Songwriter Jeremy und mir ein paar Riffs vorgespielt, die er zuvor aufgenommen hatte. Darin sahen wir das massive Potenzial, eine Metal-Band zu gründen. 
Wir besuchten dieselbe High School und wohnten im selben Stadtteil, sodass es immer einfach war, uns zum Jammen zu treffen. Nach ein paar notwendigen Line-Up-Wechseln haben wir eine Kombination gefunden, die gut zusammen passt. 
Wir können es gar nicht abwarten, neue Songs zu schreiben, um sie der Welt zu präsentieren.

 

The-Pit.de: Wie kam es denn dazu, dass all diese verschiedenen Genres wie Industrial, Dark Metal, Gothic Metal, Melodic Death und sogar Pagan Metal ihren Weg in eure Musik gefunden haben und sie so derart zu etwas Einzigartigem machen?
Hat da jeder von euch seine persönlichen Lieblingsgenres und bringt sie dann in eure Songs mit ein? 

Bernard: Jeder von uns liebt diese Vielfältigkeit, die das Metal-Genre offenbart. 
Ich denke, jeder von uns hört all diese verschiedenen Genres, der eine hiervon mehr, der andere davon weniger. 
Momentan höre ich zum Beispiel ziemlich viel Pagan Metal, wo ich von Ian und Cabba drauf aufmerksam gemacht worden bin. Daher muss ich mir derzeit einfach jeden Tag Arkona und Turisas anhören.  
Jimmy hat eher den Industrial Background, daher steuert er dann auch interessant klingende elektronische Elemente für die Songs bei. Unser Drummer JT hingegen liebt die klassischen Thrash-Bands.

 

The-Pit.de: Dann habt ihr sicherlich auch Fans aus all diesen Genres, die eure Musik gerade wegen all dieser verschiedenen Musiksparten lieben, denen ihr in euren Songs huldigt, oder irre ich mich?

Bernard: Ja, das ist korrekt. Ich denke, Fans von Dimmu Borgir und Hollenthon hören unsere Musik wegen der Vocals und der Orchestrierung, Fans von Dark Tranquillity und Soilwork legen sich da bei uns wohl eher auf das Riffing fest. 
Ich hoffe, dass die Leute in unserer Musik finden werden, wonach sie suchen und dass sie außerdem auch noch jede Menge Neues entdecken. 
Momentan scheint ja genau dies zu funktionieren.

 

The-Pit.de: Wie kam es dazu, dass ihr Brendan “Cabba” Capriotti für eure Band als zweiten Gitarristen gewinnen konntet?

Bernard: Wir hatten Cabba zuvor schonmal gesehen, als er vor ein paar Jahren in Perth mit seiner Band Claim The Throne (Epic Warrior Metal) auftrat. Im letzten Jahr war ich mit ihm auf dem Wacken und auf dem Summer Breeze. Dabei stellte sich heraus, dass unser Musikgeschmack ziemlich gleich ist.
Er ist ein fantastischer Performer und gibt Red Descending genau das, was die Band braucht: Die zweite Gitarre ist ein äußerst wichtiges Element unseres Songwritings. 

Red Descending überzeugten mit ihrem Debüt weltweit.
Red Descending überzeugten mit ihrem Debüt weltweit.

The-Pit.de: Hat Brendon auch schon auf der “Where Dreams Come To Die” die zweite Gitarre eingespielt?

Bernard: Nein, Cabba wurde von uns rekrutiert, nachdem wir die CD aufgenommen hatten. 
Ich denke, er mochte das, was er da zu hören bekam und hat uns darauf angesprochen, was wir davon halten würden, eine zweite Gitarre mit in das Bandgefüge mit aufzunehmen. 
Wir zögerten keine Sekunde und durch ihn kann nun unser Live-Sound voll und ganz mit dem auf der CD mithalten.

 

The-Pit.de: Erzähle bitte etwas über das Mädel, die diese schönen Vocals beispielsweise in “Slaughter Falls” beigesteuert hat.

Bernard: Rebecca ist eine professionelle Sängerin und singt in einer australischen 80’er Electronic-Band namens Brash and Sassy. Bevor sie für uns gesungen hatte, war sie nicht mit Metal vertraut gewesen. Ich bin mir aber sicher, dass sie bald zu einem Metalfan werden wird!  
Wir lieben diesen Kontrast zwischen weiblichen Vocals und den rauen Death Vocals.
Geht mal davon aus, dass es zukünftig wohl den ein oder anderen Song dieser Art von uns geben wird.

 

The-Pit.de: Wie steht es um die Metal-Underground-Szene bei euch in Australien?

Bernard: An der Westküste – wo wir beheimatet sind – ist die Metal-Szene ziemlich groß. Jedes Wochenende gibt es Konzerte mit großartigen lokalen Bands, die echten Metal in vielen verschiedenen Genres präsentieren.  
In den letzten paar Jahren kommen immer mehr große Acts aus der ganzen Welt hierhin und treten diese lange Reise an, um hier für ihre Fans zu spielen. 

Opeth zum Beispiel spielten hier in einem Zeitraum von fünf Jahren schon dreimal. Was die Ostküste Australiens angeht, da weiß ich nicht so genau Bescheid. Ich war dort nämlich noch nicht oft und wir sind mit Red Descending noch nicht durch Australien getourt. 
Ich denke, momentan wäre es eher angebracht, eine Tour durch Deutschland anzusetzen.

 

The-Pit.de: Wie habt ihr Peter In de Betou für das Mastering eurer Scheibe gewinnen können, obwohl ihr euer Album in DIY heraus gebracht habt?

Bernard: Wir haben uns unsere Lieblings-Alben durchgeschaut und haben dort seinen Namen bei den Matering-Credits gefunden. 
Wir wollten mit jemandem zusammen arbeiten, der unseren Sound kennt. Nachdem Peter im Vorfeld ja schon mit Dimmu Borgir und Dark Tranquillity zusammen gearbeitet hatte, dachte ich mir, dass er genau wissen würde, wie wir unseren Sound haben wollen würden. 

Peter hat einen großartigen Job geleistet. Sogar die Entfernung Schweden – Australien war für ihn kein Problem. Außerdem war Peter sogar noch günstiger für uns als wenn wir das Mastering hier in Australien hätten durchführen lassen! Wow!

 

The-Pit.de: Warum habt ihr eure “WDCTD” eigentlich in Eigenregie veröffentlicht?
Wolltet ihr nicht warten, bis ihr eines Tages einen Labeldeal bekommen würdet?

Bernard: Ian besitzt ein klasse Homestudio und wollte das mal ausprobieren – er hat es richtig gut gemacht! 
Ein paar von den Songs waren sogar noch gar nicht fertig. Das bedeutete für uns, dass wir uns soviel Zeit nehmen konnten wie wir benötigten. Es ermöglichte uns auch, verschiedene Sachen auszuprobieren; weibliche Vocals, Industrial-Sounds, Samples und Effekte. 
Es war harte Arbeit (für Ian), aber für den Rest der Band war es die reinste Gaudi. Keine Regeln sind immer die besten.

 

The-Pit.de: Sind denn nach der Veröffentlichung der „WDCTD“ einige Labels mit einem Deal-Angebot an euch heran getreten?

Bernhard: Wir haben bislang noch mit keiner Plattenfirma gesprochen. Wir wollten erst einmal ein paar Reviews bekommen, um zunächst einmal zu sehen, ob die Leute unser Album mögen. 
Es scheint so, als ob The Pit das Album mag, also werde ich gleich nach diesem Interview mal durchklingeln und schauen, ob ihr uns ein Angebot macht!

 

The-Pit.de: Oder vertretet ihr mit der DIY-Schiene die Meinung, dass ihr euch und eure Musik nicht limitieren wollt und euch den auferlegten Regeln der Plattenfirmen auch nicht beugen wollt?

Bernard: Wir möchten unser Album gern selbst aufnehmen. Mir gefällt der Gedanke nicht, alles innerhalb einer Woche aufzunehmen und das Material einem Mixer zu schicken, den wir gar nicht kennen…
Es sei denn, es handele sich um das Studio Fredman. Der Kerl hat ein paar großartige Alben produziert und kennt sich gut mit Metal-Bands aus.

 

The-Pit.de: Verliere doch mal ein paar Worte über eure Lyrics auf “WDCTD”. Wovon handeln sie?

Bernard: Auf der Scheibe gibt es ein paar unterschiedliche Themen. Die meisten handeln von der Verzweiflung in verschiedenen Situationen des Lebens; entweder durch Erfahrungen, die ich persönlich gemacht habe oder durch Dinge, die ich miterlebt habe.

Diese Dinge sind beispielsweise eine totalitäre Regierung (“Slaughter Falls”) oder Krieg (“Fragile Nation”).
Andere hingegen sind Visionen, die mir in meinen Träumen begegnet sind , wie z.B. “Departure“ und „Landscape“. Ich dachte mir, diese Songs könnten ein paar interessante Gedanken aufkommen lassen; dead dreams!

 

The-Pit.de: Wie ist es mit dem Kontakt zu anderen nicht- australischen Bands: Steht ihr mit Bands aus dem Ausland in Kontakt oder seid ihr in Down Under so etwas wie isoliert?

Bernard: Wenn Bands aus Übersee hier in meiner Heimatstadt einen Tourstop einlegen, ist es ziemlich einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Es scheint, als seien sie froh darüber, etwas mehr über Australien in Erfahrung zu bringen und wollen sich mit den Leuten von hier einen hinter die Binde kippen. 

Als Amon Amarth neulich hier gespielt hatten, habe ich von Johan Hegg ein paar Tipps in Sachen Vocal-Technik bekommen. 
Als Nightwish während ihrer Tour hier Halt machten, haben Ian (Gitarre) und ich nach dem Gig mit Marco und Tuomas mit Vodka angestoßen. Jedoch ist es für uns ein sehr langer Weg, aus Australien rau zu kommen und durch Europa zu touren.

 

The-Pit.de: Wenn du einen Wunsch frei hättest: Mit welcher Band würdest du dann am liebsten auf Tour gehen?

Bernard: Meine Lieblingsband aus Deutschland sind momentan Die Apokalyptischen Reiter. Meiner Meinung nach bieten sie eine unglaubliche Show und es sieht so aus, als hätten sie jede Menge Spaß. 
Die Band, mit der ich am liebsten auf Tour gehen würde, wäre jedoch Dark Tranqullity.
 Es würde einfach bestens passen, zusammen zu touren, nachdem wir unseren Namen “Red Descending” von deren Song “Wonders At Your Feet” entnommen haben.

 

The-Pit.de: Was wünschst du dir für die Zukunft von Red Descending?

Bernard: Ich hoffe, dass wir sowohl in Perth viel mehr Gigs spielen werden als auch rund um die Welt.
Wir wollen mehr Songs schreiben, und noch viel öfter CDs veröffentlichen!  
Wir wollen künftig versuchen, wie unsere Musik zusammen mit neuen Sounds klingt. Letzte Woche habe ich einen alten, englischen Schauspieler getroffen, der vielleicht einmal auf unserer nächsten Scheibe einen Erzähl-Part übernehmen wird.

 

The-Pit.de: Und jetzt, am Ende unseres kleinen Interviews, kannst du gern ein paar Worte direkt an unsere Leser richten.

Bernard: Werft immer mal wieder ein Auge auf unsere Website und auf unsere MySpace-Page, denn JT (Drums) und ich werden euch dort immer auf dem Laufenden halten mit neuen Videos von uns. Momentan bearbeite ich Live-Material von einigen unserer Auftritte, das bald dort zu sehen sein wird. 
Oh, und bitte verlangt unsere CD in euren Plattenläden. Wenn die Nachfrage nach uns nämlich groß genug ist, dann können wir auf Tour zu euch kommen, nach Deutschland, dem Land des Biers und der Metal-Festivals.
Cheers!

Wir danken Bernard von Red Descending für das informative und ausführliche Interview!

"Where Dreams Come To Die"
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